Interlaken

Manuscrit, non publié à l’époque. Texte établi d’après l’exemplaire de lecture. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.

Discours prononcé en allemand et en français. Texte original, non traduit.

Sehr geehrte Damen und Herren National- und Ständeräte
Sehr geehrte Damen und Herren Botschafter
Sehr geehrte Damen und Herren Regierungsräte
Sehr geehrter Gemeindepräsident
Meine Damen und Herren

Der britische Schatzkanzler hat vor ein paar Monaten gesagt, dass Roboter, ich zitiere: «dereinst weite Teile der britischen Regierung übernehmen würden».

Das ist schon ein bisschen beunruhigend.
Wenn der Bundesrat dereinst aus Robotern besteht, stellt sich natürlich die Frage:
Werden diese Roboter den Reset-Knopf finden –
ich meine jetzt: ihren eigenen?
Und wohin führt dereinst das Bundesratsreisli?
Bisher war das ja klar:
In den Heimatkanton des Bundespräsidenten oder der Bundespräsidentin –
aber künftig?
Etwa in eine Roboter-Fabrik?
Und liegt die überhaupt in der Schweiz?

Meine Damen und Herren

Im Ernst: Momentan sind wir konfrontiert mit gewaltigen Entwicklungen, die unter anderem unsere Arbeitswelt massiv verändern werden.

Die Jobs, von denen heute die Jungen träumen, hätten bis vor wenigen Jahren bei uns allen nur grosse Ratlosigkeit ausgelöst:
Youtuber…
Influencer…
Data Miner…
Digital Experience Manager…
Chief Listening Officer…
Der CLO verfolgt, was auf social media über die eigene Firma geschrieben wird.

Anderseits werden durch die Digitalisierung bekannte Jobprofile wegfallen – oder sich stark verändern.

Mercedes baut zum Beispiel in Stuttgart gerade die Autofabrik der Zukunft. Dort sollen Roboter selbständig Autos zusammenbauen – natürlich Roboter-Autos ohne Lenkrad und Gaspedal.

Gewiss: Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die digitale Zukunft betreffen.

Aber wenn also nur die Hälfte der seriöseren Voraussagen eintreffen, dann leben wir in Zeiten ungeheuren Wandels.

Gerade angesichts der häufig aufgeregten Debatte über die Digitalisierung und Roboterisierung tritt eine der grossen Stärken unserer KMU zutage:
Ihre professionelle Unaufgeregtheit.
Die Umsicht, mit der sie auf sich verändernde Parameter reagieren.
Die geschäftige Gelassenheit, mit der sie die Digitalisierung nicht als Paradigmenwechsel begreifen,
sondern als unvermeidlichen Strukturwandel.

Unsere KMU sind nicht umsonst das Rückgrat unserer Wirtschaft – sie sind mehr als nur flexibel, sie sind resilient, widerstandsfähig, zäh und stets markt- und erfolgsorientiert.
Auf sie ist Verlass, auch in schwierigen Zeiten.
Das hat auch die bewundernswerte Art und Weise gezeigt,
mit der unsere KMU die schwierige Währungssituation der letzten Jahre gemeistert haben.

An dieser Stelle möchte ich auch dem Swiss Economic Forum – dem nationalen KMU-Treffen – herzlich zu seinem 20jährigen Bestehen gratulieren!

Ich wünsche ihm weiterhin viel Erfolg!

Das SEF ist ein unverzichtbarer Ort
der persönlichen Begegnung,
des professionellen Wissensaustausches und
der Orientierung in unübersichtlichen Zeiten.

Meine Damen und Herren

Neue Technologien stellen uns natürlich vor die Frage,
was wir verändern müssen –
sei es als Individuen, sei es als Gesellschaft –
um Schritt zu halten mit diesen Umwälzungen.

Ebenso, wie Unternehmen sich in dieser neuen Welt zumindest teilweise neu erfinden müssen,
muss sich die Schweiz partiell neu erfinden für eine Welt,
die erstmals wirklich grenzenlos ist –
jedenfalls, was Ideen, Technologien und Innovationen angeht.

Was also kann die Schweiz noch dazulernen?

Oft genannt wird die Notwendigkeit, eine Kultur des erfolgreichen Scheiterns zu etablieren.

