Berne
Manuscrit, non publié à l’époque. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.
Discours prononcé en allemand et en français. Texte original, non traduit.
Sehr geehrte Damen und Herren National- und Ständeräte
Meine Damen und Herren
Sie haben sich vermutlich gefragt, weshalb dieser Anlass im Alpinen Museum stattfindet.
Eine Vermutung liegt auf der Hand:
In Zeiten der Verunsicherung suchen wir Halt bei den Alpen –
das war schon immer so.
Oder spätestens seit wir die Alpen zum Symbol unserer nationalen Identität erkoren haben.
Man könnte sich sogar fragen:
Zwingt uns die Corona-Krise am Ende noch ins Reduit –
und, epidemiologisch entscheidend:
Kann man dort lüften?
Das BAG klärt diese Frage zurzeit ab.
Im Ernst, meine Damen und Herren
Wir erleben momentan eine Situation, in der die Kulturlandschaft und damit das urbane Leben zu veröden droht.
Umso erfreulicher ist es, dass heute alle – sogar notorische Kultur-Skeptiker – bekennen, dass ihnen etwas Wichtiges fehlt.
Wir wissen jetzt, was wir immer geahnt haben:
Ohne Kultur –
genauer: live erlebte, miteinander geteilte kulturelle Erlebnisse –
lebt es sich eintöniger, atomisierter, entfremdeter.
Kurz: schlechter.
Wir wissen aber auch: Die Menschen kehren nur sehr zurückhaltend ins öffentliche Kulturleben zurück:
In einer repräsentativen Umfrage des Bundesamts für Kultur von Ende August sagen 42 Prozent der Befragten, sie würden erst nächstes Jahr wieder einen kulturellen Anlass besuchen.
Im Juni waren die Menschen optimistischer: nur 22 Prozent wollten mit einem Kulturbesuch bis nächstes Jahr warten.
Mehr als die Hälfte der Befragten (55%) geben jetzt zudem an, dass sie ihre Kulturausgaben in den nächsten 12 Monaten senken wollen.
Meine Damen und Herren
Wirtschaftlich präsentiert sich die Situation momentan für Kulturschaffende in vielen Ländern desolat –
was dies für die Lebensqualität und das kreative Potenzial einer Gesellschaft bedeutet,
lässt sich derzeit noch kaum erahnen.
In der Schweiz wurde und wird die Kultur in dieser existentiellen Krise vergleichsweise stark unterstützt – und das entspricht einem breiten politischen Konsens.
Le 26 février dernier, le message culture a été adopté par le Conseil fédéral.
Deux jours plus tard, nous interdisions les grandes manifestations de plus de 1000 personnes.
Le 16 mars, ce sont l’ensemble des lieux culturels qui ont dû être fermés.
A partir de là, le coronavirus est devenu omniprésent.
La culture en a subi les conséquences de plein fouet. Et malheureusement, cette situation va durer.
Le Conseil fédéral était conscient que ses décisions auraient des répercussions dramatiques sur le monde de la culture.
Le 20 mars, il a adopté les premières mesures spécifiques de soutien.
Le 13 mai, il les a prolongées de quatre mois.
Au total, ce sont 280 millions de francs qui ont été libérés par la Confédération ; (le montant passe à 390 millions, quand on ajoute les moyens apportés par les cantons à ces mesures prises au niveau fédéral).
Ces mesures sont primordiales. Elles doivent permettre d’éviter la perte d’un tissu culturel dense et diversifié. Et cela de manière irréversible, dans toutes les régions du pays.
Les institutions et les manifestations culturelles que les cantons estiment prioritaires doivent pouvoir être préservées.
L’objectif est de pouvoir leur offrir un soutien pour couvrir leur frais d’entretien immédiats. Il s’agit d’aides d’urgence, pour combler les cas de rigueur.
Pour l’instant, ces mesures sont prévues jusqu’au 20 septembre.
Or la phase d’incertitude que nous traversons tous, et qui affecte beaucoup le monde de la culture, est là pour durer.
Pour cette raison, le Conseil fédéral estime que le soutien accordé aux milieux culturels doit être prolongé, y compris pour l’année prochaine.
