Bâle

Manuscrit, non publié à l’époque. Texte établi d’après l’exemplaire de lecture. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.

Discours prononcé en allemand. Texte original, non traduit.

Meine Damen und Herren

Es freut mich, dass Sie mich zu Ihrem 90. Geburtstag eingeladen haben.

Das ist ja nicht ganz selbstverständlich.

Denn das Verhältnis von Pharmaindustrie und Gesundheitsminister ist ja bekanntlich etwas kompliziert…

Die Pharmaindustrie ist natürlich ein sehr wichtiger Partner, der Medikamente und Therapien entwickelt, zu einem längeren, gesünderen Leben beiträgt, Arbeitsplätze schafft, und die Wertschöpfung stärkt.

Der Gesundheitsminister aber muss darauf achten, dass diese Medikamente bezahlbar bleiben – auch wenn allen durchaus klar ist, welch hohe Summen investiert werden müssen und wie lange es dauert, bis endlich etwas Wirksames aus der Pipeline kommt.

Dafür haben wir beim Bund eigentlich viel Verständnis. Auch beim Bund dauert es bekanntlich lange, bis endlich etwas aus der Pipeline kommt…

Denken Sie nur ans Frauenstimmrecht. 1848 haben es die meisten Männer erhalten. 1971 die Frauen. 123 Jahre in der Pipeline.

Aber auch in der Geschichte von Interpharma findet sich aus der Perspektive der Politik durchaus Tröstliches: So gab es eine bemerkenswerte Debatte, als Interpharma erstmals prominent an die Öffentlichkeit trat, das war an der Landesausstellung 1939.

Über das Geschehen im Interpharma-Pavillon an der Landi las ich folgendes, ich zitiere:

«Die Besucher verlangten vom Aufsichtspersonal immer wieder Kopfwehtabletten, man war ja schliesslich «bei der Chemie». Dies führte zum Antrag, dem Personal eine Anzahl Saridon zur Verfügung zu stellen. Roche erhob dagegen Einspruch. Die an Kopfweh leidenden Besucher sollten sich an die Sanitätsposten wenden; Die Begründung des Roche-Managements: Weder der Verkauf (verboten!) noch die Gratisabgabe (Rücksicht auf die Apotheker!) könne in Frage kommen.» Ende Zitat.

Da kann ich nur sagen: Willkommen in meiner Welt! Willkommen in der Schweizer Gesundheitspolitik! Riesendiskussionen um Zuständigkeiten, Streit um Angebotsausweitungen, die zu Nachfragesteigerungen führen – oder vielleicht auch nicht. Und im besten Fall eine mittlere Unzufriedenheit über gefundene Lösungen – egal, wie diese aussehen.

Meine Damen und Herren

Die Schweiz nimmt in den Rankings – sei es Innovation, sei es Wettbewerbsfähigkeit – traditionell einen Spitzenrang ein.

Das verdankt sie ganz entscheidend der Pharmaindustrie.

Ohne diese wäre die Schweiz ein in jeder Hinsicht ärmeres Land.

Die Pharmaindustrie verdankt ihrerseits auch der Schweiz viel. Stabile und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen, ein gutes Bildungssystem mit exzellenten Hochschulen, eine hervorragende Infrastruktur, aber auch weiche Faktoren wie Weltoffenheit und eine starke Wertschätzung wissenschaftlichen Fortschritts.

Klar: Wir folgen in unserem Handeln verschiedenen Logiken – und deshalb braucht es eine gute Gesprächskultur.

Eine solche ist im Zeitalter der Globalisierung keineswegs selbstverständlich.

Die Geschichte von Interpharma spiegelt exemplarisch die Globalisierung der Pharmabranche.

Umso bemerkenswerter scheint mir, dass wir die Kultur des Austausches durchaus schweizerisch fortgeführt haben – und das weiterhin tun.

Kurze Wege, harte Debatten – aber stets mit Respekt und mit Verständnis für die Perspektive der anderen: Das ist entscheidend für den Erfolg der Schweiz.

Ihr Verband vertritt die wichtigste Branche der Schweiz mit Engagement und Fairness. Dafür danke ich Ihnen.

Die Bedeutung der pharmazeutischen Industrie für die Schweiz ist kaum zu überschätzen.

Die Bedeutung Ihrer Industrie hat denn auch dazu geführt, dass wir 2013 den Masterplan zur Stärkung der biomedizinischen Forschung und Technologie lanciert haben.

Meine Damen und Herren

Noch wichtiger als der wirtschaftliche Mehrwert, den die Pharma schafft, ist der gesundheitliche Mehrwert ihrer Produkte.

