Bâle
Manuscrit, non publié à l’époque. Texte établi d’après l’exemplaire de lecture. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.
Discours prononcé en allemand et en français. Texte original, non traduit.
Chères lauréates, chers lauréats,
Monsieur le Président de la Commission fédérale d’art,
Mesdames et Messieurs.
Stehen wir an der Schwelle zu einer neuen Aufklärung?
Die Frage scheint absurd.
Denn eher scheint das Gegenteil zu drohen. Es gibt nicht wenige, die vor einem Rückfall in ein neues Mittelalter warnen: Tatsächlich ist das Misstrauen gegen das wissenschaftliche Denken weit verbreitet. Überall werden Sündenböcke gesucht. Gesprächs-verweigerung bedroht die Kultur der offenen Debatte, das Lebenselixier jeder Demokratie.
Wir könnten heute zwar übers Internet, über die sozialen Medien wie nie zuvor in der Geschichte die Perspektive der anderen verstehen lernen – aber häufig ziehen wir uns auf unsere eigene Weltsicht zurück.
Und dann ist da noch die Frage der künstlichen Intelligenz: werden wir künftig überhaupt noch wahr von falsch unterscheiden können?
Meine Damen und Herren
Trotz – oder gerade wegen – diesen düsteren Aussichten bin ich überzeugt: Das kritische Denken wird einen Aufschwung erleben.
Denn es gibt schlicht keine Alternative.
Weil wir in dieser Welt nur noch zurechtkommen können, wenn wir rigorose Quellenkritik betreiben, wenn wir unsere Einordnungskompetenz trainieren, wenn unsere Fragen so originell oder so tiefschürfend sind, dass ChatGPT uns nicht einfach mit mainstream-Antworten abfertigen kann.
Und hier kommt die Kunst ins Spiel.
Denn Kunst trainiert unsere Wahrnehmung, hinterfragt unsere Denkprämissen. Sie führt uns vor Augen, dass die Verhältnisse auch ganz anders sein könnten. Dass die Schwerkraft des Faktischen nur deshalb wirkt, weil wir von deren Existenz überzeugt sind.
Denn: Was ist der Kern der Moderne? Dass wir die Dinge für veränderbar halten. Sonst fällt jede Vorstellung von Fortschritt in sich zusammen.
Gewiss: Kunst hat keinen politischen Auftrag, zumindest nicht in demokratischen Systemen – sonst ist sie Propaganda.
Aber Kunst hat mit Demokratie eines gemeinsam: Sie braucht die Vielstimmigkeit und das Multiperspektivische. Ohne das Multiperspektivische wird Kunst provinziell – Und ohne Vielstimmigkeit verkümmert die Demokratie.
Meine Damen und Herren
Der Grand Prix Suisse d’Art / Prix Meret Oppenheim trägt dazu bei, immer wieder aufs Neue neu zu definieren, was unter «Kunst», was unter «Kultur» verstanden wird.
Diese permanente Bewertung und Neubewertung unserer Sicht der Dinge, dieses ständige Verschieben der Wahrnehmung: Das ist der politische Kern der Kunst.
Mit dem Grand Prix Suisse d’Art / Prix Meret Oppenheim wird künstlerische, vermittelnde oder architektonische Arbeit ausgezeichnet, die in besonderen Mass Einfluss auf die Gesellschaft hat und die Debatte über Kunst und Architektur bereichert.
Dieses Jahr sind das Uriel Orlow, die Initiative Parity Group und Stanislaus von Moos.
Ich gratuliere Ihnen ganz herzlich zum Gewinn des Grand Prix Suisse d’Art / Prix Meret Oppenheim.
Herzliche Gratulation auch allen Preisträgerinnen und Preisträgern der Schweizer Kunstpreise, die hier ausgestellt sind.
Une vie culturelle active est la manifestation d’une société ouverte et démocratique, dans laquelle chacune et chacun doit trouver sa place.
La culture favorise la cohésion sociale.
La politique culturelle est donc une politique de société. C’est ce que le Conseil fédéral réaffirme avec le Message culture 2025-2028 qu’il a mis vendredi dernier en consultation.
La culture est un secteur économique important, qui est confronté à de nouveaux enjeux. Parmi ceux-ci, les conditions de travail ou la transformation numérique.
La crise du coronavirus a mis en lumière la précarité de certains artistes.
Et la Confédération se veut désormais s’assurer que les acteurs culturels bénéficient de bonnes conditions de travail et d’une protection sociale solide.
L’Office fédéral de la culture s’engage depuis longtemps pour la sécurité sociale des artistes (3e pilier, en plus de l’argent des prix) et coopère avec Visarte dans ses activités de défense des droits de la branche.
La Confédération attend désormais que – pour les soutiens qu’elle accorde – l’ensemble des acteurs reçoivent une rémunération équitable, basée sur les recommandations des associations professionnelles.
Mesdames et Messieurs,
Le rôle de la culture comme colonne vertébrale de la société est plus essentiel que jamais.
J’aimerais à cette occasion remercier la Commission fédérale d’art de leur précieux engagement au service de l’art suisse.
Et bien sûr je félicite les lauréates et lauréats, ainsi que toutes et tous les artistes de l’exposition Swiss Art Awards.
Je vous souhaite une excellente soirée à Bâle.