Davos

Manuscrit, non publié à l’époque. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.

Discours prononcé en allemand. Texte original, non traduit.

Sehr geehrter Herr Schwab, sehr geehrte Frau Schwab,
Sehr geehrter Herr Zwinggi,
Frau Aussenministerin,
Herr Nationalratspräsident,
Frau Ständeratspräsidentin,
Herr Regierungspräsident,
Sehr geehrte Damen und Herren Regierungsräte,
Sehr geehrte Damen und Herren Parlamentarier,
Herr Landammann,
Sehr geehrte Damen und Herren

Davos ist ein guter Ort, um über Fake News zu reden. Das haben wir einem berühmten Gast zu verdanken …

Es geht natürlich um Arthur Conan Doyle, den Mörder von Sherlock Holmes. 1893 hatte er das Berner Oberland besucht und beschlossen, seinen Meisterdetektiv in den Reichenbachfällen sterben zu lassen. Als die letzte Holmes-Geschichte dann erschien und das Publikum vor Wut tobte, war Conan Doyle von Davos nach Arosa auf einer Skitour – seelenruhig und stilvoll im Tweed-Anzug. Und wir wissen nun auch weshalb: Sherlock war gar nicht tot.

Die Fangemeinde musste allerdings zehn Jahre warten, bis die vielleicht grösste Fake News der Literatur aufgedeckt wurde. Natürlich durch Sherlock Holmes selber. Er sagte 1903 über die Reichenbachschlucht:

«Ich hatte keine ernstlichen Schwierigkeiten dort herauszukommen, und zwar aus dem sehr einfachen Grund, weil ich nie darin gewesen bin.»

So einfach ist das, meine Damen und Herren.

Arthur Conan Doyle und seine Frau Louise kamen übrigens jedes Jahr nach Davos. Bei Louise wurde 1893 Tuberkulose diagnostiziert. Ihr Arzt gab ihr damals noch wenige Monate. Sie starb 13 Jahre später.

So viel zur gesunden Höhenluft. Und dazu, dass das mit den Fake News doch nicht so einfach ist. Heilen konnte das Höhenklima die Tuberkulose nicht. Aber wären die Menschen nicht davon überzeugt gewesen, dass es guttut, dann würden wir uns jetzt nicht hier am WEF treffen. Und die Bergwelt geniessen.

Meine Damen und Herren

«Eine gemeinsame Zukunft in einer zerrissenen Welt schaffen» ist die Aufgabe, die das WEF-Jahrestreffen 2018 uns aufträgt.

Als Schweizerinnen und Schweizer können wir darauf verweisen, dass wir in unserem Land seit 170 Jahren Gegensätze aussöhnen: zwischen Siegern und Besiegten nach dem Sonderbundskrieg, zwischen Linken und Bürgerlichen nach dem Generalstreik, zwischen den Geschlechtern, zwischen Regionen und Sprachräumen, zwischen Stadt und Land.

Doch auch bei uns gibt es kein Naturgesetz für den Ausgleich. Kompromisse sind immer harte Arbeit; und was lange aufgebaut wurde, ist schnell kaputt gemacht!

Derzeit diskutieren wir in diesem Land über die «No Billag»-Initiative. Dabei geht es nicht nur um Fragen der Finanzierung. Es geht auch um die Solidarität zwischen den Sprachräumen – und damit um unsere Kompromissfähigkeit.

Auch nach 170 Jahren werden wir immer wieder neu geprüft. Wir stehen alle in der Verantwortung, den Ausgleich zu wahren – national und international.

Das WEF-Jahrestreffen ist eine einzigartige Plattform, um den Ausgleich zu suchen.

Herr Professor Schwab, Frau Schwab, Herr Zwinggi, meine Damen und Herren: Im Namen des Bundesrats danke ich Ihnen für Ihr grosses Engagement.

Herzlichen Dank auch an die Sicherheitskräfte sowie an die zahlreichen Helferinnen und Helfer. Ihr Einsatz macht das WEF-Jahrestreffen erst möglich.

L’inscunter annual dal WEF è impurtant per la Svizra, per il chantun Grischun e per Tavau. Grazia fitg per l’ospitalitad.

Ich freue mich auf spannende Diskussionen und wünsche Ihnen einen anregenden Abend.

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