Das zeigt die jüngere Vergangenheit eindrücklich.

Neue Behandlungsmöglichkeiten für seltene Krankheiten wurden entwickelt. Dank innovativer Arzneimittel wurden längere Überlebensmöglichkeiten bei Krebserkrankungen erreicht. Insbesondere in der Onkologie werden wirksamere Arzneimittel länger verabreicht, was jedoch höhere Kosten generiert. Während zum Beispiel im Jahr 2010 Arzneimittelkosten pro Jahr in Höhe von 100’000 Franken noch kaum vorkamen, kommen nun jährlich etliche Arzneimittel und Therapien mit solch hohen oder noch höheren Kosten auf den Schweizer Markt.

Innovationen kosten – das ist klar.

Aber es gibt gesellschaftliche Grenzen der Finanzierbarkeit, über die wir immer wieder sprechen müssen.

Die Kosten zu Lasten der Grundversicherung haben seit der Einführung des Krankenversicherungsgesetzes im Jahr 1995 stets zugenommen.

Die Medikamentenkosten sind dabei insbesondere in den letzten Jahren überproportional gewachsen – trotz kostendämpfender Massnahmen.

Deshalb waren und sind kostendämpfende Massnahmen alternativlos: Diese Massnahmen wurden von der Pharmaindustrie mitgetragen und auch von Interpharma besonders in der Umsetzung unterstützt.

Verschiedene Massnahmen zur Verbesserung des Zugangs und zur Erhaltung der Finanzierbarkeit werden derzeit diskutiert: etwa wie verhindert werden kann, dass günstige Arzneimittel zu günstig werden und in der Schweiz nicht mehr angeboten, wie lebenswichtige Arzneimittel rascher vergütet, wie Preismodelle eingeführt oder wie die Kosten bei patentabgelaufenen Medikamenten gedämpft werden können.

Meine Damen und Herren

Eine Herausforderung stellt auch die Versorgungssicherheit mit Arzneimitteln dar.

Die Versorgungsstörungen haben in den letzten Jahren stark weltweit zugenommen.

Die Versorgungsstörungen bereiten auch dem Bundesrat seit längerer Zeit Sorgen.
Um die Versorgung langfristig zu stärken, sind verschiedene Massnahmen in Prüfung: Dazu gehören etwa das Monitoring der Versorgungslage, die Ausweitung der Pflichtlagerhaltung, mögliche Anreizsysteme oder Erleichterungen bei der Zulassung und beim Import.

Die Task Force Engpass Medikamente prüft zudem kurzfristige Verbesserungen.

Der Bund ist gefordert, aber auch die Pharmaindustrie: etwa indem sie sich auch für die Versorgung mit älteren, günstigen Arzneimitteln einsetzt.

Meine Damen und Herren

Wir sind aufeinander angewiesen.
Auch in Sachen Digitalisierung.

Interpharma propagiert ein Gesundheitsdaten-Ökosystem.

Der Bund teilt grundsätzlich die Stossrichtung – auch wenn der Bund aufgrund der fragmentierten Kompetenzen im Gesundheitswesen das geforderte digitale Gesundheitsdaten-Ökosystem nicht alleine aufbauen und verantworten kann.

Der Bundesrat hat mein Departement beauftragt, ein Programm zur Förderung der digitalen Transformation des Gesundheitswesens auszuarbeiten.

Mit dem Programm DigiSanté wollen wir grundlegende Probleme im Bereich der Gesundheitsdaten angehen: Daten sollen nur einmal erhoben werden. Mehrfacherhebungen müssen vermieden werden. Daten sollen standardisiert erhoben werden. Die Interoperabilität muss sichergestellt werden. Der Zugang zu Gesundheitsdaten muss klar geregelt werden. Die Privatsphäre der einzelnen soll gewahrt und der Datenschutz sichergestellt sein. Damit stärken wir den Forschungsplatz Schweiz.

Das Programm hat für mich eine hohe Priorität. Es soll 2024 im Parlament behandelt werden und ab 2025 starten.

Meine Damen und Herren

Die Schweizer Pharmaindustrie nimmt seit rund 150 Jahren eine Spitzenplatz im globalen Wettbewerb ein.

Dieser Erfolg verdankt sich vor allem einem riesigen Engagement für die Forschung und Entwicklung von neuen Produkten und dem Bewusstsein, dass man, gerade als Industrie eines kleinen Landes, global denken und handeln muss, ohne aber das lokale Denken und Handeln zu vernachlässigen.

Ich gratuliere Interpharma zum 90. Geburtstag.

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