Zoug

Manuscrit, non publié à l’époque. Texte établi d’après l’exemplaire de lecture. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.

Discours prononcé en allemand et en français. Texte original, non traduit.

Sehr geehrte Frau Landamann
Sehr geehrte Dame und Herren National- und Ständeräte
Sehr geehrte Regierungsrätinnen und Regierungsräte
Meine Damen und Herren

Es ist ein Abstimmungssonntag und ich bin hier, am Eidgenössischen Jodlerfest…

Das ist schön.

Aber da muss man als Bundesrat natürlich doppelt aufpassen, was man sagt – alles wird sofort politisch.

Deshalb habe ich mir das Programm des Eidgenössischen sorgfältig angeschaut.

Und da bin ich schon etwas stutzig geworden.

Nicht wegen der Musik – Jodeln, Alphornblasen und Fahnenschwingen – das ist gesund, verbindet die Menschen und sorgt für gute Laune. Das habe ich persönlich schon an mehreren Jodlerfesten erleben dürfen.

Nein, Sorgen mache ich mir eher wegen gewissen Stücken.

Da ist zum Beispiel ein Alphorn Duo, das spielt ein Lied mit dem Titel «Zugerkirschtorte».

Und ein anders Duo, das «Zwöi Kaffee Träsch» präsentieren wird.

«Der Bierbrauer» wird gleich drei Mal intoniert.

Wenn dann noch die «Gsundi Äntlibuecher Choscht» auf dem Alphorn gefeiert, dann werde ich misstrauisch.

Da kann ich als Gesundheitsminister nur sagen: «Bhüet di Gott mi liebi Heimat», so wird das nichts mit der Volksgesundheit!

Im Ernst, meine Damen und Herren

Jodeln ist gesund. Jodeln macht glücklich.

Weil es uns im Innersten bewegt und berührt. Die Sorgen des Alltags erscheinen weit weg.

Und unterschiedliche Meinungen sind plötzlich unwichtig.

Das Jodeln verbindet uns alle.

Ja, man könnte sagen: Das Jodelfest ist das exakte Gegenteil von Bundesbern.

Das Jodeln ist ja entstanden als Kommunikation von Alp zu Alp! Von Alp zu Alp!

In Bundesbern ist manchmal schon die Kommunikation von Pult zu Pult schwierig.

Vielleicht sollten wir ja vor der Bundesratssitzung am Mittwoch zusammen jodeln?

Aber dann stelle ich mir das konkret vor: Schon die Diskussion darüber, welche Art von Jodel sich eignen würde, wäre äusserst kompliziert.

Das Jüüzli? Oder doch das Zäuerli? Und welches Zäuerli? Das Zäuerli mit Schälleschötte oder das Zäuerli ohne Schälleschötte?

Diskussionen ohne Ende.

Und dann noch der Föderalismus!

Welcher Kanton käme zum Zug? Der Kanton Schwyz mit dem Muotataler Naturjutz? Oder doch Appenzell Innerrhoden mit dem Rugguseli? Oder vielleicht St. Gallen mit dem Jodel «I luege i d Churfirschte ue»?

Ah, die Deutschschweizer Dialekte, die lassen das Herz eines jeden Romands höherschlagen!

Ich bedaure es jedenfalls, dass es der Nationalrat kürzlich abgelehnt hat, dass in Parlamentsdebatten künftig auch Schwiizerdütsch gesprochen werden darf.

«Choge-guet» wäre das gewesen. «Cheibe-schön».

Ich hätte mich jedenfalls «schampar», ja «rüüdig» darauf gefreut.

Mesdames et Messieurs,

« Traditionnelle – surprenante – diversifiée »: c’est la devise de cette Fête fédérale des yodleurs 2023 à Zoug.

Oui, le yodel fait partie de nos plus importantes traditions, avec le lancer de drapeau et le cor des Alpes. Sans oublier les combats de reines ou la Bénichon. Traditionnel, le yodel se caractérise également par sa modernité.

Le yodel est bien sûr lié à l’ancienne Confédération suisse, mais aussi à l’Etat fédéral moderne dont nous fêtons cette année les 175 ans.

C’est en effet en 1848, comme la Suisse, que la musique populaire entame son essor.

Und in einer Phase der rasanten Modernisierung wurde 1910 die «Schweizerische Jodlervereinigung» gegründet – mit dem Ziel, den urwüchsigen Schweizer Naturjodel und die eigenen Jodellieder zu fördern.

Und wo fand die Gründung statt? Nicht auf einer Alp – sondern in der Stadt Bern.

Das zeigt: Der gelegentlich heraufbeschworene Gegensatz von Stadt und Land wird den realen Verhältnissen nicht gerecht.

Stadt und Land sind zwei unterschiedliche Lebenswelten, die sich ergänzen, die sich gegenseitig inspirieren, die sich brauchen.

Meine Damen und Herren

Das Jodeln zeichnet die Schweiz musikalisch aus. Nicht nur in der Wahrnehmung von aussen, auch für die Schweizer Bevölkerung gelten Naturjodel und Jodellied als viel geliebte Musiktradition und wertvolles Kulturerbe.

Mit grosser Leidenschaft engagieren sich viele Menschen und Organisationen in der Schweiz und im Ausland für die Jodeltradition. Und damit möglichst viele Menschen daran teilhaben können.

Immer wieder neue Generationen entdecken dieses Brauchtum für sich, pflegen es und entwickeln es auf vielseitige Weise weiter.

Die ungebrochene Popularität und die weite Verbreitung des Jodels in der Schweiz, aber auch dessen Vielfalt und breites klangliches Spektrum waren wichtige Argumente, um eine Kandidatur für den Jodel als immaterielles Kulturerbe bei der UNESCO einzureichen.

Dieses Gesuch wird offiziell am 31. März nächsten Jahres gestellt werden. Das zwischenstaatliche Komitee der UNESCO könnte den Entscheid im Dezember 2025 fällen. Dann wird über den Erfolg der Kandidatur «gejutzt» werden können – daran zweifle ich keine Sekunde.

Meine Damen und Herren

Das Jodeln ist populär.

Auch weil das Vertraute, das Heimatliche in einer Zeit der Verunsicherung an Wert gewinnt.

Aber Jodeln ist mehr als populär – es ist eigentlich zeitlos.

Weil es unser ganzes Gefühlsleben anspricht, von Fröhlichkeit über Ergriffenheit bis zu Sehnsucht und Wehmut.

Ich danke allen, die das Eidgenössische Jodlerfest 2023 durch ihr Engagement ermöglicht haben.

Ich wünsche Ihnen ein wunderschönes Fest!

Icônes : Icons8