Hier können wir von Amerika lernen – fail better!
Oder vielleicht sogar mit dem berühmten Swiss finish:
Fail best!

Hierzulande gilt ja oft die Devise: Genauigkeit vor Kreativität.

Nichts gegen Genauigkeit –
aber sogar bei Schweizer Uhren sind es nicht zuletzt die Komplikationen,
die eine Uhr wertvoll machen.
Zum Beispiel ein «ewiger Kalender» –
den braucht eigentlich niemand,
ich jedenfalls sicher nicht.
Was nützt einem schon ein «ewiger Kalender», wenn man die Altersvorsorge reformieren will?
Ok, schlechtes Beispiel…

Im Ernst, wir könnten durchaus etwas weniger Energie in die Fehlervermeidung investieren und etwas mehr Energie in die Frage, wie wir kreativer werden können.
Denn der Versuch, mit den Maschinen in dem zu konkurrieren,
was sie am besten können,
ist zum Scheitern verurteilt.
Fail worse!
Big data braucht kreative Interpreten.
Nicht Pseudo-Computer.

Wie wird weltweit simultan verbreitetes Wissen fruchtbar gemacht?
Durch originelle Einbettung in das eigene Geschäftsmodell
oder in die eigenen politischen Verhältnisse.

Der Ruf nach kreativen Köpfen und Querdenkern ist denn auch laut in Wirtschaft, Politik und Verwaltung –
zumindest bis einer auftaucht…
Dann wird der Ruf laut,
er oder sie möge doch bitte still sein.
Vom Querdenker zum Querulanten –
das geht ganz schnell in der Schweiz.
Zu schnell!

Mesdames et Messieurs,

Nous discutons souvent de ce que nous pourrions changer – et un représentant de la Confédération tel que moi ne compte pas forcément parmi celles et ceux qui ont le plus à dire à ce sujet.

Une autre question se pose également, mais elle est un peu moins tendance :
Qu’est-ce que nous ne devons PAS changer ?
Qu’est-ce qui devrait au fond rester tel quel ?

N’oublions pas :
Nous vivons dans un pays prospère
qui doit notamment son succès à un savant équilibre entre changement et continuité.

La Suisse a de nombreux atouts qu’il s’agit aussi de mettre en valeur à l’ère numérique.

Un remarquable système de formation et une éthique de travail marquée.
Un solide partenariat social.
Une position de leader en matière de compétitivité et d’innovation.
D’excellentes infrastructures et une administration performante et efficace.
Le fédéralisme, la subsidiarité, une grande confiance sociale et un sens pratique.
Un système politique qui garantit des solutions durables et légitimes – et donc la stabilité.
Et, enfin, notre système de sécurité sociale.

Le bon équilibre suisse
entre compétitivité et péréquation sociale et régionale,
entre la promotion de l’élite scientifique et un très bon système de formation qui permet de nombreux parcours individuels vers le succès.

Cet équilibre ne perd rien de sa pertinence à l’ère numérique.
Bien au contraire : il est encore plus important.
Car l’intégration sociale et la légitimation du bouleversement technique constituent de plus grands défis
que l’optimisation des modèles économiques numériques.

Les observateurs prévoyants savent que l’un ne va pas sans l’autre : le McKinsey Global Institute a aussi récemment demandé, dans un rapport,
d’améliorer les systèmes de protection sociale
pour que l’économie puisse fonctionner avec davantage de flexibilité.

« La voiture roule vite PARCE qu’elle a des freins », a un jour écrit Joseph Schumpeter, qui est à l’origine de l’idée de la « destruction créative » et qui était tout sauf un ennemi de la mécanisation.

La numérisation – comme tous les grands bouleversements – implique une insécurité considérable.

Nous devons prendre cette insécurité au sérieux.

Sinon, il y aura inévitablement un « tech-lash » encore plus grand qu’auparavant, et donc un « back-lash » contre la numérisation.
De même, la mondialisation a entraîné le nationalisme et le protectionnisme
parce que les gagnants de la répartition internationale du travail n’ont jamais vraiment abordé la question d’une répartition équitable.

Et malgré l’euphorie suscitée par la fin du travail répétitif, il faut bien dire que la numérisation est autant source d’inquiétude que la mondialisation.

