Berne
Publié en allemand sous le titre « Zweihundertjahrfeier der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte »
Allocution prononcée par le Conseiller fédéral Alain Berset à l’occasion des 200 ans de la Société des Vétérinaires Suisses – Seules les paroles prononcées font foi.
Discours prononcé en allemand. Texte original, non traduit.
Was Sie alle hier im Saal schon längst wissen, das entdeckt seit einiger Zeit auch eine breitere Öffentlichkeit: Nämlich, wie ähnlich sich Mensch und Tier sind.
Heute besteht ein wissenschaftlicher Konsens darüber, dass Tiere denken und fühlen. Das war bis vor einigen Jahrzehnten noch anders, ganz zu schweigen vom 19. Jahrhundert, als die GST gegründet wurde.
Wie rief doch damals die Frau des Bischofs von Worcester entrüstet, als sie von Darwins Theorie hörte: „Von Affen abstammen! Meine Güte, hoffen wir, dass das nicht wahr ist. Und wenn es wahr ist, dann beten wir, dass es nicht allgemein bekannt wird.“
Nun, es ist bekannt geworden. Heute wissen alle – zumindest alle, die es wissen wollen -, dass Menschen und Schimpansen eng verwandt sind. Die genetische Übereinstimmung beträgt über 98 Prozent.
Noch nicht zum Allgemeinwissen zählt jedoch, dass unsere Gene auch zu fast 75 Prozent mit jenen des Fadenwurms Caenorhabditis elegans identisch sind.
Wenn die Frau des Bischofs von Worcester geahnt hätte, dass sie nicht nur vom Schimpansen abstammt, sondern auch noch mit dem Fadenwurm Caenorhabditis elegans eng verwandt ist – das hätte sie wohl wirklich als „shocking!“ empfunden.
Und es schockiert uns heute noch immer ein wenig, wenn wir ehrlich sind. Wir müssen uns damit trösten, dass der uns so nah verwandte Fadenwurm wenigstens das Attribut „elegans“ trägt…
Heute geht es an der Forschungsfront um die Frage, ob Tiere – trotz fehlender Sprache! – nicht nur denken, sondern sogar komplexe Überlegungen anstellen können.
Die heutige Nähe von Mensch und Tier zeigt sich auch im Erfolg von Büchern wie „Wir streicheln und wir essen sie“, dem Bestseller des amerikanischen Anthrozoologen Hal Herzog. Dieser beleuchtet eindrücklich unser irrationales Verhalten in der Beziehung zu Tieren: Warum enden Huhn und Schwein auf unserem Essteller, während Hund und Katze liebevoll verwöhnt werden?
Es scheint, als habe Konrad Lorenz recht gehabt mit seiner Bemerkung: „Ich glaube, ich habe die Zwischenstufe zwischen Tier und homo sapiens gefunden. Wir sind es.“
Trotz allen Widersprüchen: Es ist eine hervorragende Entwicklung, dass sich, zumindest in weiten Teilen der Welt, etwas fundamental zu verändern scheint in der Beziehung zwischen Mensch und Tier.
Ihre Organisation, die sich mit Fragen an dieser Schnittstelle von Mensch und Tier befasst, feiert heute den 200. Geburtstag. Und im ganzen Lauf seiner Geschichte war sie geprägt von einem Ethos der Verantwortung für das Gemeinwohl.
Die gesamte Tierärzteschaft spielte – und spielt – eine unverzichtbare Rolle für unser Land und für die öffentliche Gesundheit.
Die GST ist in den 200 Jahren ihres Bestehens für die Tierseuchenbekämpfung eingestanden.
- Bis 1872 nahm die GST faktisch die Funktion einer nationalen Veterinärbehörde ein. Vor dem ersten Tierseuchengesetz von 1872 hat die GST sogar die Verantwortung für die nationale Koordination der Seuchenbekämpfung getragen.
- Erst danach wurde das staatliche Veterinärwesen vom Bund wahrgenommen und in den Kantonen gestärkt. Viele Tierärzte übernahmen in der Folge auch amtliche Funktionen.
- Die GST setzte sich mit verschiedenen Eingaben beim Bund für eine verbesserte Tierseuchen- und Lebensmittelgesetzgebung ein. Und sie hatte Erfolg: Erwähnt sei das Lebensmittelgesetz von 1905, die Schaffung des eidgenössischen Veterinäramtes 1914 und das erste Tierseuchengesetz 1917.
- Ein Verdienst von nationaler Bedeutung war die Ausrottung der Rindertuberkulose (1960) und des Rinderabortus Bang (1964) – zwei Krankheiten, die auch bei den Menschen grosse Gesundheitsschäden verursacht haben. Ohne Mitwirkung aller Tierärzte – nicht nur der amtlichen -, wäre eine Ausrottung viel schwieriger und kostspieliger gewesen. Mancher Tierarzt musste seinen Kunden erklären, weshalb er seine gesamte Viehhabe zur Schlachtung führen musste.
Dass auch eine besiegt geglaubte Krankheit in der globalisierten Gegenwart wieder auftauchen kann, zeigt der aktuelle Ausbruch von Rindertuberkulose in der Schweiz. Auch heute kann TBC nur mit dem Fachwissen und Engagement der privaten und amtlichen Tierärzte eliminiert werden.
