Bâle

Manuscrit, non publié à l’époque. Texte établi d’après l’exemplaire de lecture. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.

Discours prononcé en allemand et en français. Texte original, non traduit.

Liebe Preisträgerinnen und Preisträger
Sehr geehrte Jury
Mesdames et Messieurs,
Gentili Signore e Signori,

Wir leben in komplexen Zeiten.
In einer Welt vielfältiger Kulturen.

Was tun, um einen Überblick zu behalten?

Man kann zum Beispiel damit beginnen, die Anzahl Länder zu reduzieren.

Schon vor einiger Zeit wurde ja bekannt, dass es Finnland gar nicht gibt.
In Wahrheit ist das Gebiet des angeblichen Staates Finnland ein japanisches Fischzuchtgebiet.
Sie zweifeln?
Bitte überprüfen Sie es:
Das steht so klipp und klar im Internet.

Und kürzlich hat man herausgefunden: Auch Australien gibt es nicht.
Vielmehr ist es eine Variante des alten Mythos über Atlantis – was ja auch schon im Namen anklingt.
Natürlich gibt es jene, die sich dagegen wehren:
«Natürlich existiert Australien!», schreibt ein empörter User auf der Website Debate.org.
Und weiter:
«Ich schaue aus meinem Fenster und sehe eine Strasse in Sydney, Australien.
Ich lebe hier seit Jahrzehnten und bin auch kein Schauspieler, der von der Regierung bezahlt wird.»

Und dass es die Schweiz nicht gibt, wissen wir seit der Weltausstellung von Sevilla 1992:
«La Suisse n’existe pas».

Tatsächlich scheint es eher märchenhaft: Dieses Land Schweiz soll von sieben Leuten mit teilweise völlig verschiedenen Ansichten regiert werden – die jeden Mittwoch zusammensitzen und miteinander reden. Ohne ihre Mobiltelefone…

Meine Damen und Herren

Der Umgang mit Komplexität ist ein Lackmustest der Gegenwart:
Hält man sie aus?
Zieht man sich schmollend auf sich selber zurück?
Oder erklärt man die Realität kurzerhand zur fake news?

Man kann natürlich auch einem Kult des Einfachen frönen.
Aber das Monokausale ist der – nur scheinbar bodenständige – Cousin der Verschwörungstheorie.

Um es mit Einstein zu sagen:
„Man soll die Dinge so einfach wie möglich machen – aber nicht einfacher.“

Und genau das gelingt gutem Design.
Es reduziert das Komplexe auf das Wesentliche.

Mesdames et Messieurs,

Les Prix suisses de design exposent 50 créations pendant Art Basel,
devant un public national et international,
renforçant ainsi la compréhension et la pertinence d’un design de qualité.

Car le design n’est pas de la décoration,
il faut l’apprécier comme un processus de développement.
Un art qui offre la possibilité de façonner l’économie et la société.

Le design a une véritable dimension politique :
il rend notre environnement « lisible ».
Il amène de la clarté dans une grande complexité.

Certes, l’orientation n’est pas tout.

Mais sans elle, rien ne fonctionne plus.

Sans orientation, aucun engagement ne fait long feu.
Qu’il soit esthétique ou politique.

Mesdames et Messieurs,

La complexité a le potentiel d’élargir notre horizon.

Mais pour profiter de cette ouverture, nous devons réussir à compiler le savoir en une information utile.

En 1917, les Chambres fédérales ont reconnu dans un arrêté fédéral « le développement des arts appliqués (arts décoratifs et industriels) » comme une tâche de la Confédération.
Cette décision découlait de la conviction suivante : la conception de notre environnement revêt une telle importance pour le bien-être économique et culturel de notre pays
que son développement relève de l’intérêt général.
Un avis qui n’a rien perdu de son actualité.

Sans vouloir pousser l’analogie trop loin, on peut dire que le design suisse, qui jouit d’une renommée internationale, porte en lui certains aspects de notre culture politique :
proche des citoyens et pourtant sophistiquée.

Il s’agit pourtant de réduire cette complexité, afin de créer un climat de confiance –
car en fin de compte on doit comprendre l’objet d’une décision.
Et sans confiance, cette Suisse issue d’une volonté politique commune n’existerait pas.

Meine Damen und Herren

Der Qualitätsanspruch und der Wille zur Innovation ist das höchste Credo bei der Jurierung des Wettbewerbs durch die Eidgenössische Designkommission.

Einerseits prämiert der Schweizer Designwettbewerb herausragendes Design.
Andererseits bietet er hier in Basel eine Plattform für die ganze Breite von Design.
In der Ausstellung stehen Modekollektionen neben Büchern, Szenografieprojekte neben Stühlen, die neuesten Entwicklungen in der Designforschung neben fotografischen Experimenten.
Hier treten nicht nur die Designobjekte in einen Dialog, sondern auch die Designschaffenden.
Und nicht zuletzt muss sich der Designwettbewerb hier in Basel einem internationalen Publikum stellen. Das ist gut, denn das Schweizer Design muss den internationalen Vergleich nicht scheuen.

Erstmals werden dieses Jahr auch Objekte von den Preisträgern des Schweizer Grand Prix Design gezeigt.

Dies gibt einen Einblick in das Schaffen von drei Persönlichkeiten, die die Designgeschichte im In- und Ausland massgeblich geprägt haben.
Es sind Botschafter des Schweizer Designs und somit der Schweizer Kultur.

Gratulation an Cécile Feilchenfeldt, Rosmarie Tissi und Felco!

Meine Damen und Herren

Die Innovationsforscher Tom und David Kelley beschreiben in ihrem Buch „Kreatives Vertrauen“, wo Innovationen ihren Anfang nehmen:
Im Interesse an den Menschen.
In der Anteilnahme daran,
was sie tun – und warum sie es tun.

Auch Design beginnt mit Empathie.

Ich meine: ECHTES Design, das die Realität transformiert –
nicht Verschnörkelung, die die Realität cachiert.

Design ist existentiell neugierig.
Was brauchen die Menschen?
Was verbessert ihre Lebensumstände?
Wie nehmen sie ihre Umwelt wahr?
Welchen Sinn suchen sie im Leben –
und wie suchen sie nach diesem Sinn?

Design ist die formgewordene Suche nach uns selber.

Icônes : Icons8