Flamatt
Rede beim 75-Jahr-Jubiläum der SP Wünnewil-Flamatt,
Flamatt, 4. November 2003
Alain Berset, Ständeratskandidat
Liebe Genossinnen, Liebe Genossen,
Mit grosser Freude bin ich heute nach Wünnewil gekommen und ich danke herzlich für die Einladung. Wir feiern heute 75 Jahre der Sozialdemokratischen Partei in Flammat und Wünnewil und das ist für mich sehr wichtig, das zeigt nämlich, dass unsere Ideen, unsere politischen Projekte, seit vielen Jahren hier vertreten sind.
Wir wissen schon, und ich habe es auch persönlich während dieser Wahlkampagne erlebt, wir wissen, dass viele Leute in unserem Kanton auf unsere politische Aktion zählen. Und das ist sehr klar für uns alle eine besondere Verantwortung, aber auch eine grosse Ehre.
Aber wie lautet diese Verantwortung?
Wir leben in einer Gesellschaft, wo die Ungleichheiten zwischen Armen und Reichen und zwischen Jungen und Älteren anwachsen. Wir können das seit einige Jahre klar sehen. Wir leben in einer Gesellschaft, wo man die Solidarität immer öfter vergisst, wo viele Arbeitsplätze und viele Lehrstellen fehlen. Wir wissen es, und das kann man einfach nicht akzeptieren. Das ist der Grund unseres Engagement in der Politik, und auch der Grund meines Engagement in dieser Wahlkampagne.
Liebe Genossinnen und Genossen, die nächste Legislaturperiode im Bundesparlament wird sehr wichtig für die Sozialversicherungen, für den Wirtschaftswachstum und für die Arbeitsplätze in unserem Land. Es gibt aber auch wichtige kantonale Punkte, insbesonders in der Regionalpolitik und in der Bildungspolitik, zum Beispiel für die Universitäten.
Über alle diese wichtige Punkte für den Kanton wollte ich mehrere Debatte mit dem FDP Kandidat führen. Ich wollte insbesonders eine Debatte hier, im Sensebezirk. Ich weiss, dass die SP-Sense bereit war, eine solche Debatte zu organisieren. Danke!
Aber die Antwort des FDP-Kandidaten ist einfach « nein ». Er hat immer Zeit gehabt, auch diese Woche, für die Debatte à la télévision suisse romande, oder für die Debatte à la radio suisse romande, aber er hatte keine Zeit, auch im ersten Wahlgang, für die Rega-Sense, für die DRS, oder für eine öffentliche Debatte hier im Sensebezirk. Es tut mir wirklich leid. Ein Ständeratskandidat muss fähig sein, den ganzen Kanton in Bern zu vertreten, und nicht nur den Glânebezirk.
Meine Rede ist vielleicht eine bisschen hart, aber wir sind noch immer in der Wahlkampagne und wir müssen bis nächsten Sonntag entscheiden, wer Herrn Schwaller in Ständerat begleiten wird. Das ist eine wichtige Entscheidung.
Wir wissen, dass Freiburg viel stärker in Bern mit einer CVP-SP Vertretung als mit einer FDP-CVP Vertretung wäre. Wir haben es im ersten Wahlgang gesagt, und sogar der SVP-Kandidat hat dasselbe gesagt. Ich glaube auch, dass die zweit grösste Partei des Kantons jetzt wieder einen Sitz im Ständerat haben muss. Fast 40% der Bevölkerung wählt linke Parteien, und nur 12% der Bevölkerung wählt FDP. Diese 40% haben auch das Recht, vertreten zu sein.
Deswegen bin ich bereit, mit meiner politischen und beruflichen Erfahrung, diese Verantwortung zu übernehmen. Und deshalb würde ich meinen jetzigen Job verlassen, falls ich gewählt werde. Übrigens ist es für mich klar unmöglich, gute Arbeit im Ständerat zu leisten, wenn man halbzeit als Oberamtmann des Glânebezirkes (zum Beispiel) und halbzeit als Ständerat tätig ist. Man kann die Sitze kumulieren, man kann die Löhne kumulieren, aber die Tage haben immer nur 24 Stunden und die Verlierer dieser Kumulierung sind der Kanton und die Bevölkerung, die schlecht vertreten sind. Deswegen, falls ich gewählt werde, werde ich meinen Job verlassen und mindestens 80% meiner Zeit, mehr wenn nötig, für den Ständerat aufbringen.
Liebe Genossinnen und Genossen, der Kanton Freiburg liegt mir am Herzen!
Ich bin sicher, dass wir eine Chance haben, unseren Sitz im Ständerat wiederzugewinnen. Allein kann ich einfach nichts machen, aber zusammen werden wir diesen Sitz im Ständerat holen. Danke für eure Unterstützung und danke für eure Aufmerksamkeit.
Alain Berset, 4. November 2003
Source : ancien site berset.ch, copie archive.org du 15.05.2005