Aber nicht nur die Tiergesundheit, auch die Tierhaltung und das Wohlergehen der Tiere stehen heute stark im Fokus der Öffentlichkeit.
Durch eine optimierte Zusammenarbeit mit den Landwirtschaftsorganisationen kann die Tierärztin den Tierhalter besser unterstützen, sei es mit Information oder sei es mit Beratung.
Zielführend ist einzig eine echte Partnerschaft zwischen Tierhaltern und Tierärzten. Die Tierärzte helfen den Tierhaltern, die Tiere gesund und leistungsfähig zu halten, so dass der Betrieb auch rentabel geführt werden kann.
Nicht nur in der Prävention, auch im Datenmanagement müssen Tierhalter und Tierarzt am gleichen Strick ziehen.
- Durch die Nutzung und die Pflege bestehender Datenbanken wie zum Beispiel der Tierverkehrsdatenbank.
- Durch die Meldung von Auffälligkeiten wie zum Beispiel Aborten oder Krankheitsbildern.
- Nur so kann es gelingen, im Seuchenfall den Tierverkehr und damit mögliche Ansteckungsherde schnell aufzufinden, wie dies ja auch das aktuelle Beispiel der Rindertuberkulose zeigt.
Ich bin überzeugt, dass Sie auch Ihre grosse Verantwortung beim Einsatz von Antibiotika wahrnehmen.
Antibiotika sind unverzichtbare Medikamente sowohl in der Human-, als auch in der Veterinärmedizin. Mit der Zunahme des Antibiotika-Einsatzes nimmt indes auch die Zahl antibiotika-resistenter Bakterien zu.
Es gehört deshalb zu den grossen Herausforderungen der öffentlichen Gesundheit, der Lebensmittelsicherheit und der Tiergesundheit, die Verbreitung solcher Resistenzen einzudämmen und die Wirksamkeit von Antibiotika zu erhalten.
Der Bundesrat hat die Bekämpfung von Resistenzen denn auch in die gesundheitspolitischen Prioritäten der Strategie „Gesundheit 2020“ aufgenommen. Das EDI und das WBF wollen die Massnahmen gegen Antibiotika-Resistenzen bündeln und ein breit abgestütztes, nationales Programm lancieren. Das Bundesamt für Gesundheit BAG wurde beauftragt, gemeinsam mit den Bundesämtern für Veterinärwesen BVET und für Landwirtschaft BLW, bis 2015 eine Strategie und darauf aufbauend ein Programm zu Antibiotika-Resistenzen zu erarbeiten.
Ich möchte natürlich auch allen Tierärztinnen und Tierärzten danken, die auf Heimtiere spezialisiert sind.
Zusätzlich zur Behandlung kranker Tiere leisten Sie einen wertvollen Dienst an den Tierhaltern, besonders an Alleinstehenden und Familien mit Kindern. Wenn der Hund leidet, leiden auch die Menschen.
Nutzen Sie das grosse Vertrauen, das Sie bei den Menschen geniessen, um den Tierschutz im privaten Haushalt bei Hund, Katze und Kanarienvogel und im bäuerlichen Stall zu vertiefen.
Erklären Sie den Kindern, die Ihnen zuschauen, was Sie machen, und was die Kinder machen können, damit es den Tieren gut geht.
J’ai évoqué au début de mon allocution la prise de conscience croissante du fait que l’homme et l’animal ne sont pas si éloignés qu’on le pensait encore il y a peu… Et pour en apporter une preuve supplémentaire dans le modeste cadre de l’administration fédérale, l’Office vétérinaire fédéral (OVF) a rejoint en début d’année l’Office fédéral de la santé publique (OFSP) au sein du DFI.
Le regroupement de la médecine humaine et de la médecine vétérinaire n’est pas seulement logique, c’est aussi une grande chance.
En créant l’Office fédéral de la sécurité alimentaire et des affaires vétérinaires (OSAV), nous avons fait en sorte qu’à l’échelon fédéral, l’ensemble de la chaîne alimentaire relève de la responsabilité d’un seul et même office à partir de 2014. Cette nouvelle organisation permettra de supprimer de nombreuses interfaces. Sécurité alimentaire, alimentation, santé animale et protection des animaux : tout sera regroupé.
Votre mission première, est de veiller à la santé du cheptel et à celle des animaux de rente en utilisant les médicaments à usage vétérinaire dans les règles de l’art.
Mais vous occupez aussi une place cruciale dans la relation entre l’homme et l’animal.
Car la profession vétérinaire a aujourd’hui une mission capitale de santé publique : protéger l’être humain de tout danger sanitaire causé par des animaux ou des produits animaux.
Il vous appartient de garantir que la viande, le lait et les œufs parviennent sur le marché sous la forme d’aliments parfaitement sains, en empêchant notamment la présence de traces indésirables de médicaments. Vous contribuez ainsi largement à la protection de la santé publique.
Vous contribuez en outre à détecter précocement les maladies transmissibles de l’animal à l’homme et veillez aussi ainsi à ce que seuls des aliments sains parviennent à notre table. Et ce processus commence déjà dans les étables !
Je vous souhaite le meilleur dans votre mission aussi importante qu’exigeante et suis heureux de travailler avec vous.
J’adresse tous mes vœux à la Société des Vétérinaires Suisses pour son bicentenaire !
Source : Conseil fédéral, admin.ch · Document original (PDF)