Winterthour

Manuscrit, non publié à l’époque. Texte établi d’après l’exemplaire de lecture. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.

Discours prononcé en allemand. Texte original, non traduit.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Es freut mich sehr, hier in Winterthur zu sein.

Ich werde nicht viele Worte verlieren. Mir ist bewusst, wer Ihr liebster Stadtheiliger ist: Sankt Albanus, der Namensgeber des berühmten Albani-Festes.

Und Sankt Albanus trägt ja seinen Kopf auf den Unterarmen. Der sagt nichts. Sankt Albanus wäre der perfekte Bundesrats-Sprecher.

Sie mögen in Winterthur Leute, die nicht reden. Obwohl: es gibt da ja noch einen anderen bekannten Winterthurer …, der eigentlich immer redet … Beni Thurnheer.

Ich bin etwas verwirrt. Wer ist jetzt typisch für Winterthur: Sankt Alban oder Beni Thurnheer? Immer schweigen oder immer reden? Es wird Sie nicht überraschen, dass ich den Schweizer Mittelweg wähle.

Meine Damen und Herren,

Winterthur ist eine Stadt der Kultur. Einer der Gründe, weshalb der Bundesrat hierhergekommen ist für seine Sitzung. Kultur ist zentral für unser vielfältiges Land, gerade in diesen anspruchsvollen Zeiten. Sie hilft uns immer wieder herauszufinden, wer wir sind und was uns verbindet.

Winterthur ist eine Stadt der Wirtschaft: Auch einer der Gründe, um hierher zu kommen. Hier befand sich das grösste Industriegebiet der Schweiz. Hier wurde der Arbeitsfrieden erstmals erprobt – bei Sulzer.

Und Winterthur hat die Politik der Schweiz geprägt: Als Hochburg der demokratischen Bewegung hat Ihre Stadt entscheidend dazu beigetragen, dass die Schweiz heute eine direkte Demokratie ist.

Und zur direkten Demokratie gehört die direkte Begegnung. So wie hier und heute. Diese Nähe ist besonders wichtig in einer Zeit, in der die Versuchung gross ist, sich nur noch mit Seinesgleichen auszutauschen und das Gespräch mit jenen zu vermeiden, die die Welt etwas anders sehen.

Wir sind aber nur solange ein starkes Land, solange dieses Gespräch mit den anderen stattfindet.

Und hier schliesse ich, meine Damen und Herren, damit ich nicht ende wie Sankt Alban.

Nur noch ein Letztes – eine kleine Klarstellung: Wir, der Bundesrat, haben wirklich nichts – zu tun mit der Fusion der Bank von Winterthur und der Bank von Toggenburg im Jahr 1912, die später zur Gründung der UBS führte. Wir alle waren damals tatsächlich noch nicht Mitglied des Bundesrats. Ich wurde 2012 in den Bundesrat gewählt. Und wenn manche meinen, ich sässe schon seit 100 Jahren im Bundesrat, dann kann ich ihnen versichern: das ist nur ein Gefühl.

Ich freue mich nun auf Begegnungen mit Ihnen, danke herzlich für den wunderbaren Empfang und wünsche Ihnen allen interessante Gespräche.

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