Le Parlement a été saisi en ce sens, via la loi covid-19. Ces mesures urgentes sont à l’ordre du jour de la session qui vient de débuter. C’est aussi le cas du message culture.
Ce nouveau message mise sur la continuité.
Parler de continuité, dans une telle période d’incertitude, peut paraître paradoxal, je vous l’accorde.
Mais ce n’est qu’un paradoxe apparent. Les grands axes que nous avons définis doivent être reconduits, et même renforcés.
la participation culturelle,
la cohésion sociale,
la création et innovation.
Avec un accent particulier sur la transformation numérique.
Es ist uns allen bewusst, dass die Digitalisierung alle Lebensbereiche nachhaltig beeinflusst. Und ich glaube, das wird nach der aktuellen Pandemie noch ausgeprägter der Fall sein als bisher.
Ein Beispiel: Im Filmbereich ist die Digitalisierung bereits seit vielen Jahren eine Realität.
Filme werden nicht mehr nur in Kinos und im Fernsehen, sondern zunehmend über Online-Plattformen konsumiert.
Mit diesen Streamingdiensten haben insbesondere die Fernsehveranstalter einen potenten Konkurrenten erhalten.
Mit der Revision des Filmgesetzes wollen wir gleich lange Spiesse für alle schaffen.
Es geht um die Grundsätze der Gleichbehandlung der Marktteilnehmer und der Technologieneutralität staatlicher Regulierung.
Die Diskussion läuft:
gestern wurde die Kulturbotschaft im Nationalrat behandelt.
Nun ist der Ständerat an der Reihe.
Die thematische Breite, die grosse Anzahl Anspruchsgruppen und die Vielzahl der Förderinstitutionen in der Schweiz stellen wesentliche Herausforderungen für die Kulturförderung des Bundes dar.
Die Kulturbotschaft 2021–2024 wird dieser Herausforderung gerecht – sie formuliert eine klare kulturpolitische Strategie und sie beantragt die notwendigen Finanzmittel zu deren Umsetzung.
Meine Damen und Herren
« Le Suisse vit paisiblement et trait sa vache »,
schrieb Victor Hugo.
Und es war keineswegs abschätzig gemeint:
Denn dieser war überzeugt:
« La Suisse, dans l’Histoire, aura le dernier mot. »
Und es ist die Bevölkerung, die GANZE Schweiz, die das letzte Wort hat.
Die Schweiz muss über alles debattieren können.
Nur so können wir dieses vielfältige Land zusammenhalten.
Und um gut debattieren zu können,
brauchen wir Einfühlungsvermögen,
brauchen wir Verständnis für
andere Standpunkte, andere Perspektiven.
Was ist Kultur, wenn nicht dies:
Ein Gespür für die emotionale und politische Grundierung der Gegenwart,
für unsere Befindlichkeit als Gesellschaft,
die sich ja stets auch in politischen Entscheiden kristallisiert,
früher oder später.
Ein vitales, vielfältiges Kulturleben hilft uns entscheidend dabei,
uns andere Welten vorzustellen,
andere Verhältnisse,
andere Lebensumstände.
Das gilt natürlich nur, wenn der Kulturbegriff weit gefasst ist und der Zugang breiter Kreise der Bevölkerung möglich und erwünscht ist.
Wir brauchen Kultur,
Weil unser Land unser Engagement braucht
Weil die Schweiz kein Selbstläufer ist.
Wir brauchen Kultur,
weil unsere Institutionen nur funktionieren können,
wenn wir uns bewusst sind, wie wichtig sie für unser Zusammenleben sind.
Wir brauchen Kultur,
weil wir ein Land im Wandel sind –
heute mehr als je zuvor.
Kultur ist NICHT Ornament.
Sie hat NICHT die Aufgabe, uns für die Härten des Lebens zu entschädigen, indem sie uns angenehm berieselt.
Kultur hat vielmehr eine Perspektivfunktion, wie das der Philosoph Odo Marquard einst genannt hat.
Sie bereichert unsere Gegenwart, indem sie dem Kommenden einen wichtigen Platz in unserem Denken sichert.
Eine Investition in die Kultur ist eine Investition in unsere Zukunft.