Berne
Manuscrit, non publié à l’époque. Texte établi d’après l’exemplaire de lecture. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.
Discours prononcé en allemand et en français. Texte original, non traduit.
Sehr geehrte Alt-Bundesrätinnen
Sehr geehrte Mitglieder des Parlaments – amtierende und ehemalige
Sehr geehrte Staatssekretärin
Sehr geehrte Mitglieder von Alliance F
Sehr geehrte Damen und Herren
Es ist offensichtlich: Ich stehe hier als Mann vor der Alliance F.
Das ist natürlich nicht ganz einfach.
Aber ich habe inzwischen eine gewisse Übung mit Herausforderungen. Ich übe jeden Mittwochmorgen – unfreiwillig.
Im Ernst: Die Gleichberechtigung von Frau und Mann liegt ebenso sehr in der Verantwortung der Männer wie der Frauen.
Denn es gilt uneingeschränkt, was Hillary Clinton einst auf folgende Formel brachte: „Frauenrechte sind Menschenrechte – und Menschenrechte sind Frauenrechte.“
Meine Damen und Herren
Im Film wie in der Politik ist Timing alles.
Und Petra Volpes Film „Die göttliche Ordnung“ ist genial getimt. Leider, muss man sagen.
Denn er kommt pünktlich zum Backlash gegen das, was die Frauenbewegung erkämpft hat. Die Gegenwart zeigt uns: Sexismus bleibt tief verwurzelt – nicht nur in den USA.
Und der Sexismus hat nicht nur empörende, sondern auch schlicht grauenhafte Formen.
In Russland wurde kürzlich ein Gesetz beschlossen: Häusliche Gewalt soll nur noch dann strafbar sein, wenn das Opfer ins Krankenhaus eingeliefert werden muss.
Aber auch in westlichen Gesellschaften gibt es Gewalt gegen Frauen.
Vor diesem Hintergrund hat der Ständerat gestern dafür gestimmt, dass die Schweiz der Konvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt beitritt.
Und weiterhin sind die Frauen mit grosser Ungerechtigkeit konfrontiert. Beispielsweise punkto Lohngleichheit und Aufstiegschancen. Das World Economic Forum hat kürzlich weltweit eine dramatische Verlangsamung des Fortschritts festgestellt.
Auch bei uns in der Schweiz gibt es immer noch Diskriminierung:
So verdienen Frauen bekanntlich noch immer markant weniger als Männer – was eindeutig die Bundesverfassung verletzt.
Der Bundesrat will deshalb die Revision des Aktienrechts nutzen, um die Kaderförderung von Frauen zu intensivieren.
Neu sollen in grossen, börsenkotierten Firmen Richtwerte eingeführt werden. Im Verwaltungsrat sollen mindestens 30 Prozent und in der Geschäftsleitung mindestens 20 Prozent Frauen vertreten sein.
Hält eine AG die Richtwerte nicht ein, ist sie verpflichtet zu erklären, weshalb und wie sie die Situation verbessern will. Es ist eine sanfte Regelung mit grosszügigen Fristen. Aber nach Jahren mit Appellen ist die Zeit gekommen, die Frage im Gesetz zu regeln.
Der Bund setzt sich zudem aktiv für die Lohngleichheit ein. Die öffentliche Hand beschäftigt eine grosse Anzahl von Menschen. Über 300‘000 Vollzeitstellen sind es bei Bund, Kantonen und Gemeinden.
Deshalb hat der Bund zusammen mit Kantonen und Gemeinden im letzten Herbst eine Charta zur Lohngleichheit im öffentlichen Sektor lanciert.
Sie hebt den Vorbildcharakter der öffentlichen Hand hervor und zeigt, dass die öffentliche Hand ihren Einfluss geltend machen kann. Bis jetzt haben 30 Kantone und Gemeinden unterschrieben. Diese Zahl wollen wir weiter erhöhen.
Meine Damen und Herren
Die Gegenwart konfrontiert uns mit einer Grundsatzfrage: Haben wir uns in falscher Sicherheit gewiegt?
Nämlich, dass elementare zivilisatorische Errungenschaften wie die Gleichberechtigung von Mann und Frau nicht wieder rückgängig zu machen sind?
Haben wir also ein allzu lineares Modell vom gesellschaftlichen Fortschritt?
Leider ist das wohl der Fall.
Umso wichtiger ist es, dass wir uns an die schlechte alte Zeit erinnern.
Der Film „Die göttliche Ordnung“ führt uns eine Schweiz vor Augen, die wir beinahe vergessen haben.
Sicher, der Film spielt in der sogenannten Provinz. Aber man darf es sich nicht zu einfach machen: Provinz ist kein Ort – sondern ein geistiger Zustand.
Donald Trump stammt ja auch nicht aus Nebraska, sondern aus New York.
Meine Damen und Herren
Dieser Film zeigt uns den Skandal als Normalität:
Bis 1971 durften die Frauen am Herd stehen, aber einen Herd kaufen durften sie nicht. Bis 1988 durften Frauen nur mit der Bewilligung des Ehemannes einer Arbeit nachgehen.
Das wirkt heute völlig absurd. Aber auch heute noch tarnt sich der Backlash manchmal als Realsatire: Aus Arbeitgeberkreisen verlautete vor ein paar Wochen, die Betreuung von kranken Kindern müsse IM VORAUS geplant werden.
Mesdames et Messieurs,
Le débat sur la réforme de la prévoyance vieillesse bat son plein.
Je suis bien conscient que le relèvement de l’âge de référence à 65 ans pour les femmes est une étape difficile.
De nombreuses femmes demandent des contreparties. Elles ont tout à fait raison.
Et ces contreparties existent : elles font partie du projet Prévoyance vieillesse que le Conseil des Etats a adopté :
1) Par exemple, les 500’000 femmes qui n’ont actuellement que l’AVS pour vivre auraient 70 francs de plus par mois, soit 840 francs de plus par année.
2) Autre exemple : les femmes qui voudraient prendre une retraite anticipée à 64 ans auraient une réduction de rente de 4%. Le supplément de 70 francs par mois permettrait à celles qui ont de petites rentes – égales ou inférieures à 1500frs – de partir à la retraite à 64 ans avec la même rente qu’aujourd’hui.
3) Et la prévoyance professionnelle sera améliorée pour les femmes qui travaillent à temps partiel.
Ces exemples montrent bien que ce sont surtout les petits revenus et les temps partiels – donc surtout des femmes – qui vont profiter des améliorations du système.
Mesdames et Messieurs,
Le film « L’ordre divin » nous montre clairement que si nous n’acceptons pas la confrontation sans fard avec le passé, ce n’est pas seulement notre passé qui va nous échapper – mais aussi notre avenir.
Le film nous montre aussi le rôle considérable joué par le mouvement féministe.
Ce mouvement n’a pas seulement amélioré la situation et la place des femmes.
Il a aussi grandement contribué à ce qu’en Suisse, les débats aient vraiment lieu et ne soient pas simplement étouffés dans l’œuf.
En bref, le mouvement féministe a rendu la Suisse meilleure.
Il a aussi prouvé qu’il vaut la peine de s’engager politiquement.
Notre ordre restera humain, et c’est très bien comme ça.