Sils Maria
Manuscrit, non publié à l’époque. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.
Discours prononcé en allemand. Texte original, non traduit.
Sehr geehrte Damen und Herren
Es ist für meine Frau und mich eine Freude und eine Ehre, die Staatsoberhäupter der deutschsprachigen Länder und deren Gattinnen in der Schweiz zu empfangen.
Und es scheint mir stimmig, als Französischsprachiger in diesem Kreis in eine Gegend einzuladen, in der die Sprachgrenzen unscharf sind und neben Deutsch auch Rätoromanisch gesprochen wird.
Das Engadin ist eine inspirierende Gegend mit einer reichen kulturellen Geschichte und damit hervorragend geeignet, um über das diesjährige Schwerpunkt-Thema der kulturellen Teilhabe zu diskutieren.
Kulturelle Teilhabe steht für ein gesellschaftspolitisches Ziel:
Es sollen möglichst viele Menschen einen Zugang zu Kultur erhalten und die Möglichkeit haben, sich mit Kultur auseinanderzusetzen
und Kultur selber auszuüben.
Kulturelle Teilhabe ist ein Schlüssel zu gesellschaftlicher Mitgestaltung und Mitverantwortung.
Und derzeit vielleicht noch wichtiger als früher: Wir leben in Zeiten starker Polarisierung. In dieser Situation hilft Kultur uns, dem viel zu einfachen Schwarz-Weiss-Denken zu widerstehen.
Wir haben heute nach einem Impulsreferat über die kulturelle Teilhabe diskutiert – und über Massnahmen unserer Länder, kulturelle Teilhabe zu ermöglichen und zu verbessern.
Die kulturelle Teilhabe wird übrigens auch beim Frankophonie-Gipfel Mitte Oktober in Armenien eine zentrale Rolle spielen.
Die Schweiz fördert kulturelle Teilhabe bewusst; es ist eines von drei Zielen der aktuellen Kulturstrategie und wird auch im Zentrum der nächsten Botschaft zur Förderung der Kultur stehen.
In der Musikförderung haben wir 2017 das Programm «Jugend und Musik» gestartet. Alle Kinder und Jugendlichen in der Schweiz und in Liechtenstein sollen einfach musikalisch aktiv sein können. Musizieren soll keine elitäre Angelegenheit sein.
Wenn wir alle uns also dafür engagieren, dass möglichst viele Menschen teilhaben am kulturellen Leben, dann ist das eine hervorragende Investition in unsere Zukunft.
Beim Austausch über aktuelle Themen kam die europäische Asylpolitik zur Sprache. Die Schweiz betont seit langem den hohen Wert einer solidarischen Asylpolitik in Europa mit einer gerecht verteilten Verantwortung. Die Angleichung der Asylstandards ist für die Schweiz sehr wichtig, auch wenn wir nicht an allen Diskussionen zum gemeinsamen europäischen Asylsystem beteiligt sind.
Thema waren auch die laufenden Verhandlungen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union (EU). Dass beide Seiten enorm von einer guten, reibungslosen Zusammenarbeit profitieren, ist bekannt. Ich rufe einige Zahlen in Erinnerung:
2017 war die Schweiz die drittgrösste Handelspartnerin der EU.
Der Güterhandel Schweiz – EU beträgt mehr als eine Milliarde Euro pro Arbeitstag.
Täglich kommen ca. 315’000 Grenzgängerinnen und Grenzgänger zur Arbeit in die Schweiz.
Ca. 1.4 Mio EU-Bürgerinnen und -Bürger leben in der Schweiz. Knapp 452’000 Schweizerinnen und Schweizer leben in einem EU-Staat.
Wir haben also über ein breites Spektrum an Themen diskutiert. Und grosse Gemeinsamkeiten in unseren Auffassungen festgestellt.
Unsere Länder, so verschieden sie hinsichtlich Grösse, Geschichte und Staatsform auch sein mögen, verbindet viel. Vor allem das vielleicht Wichtigste: ähnliche Vorstellungen über die Welt von morgen.
Nur mit einer starken internationalen Zusammenarbeit, die auf Fairness und Respekt basiert, können wir den Herausforderungen von morgen erfolgreich begegnen, zum Beispiel:
der wachsenden Ungleichheit,
dem demographischen Wandel
oder der Migration und deren Ursachen.