Zurich
Manuscrit, non publié à l’époque. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.
Discours prononcé en allemand et en français. Texte original, non traduit.
Sehr geehrte Damen und Herren National- und Ständeräte,
Sehr geehrter Herr Botschafter,
Sehr geehrte Herren Präsidenten und Gründer von digitalswitzerland,
Meine Damen und Herren,
Wir erleben eine Revolution – und sie ist nicht weniger umwälzend, nur weil es sich um eine stille Revolution handelt.
Die Künstliche Intelligenz ist keine Vision, sie ist schon längst in unserem Alltag angekommen. Nicht nur mit Siri, Alexa und Google Maps. Nein, sondern auch im Bundesrat und im Parlament.
Nehmen wir die Steuer-AHV-Vorlage: Kritische Stimmen haben dieser Vorlage jede MENSCHLICHE Intelligenz abgesprochen. Völlig zu Recht! Denn die Vorlage ist ja auch ein Resultat KÜNSTLICHER Intelligenz. Auf die geniale Idee, zwei gescheiterte Reformen einfach zu verbinden, konnte nur ein Algorithmus kommen. Das wäre uns Politikern nie eingefallen…
Nein, im Ernst: Ich freue mich, dass Sie mich an den Digitaltag eingeladen haben – trotz meines altmodischen Titels: Bundesrat. Seit 1848 unverändert. So analog. Fast schon eine Provokation!
Die Jobs, von denen heute die Jungen träumen, hätten bis vor wenigen Jahren bei uns allen nur grosse Ratlosigkeit ausgelöst: Youtuber… Influencer… Digital Experience Manager… Chief Listening Officer… Der CLO verfolgt, was auf Social Media über die eigene Firma geschrieben wird.
Meine Damen und Herren,
Nur schon diese Berufsbilder zeigen: Im Mittelpunkt steht der Mensch – und nicht die Maschine. Das zeigt: Die Debatte über die Digitalisierung ist reifer geworden. Die Hysterie ist vorbei: Roboter und Algorithmen werden mächtig, aber NICHT allmächtig.
Der Technologiepionier Sebastian Thrun hat kürzlich das digitale Zeitalter auf folgende Formel gebracht. Ich zitiere: „Das ist eine Revolution, aber keine der Maschinen, sondern der menschlichen Kreativität und des Selbstbewusstseins.“ Ende Zitat.
Meine Damen und Herren,
Zum Menschlichen gehört auch die Frage: Was müssen wir ändern? Wie können wir die Digitalisierung politisch so begleiten, dass sich die Menschen sicher fühlen?
Wir müssen als Gesellschaft gute Antworten auf Fragen wie die folgenden finden:
Sind unsere Bildungssysteme schon gut ausgerichtet auf die digitale Welt? Von der Primar- und Sekundarschule über die duale Berufsbildung und die Fachhochschulen bis zu den Unis und ETHs.
Wie müssen wir unsere Steuer- und Sozialsysteme anpassen? Wie verhindern wir ein Auseinanderdriften zwischen Gewinnern und Verlierern der Digitalisierung?
Und was bedeutet eine hoch flexible Gig-Economy zum Beispiel für die Frage der Familiengründung – denn diese geht ja immer einher mit einer notwendigen Planbarkeit des Einkommens und der Arbeitsbedingungen.
Und nicht zuletzt müssen wir gute Antworten geben auf die Frage: Wie schützen wir die Privatsphäre, wie sichern wir das Recht an den eigenen Daten?
Anlässe wie der nationale Digitaltag sind eine gute Gelegenheit, um auch über diese schwierigen politischen Fragen nachzudenken. Herzlichen Dank an alle, die mithelfen, diesen Tag zu organisieren.
Meine Damen und Herren,
Die Strategie „Digitale Schweiz“ des Bundes geht die Digitalisierung denn auch bewusst breit an. Von Chancengleichheit und Teilhabe bis zu Vertrauen und Transparenz. Von digitaler Befähigung der Menschen bis zu Wachstumschancen und Wohlstandserhalt in einer digitalen Welt.
Wenn es je ein Querschnittsthema gab, dann ist es die Frage, wie die Digitalisierung unsere Welt verändert.
Deshalb müssen die Kräfte gebündelt werden.
Das Vorgehen ist deshalb entscheidend: Die Strategie des Bundesrates wird im Dialog mit SÄMTLICHEN Akteuren weiterentwickelt. Von der Wirtschaft bis zur Wissenschaft, von der Verwaltung bis zur Zivilgesellschaft.
Diese Zusammenarbeit fällt uns in der Schweiz zum Glück leicht.
Wir binden gewohnheitsmässig alle in die Debatten und in die Entscheide mit ein.
Denn gewaltige Transformation kann nur gelingen, wenn bei allen Akteuren das Bewusstsein dafür vorhanden ist, dass die gesellschaftliche Einbettung und Legitimierung des technischen Umbruchs eine wohl noch grössere Herausforderung darstellt als etwa die Optimierung digitaler Geschäftsmodelle.
Mesdames et Messieurs,
Venons-en à la deuxième question : qu’est-ce que nous ne devons PAS changer ? Qu’est-ce qui devrait au fond rester tel quel ?
Tout simplement l’équilibre typiquement suisse entre compétitivité et compensation sociale et régionale, entre promotion de l’élite scientifique et système éducatif de qualité, qui offre de multiples possibilités de tracer sa propre voie vers le succès.
Il est indispensable de tenir compte de l’équilibre interrégional, qui fait partie de l’essence même de la Suisse :
Dans une étude récente, l’OCDE a révélé que la numérisation pouvait renforcer les disparités entre les différentes régions.
Aujourd’hui déjà, les personnes hautement qualifiées, qui bénéficieraient encore davantage de l’économie numérique, vivent et travaillent dans les agglomérations urbaines – alors que cette main-d’œuvre très convoitée fait parfois défaut dans les régions périphériques.
La numérisation n’aplanit pas les différentes réalités politiques et culturelles d’un pays – bien au contraire !
C’est pourquoi je le dis ici à Zurich, ville mondialisée s’il en est : n’oubliez pas les autres régions de la Suisse, même rurales, même moins compétitives. Car pour la Suisse numérique comme pour la Suisse en général, ce qui fait notre succès est indivisible.
Meine Damen und Herren,
Wir dürfen nicht einer digitalen Euphorie verfallen und auch keinem digitalen Fatalismus – denn dieser Prozess wird eines mit Sicherheit nicht: linear. Nein, er wird disruptiv verlaufen – nicht nur technisch, sondern auch politisch.
Ich bin überzeugt: Diese Transformation wird uns gelingen. Denn der Schweizer „Mindset“ eignet sich bestens für diese Herausforderung: Wir sind weder ängstlich noch naiv. Wir sind weder fortschrittseuphorisch noch fortschrittskritisch.
Kurz: Wir haben genau den richtigen Mix, um uns differenziert mit den Chancen, Risiken und Nebenwirkungen der Digitalisierung auseinanderzusetzen.
Als Gesellschaft ist uns das schroffe Entweder-Oder ziemlich fremd.
Wir funktionieren also NICHT besonders digital.
Und genau deshalb wird die digitale Schweiz ein Erfolg.
Vielen Dank.