Combien de places de travail seront perdues ?
Y en aura-t-il de nouvelles – et si oui, dans quels domaines ?
Nos systèmes de formation – de l’école primaire et secondaire aux universités et EPF, en passant par la formation professionnelle duale et les hautes écoles spécialisées – sont-ils déjà bien adaptés au monde numérique ?

Et qu’implique une gig economy, très flexible, pour la fondation d’une famille, laquelle s’accompagne toujours de la nécessité de planifier le revenu et les conditions de travail ?
Comment devons-nous adapter nos systèmes de formation, nos systèmes fiscaux et sociaux ?
Et comment assurons-nous la cohésion sociale ?

Nous avons besoin des bonnes réponses –
et les gagnants de la numérisation doivent mettre à profit une grande partie de leur énergie intellectuelle pour les chercher.
Il en va de même pour la question de savoir si la sphère privée a une chance de survie dans un monde de transparence totale et de cyber-insécurité.

Meine Damen und Herren

Grundsätzlich ist die Schweiz gut positioniert, um im digitalen Zeitalter erfolgreich zu sein.

Aber die Digitalisierung ist ein Prozess, der unsere Stärken wie ihre Weltoffenheit und ihr Fortschrittsethos auch gefährden könnte.

Die digitale Revolution findet nicht im luftleeren Raum statt, sondern in einem spezifischen politischen Kontext:
Die Globalisierung hat auch in der Schweiz zu viel Unbehagen geführt,
das sich auch in diversen Urnengängen manifestiert hat.

Der Prozess der Digitalisierung könnte diese Wahrnehmung, dass Wandel per se gefährlich ist, noch verstärken.

Deshalb müssen wir genau hinschauen, ob möglichst alle von den grossen technologischen Fortschritten profitieren.

Der digitale Fatalismus ist gefährlich – sowohl in seiner optimistischen wie in seiner pessimistischen Spielart.

Denn es wiederholt sich die Grunderfahrung vieler Menschen mit der Globalisierung, aber auch mit Klimawandel, demographischem Wandel und Migration:
Sie fühlen sich als reine Zuschauer,
jede Gestaltbarkeit scheint abhandengekommen.
Das ist Gift für die Demokratie,
die ja von der Steuerbarkeit der Lebensumstände lebt –
zumindest bis zu einem gewissen Grad.

Der Harvard-Politologe Yascha Mounk schrieb kürzlich, ich zitiere:
«Die Menschen haben aufgrund der Globalisierung und anderer wirtschaftlicher Verschiebungen –
auch durch den technologischen Fortschritt –
das Gefühl, sie hätten nicht mehr die Kontrolle über das eigene Leben
und ihr Land hätte nicht mehr die Kontrolle über das eigene Schicksal.
Das haben Befürworter des Brexit in dem Slogan ‹Take Back Control› treffend ausgedrückt.»
Ende Zitat.

Diesem Gefühl des Kontrollverlustes gilt es politisch entgegenzuwirken.

Durch Reformfähigkeit, durch das Bewusstsein, dass soziale Kohäsion erarbeitet werden kann. Und das Wissen darum, dass soziale Sicherheit ein Land letztlich wirtschaftlich stärkt.

Meine Damen und Herren

Die Digitalisierung zwingt uns dazu, wieder fundamental darüber nachzudenken,
wie wir eigentlich leben wollen –
wie unsere Demokratie funktionieren soll,
welche Werte wir haben.

Wir dürfen nicht einem digitalen Fatalismus verfallen –
denn dieser Prozess wird eines mit Sicherheit nicht: linear.
Nein, er wird disruptiv verlaufen –
nicht nur technisch, sondern auch politisch.

Deshalb müssen wir uns konstruktiv, aber kritisch mit den Chancen und Risiken dieser digitalen Welt auseinandersetzen.

Die Gründe für Optimismus überwiegen eindeutig – aber gerade deshalb dürfen wir nicht davon ausgehen, dass die Digitalisierung ein politisch reibungsfreier Prozess ist.

Prägnant hat dies Benjamin Franklin gesagt:
„By failing to prepare, you are preparing to fail.“

Das gilt auch – oder gerade weil – wir uns bei dieser Vorbereitung oft irren und verirren werden.

Aber auch punkto politischer Entscheidungsfindung gilt eben die Devise:
Fail better!

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