Bâle

Manuscrit, non publié à l’époque. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.

Discours prononcé en allemand et en français. Texte original, non traduit.

Meine Damen und Herren

Chers lauréates et lauréats

Erst die Pandemie, dann ein Krieg in Europa. Wie tiefgreifend sich die Welt verändert hat, lässt sich momentan noch nicht abschätzen. Aber wir spüren: Was selbstverständlich war, ist plötzlich ungewiss.

In dieser fundamentalen Verunsicherung kommt der Kunst eine wichtige Rolle zu. Kunst entwickelt ständig Alternativen zum Status quo, zum courant normal. Zu den Verhältnissen, wie sie sind. Oder eben: Wie sie vermeintlich sind.

Sie hilft uns, uns in dieser neuen Welt zurechtzufinden: Indem sie unsere Werte neu verhandelt. Indem sie Fragen stellt, statt vorschnelle Antworten zu geben.

Kunst kann so zu einem echten Impulsgeber der Neuorientierung werden. Eben weil sie keinem Zweck zu dienen hat, weil sie abseits steht – und doch gleichzeitig eng verbunden ist mit allen Entwicklungen, die uns umtreiben.

Abseits und doch mittendrin: Diese künstlerische Position prägt auch das Werk von Meret Oppenheim, deren Namen dieser Preis trägt. Der Schweizer Grand Prix Kunst / Prix Meret Oppenheim ehrt das herausragende Schaffen in Kunst, Architektur und Vermittlung.

Ausgezeichnet werden Lebenswerke, die einen nachhaltigen Einfluss auf unsere Wahrnehmung haben und die Debatte über Kunst und Architektur bereichern.

Meine Damen und Herren 2019 war ich das letzte Mal an dieser Preisverleihung. Damals habe ich Ihnen, Jürg Conzett, das Wort geben dürfen für die tragische Würdigung von Marcel Meili – der kurz zuvor verstorben war – und von Markus Peter.

Heute sind Sie es, der geehrt wird, zusammen mit Gianfranco Bronzini.

Ihre Arbeit ist wie jene von Meret Oppenheim abseits und sie verbindet doch die Menschen.

Geehrt werden zwei grossartige Bauingenieure, welche die technische Lösung mit kreativem Denken verbinden.

Sie haben Meisterwerke geschaffen in ihrer wichtigsten Sparte, dem Brückenbau, der Königsdisziplin der Bauingenieure.

Hinzu kommen unzählige Gebäude in Zusammenarbeit mit Architekten aus der ganzen Welt.

Die sorgfältigen Überlegungen zeigt sich in Ihrem Ansatz: wichtig ist die Analyse dessen, was schon existiert und nicht der Geltungsdrang, möglichst viel zu verändern.

Damit haben sie auch wesentlich dazu beigetragen, die Substanz historischer Bauten zu erhalten.

Mesdames et Messieurs, « A partir d’aujourd’hui, la peinture est morte ! » C’est du moins la conviction du peintre français Paul Delaroche, exprimée dans les années 1830, lorsque l’invention de la photographie révolutionne le potentiel de l’art visuel.

Non, la peinture n’est pas morte ! Au contraire ! Nous en avons la confirmation aujourd’hui avec la remise du Prix Meret Oppenheim, qui honore 2 femmes peintres.

Les lauréates Caroline Bachmann et Klodin Erb se sont consacrées, toutes les deux à leur manière, mais sans compromis et sans relâche, à la peinture. Et en particulier à la peinture figurative, alors même que celle-ci ne jouissait pas d’un grand prestige.

Caroline Bachmann vous êtes une peintre autodidacte. Votre passion, ce sont les humeurs du Lac Léman. Depuis le village de Cully, vous observez, vous archivez dans vos notes chaque couleur, chaque frémissement d’eau, chaque forme de nuage. Ces observations de l’aube arrêtent le temps. Elle donnent un aperçu du calme infini et sont comme une ouverture sur l’éternel, en forme d’échappatoires à l’hypertemps contemporain.

A partir de vos esquisses sur le vif – qui attendent parfois plusieurs années dans vos tiroirs – vous embrassez le temps long de la peinture. Pendant des semaines, des mois, des années, vous fabriquez ces images fascinantes où la figuration – presque obsessive – du paysage passe par l’abstraction des notes prises sur le vif.

Klodin Erb, bei Ihnen finden die Aktualität und die gesellschaftlichen Entwicklungen Ausdruck in gegenständlichen Bildern, gemalt in verschiedenen Techniken mit konzentriertem, raschen Strich.

Ihre Arbeit entführt in Parallelwelten. Es sind fantastische Welten, die gerade in Zeiten grosser Unsicherheiten ihre Wirkung entfalten. Sie verstören, erfreuen, regen an. Für Sie ist die Malerei eine Form der Kommunikation, direkt und vielschichtig, so wie es Worte vielleicht nicht können, eine Möglichkeit, um mit unserer Welt in Kontakt zu sein, Liebe Preisträgerinnen und Preisträger

Ich gratuliere Ihnen herzlich zum Schweizer Grand Prix Kunst / Prix Meret Oppenheim.

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