Bâle
Manuscrit, non publié à l’époque. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.
Discours prononcé en allemand. Texte original, non traduit.
Sehr geehrte Preisträgerinnen und Preisträger
Sehr geehrte Mitglieder der Eidgenössischen Designkommission
Meine Damen und Herren
Gesellschafts-Design. Business-Design. Body-Design. Selbst-Design.
Design hat die Welt erobert.
Plötzlich ist alles Design. Plötzlich ist Design alles.
Nicht nur die Räume, in denen wir uns bewegen. Nicht nur die Gegenstände, die uns umgeben. Nein, auch die Gesellschaft, in der wir leben.
Der deutsche Professor – … für Design, natürlich – Erik Schmid formuliert es so: „Heute fällt jeder über das Wort Design her, von den Nagelstudios über die Friseure bis hin zu den Partyservices…“
Ist wirklich alles Design? Ist Design wirklich alles?
Wenn der Bundesrat eine Absenkung des Umwandlungssatzes vorschlägt: Ist das dann „Renten-Design“? Bin ich Gesundheitsminister oder „Gesundheitspolitik-Designer“? Und falls Zweites – was wäre damit gewonnen? Macht es den Job einfacher? Macht es aus den Lobbyisten „Co-Designer“?
Wer die Definition des Mode-Begriffs „Design Thinking“ studiert, der stutzt schon ein wenig.
Ich zitiere aus Wikipedia:
„Design Thinking basiert auf der Annahme, dass Probleme besser gelöst werden können, wenn Menschen unterschiedlicher Disziplinen in einem die Kreativität fördernden Umfeld zusammenarbeiten.“
Das ist nichts anderes als die gute alte Forderung nach interdisziplinärem, also ganzheitlichem Denken.
Trotzdem: Die Hochkonjunktur des Design-Begriffs ist ein ernst zu nehmendes Phänomen.
Denn sie verrät unsere Sehnsucht danach, die Welt wieder gestalten und steuern zu können – statt von ihr gesteuert zu werden.
Die Sehnsucht danach, dass wir Entwicklungen nicht einfach ausgeliefert sind – Stichwort Globalisierung, Digitalisierung – sondern weiterhin politisch entscheiden können, was wir wollen.
Eine Sehnsucht, das heute stark verbreitete Grundgefühl der Ohnmacht, des Ausgeliefertseins zu überwinden.
Meine Damen und Herren
Was ist gutes Design? Durchdachte Selbstbeschränkung. Komplexitätsreduktion – die aber die Komplexität nicht zerstört.
So gesehen, ist der wuchernde Design-Begriff – nun ja: schlechtes Design.
Wie sagte doch einst Albert Einstein: „Man soll die Dinge so einfach wie möglich machen – aber nicht einfacher.“
In diesem Sinn würde ich für Einstein auch bei der Berufsbezeichnung „Physiker“ bleiben – und ihn nicht zum „Raum-Zeit-Designer“ umdeuten….
Im Ernst: Gutes Design ist zu wichtig, um ihm die ganze Welt zu überlassen. Und seine Bedeutung durch Inflation zu schmälern.
Denn in gutem Design steckt schon sehr viel Welt.
Meine Damen und Herren
Die eminente gesellschaftliche Bedeutung von Design war durchaus schon anerkannt, als die Designförderung vor hundert Jahren ins Leben gerufen wurde.
Oder, wie es im Beamtendeutsch korrekt heisst – ich will ja kein Vergangenheits-Design betreiben – als die Eidgenössischen Räte 1917 in einem Bundesbeschluss die „Förderung und Hebung der angewandten industriellen und gewerblichen Kunst“ zu einer Aufgabe des Bundes erklärten.
Dies geschah aus der Überzeugung heraus, dass der Gestaltung unserer Umwelt so grosse Bedeutung für das kulturelle und wirtschaftliche Wohlergehen unseres Landes zukomme, dass ihre Förderung im Interesse der Allgemeinheit liege; eine Ansicht, die ich hier nur bekräftigen kann.
Dieses Zeichen des Aufbruchs war besonders stark, wenn man bedenkt, dass es mitten im Ersten Weltkrieg gesetzt wurde.
Meine Damen und Herren
2017 feiern wir also die 100. Ausgabe des Schweizer Designwettbewerbs.
Die staatliche Förderungspolitik verfolgte und verfolgt bis heute zwei Stossrichtungen.
Erstens soll Designschaffenden durch die Unterstützung durch den Bund ermöglicht werden, mit erfolgsversprechenden Prototypen den Schritt in die Produktion zu wagen. Designförderung versteht sich hier als direkte Wirtschaftsförderung, die auf Qualität und Renommee der Schweizer Produkte wirkt – und damit unmittelbar auch auf den Arbeitsmarkt.
Zweitens unterstützt die Förderung eine Gestaltung, die mehr auf das Experimentelle, Innovative zielt. Hier wird dem individuellen Formschaffen ein Freiraum geboten, neue, aussergewöhnliche Lösungen zu erproben; Lösungen, die dazu beitragen, dass unsere Lebenswelt lebendig bleibt, die sich den gesellschaftlichen Entwicklungen anpassen und die auch das Design von morgen vorzeichnen.
Die Schweiz braucht kulturell und wirtschaftlich eine kreative, lebendige Designszene. Die Geschichte des Designpreises ist auch eine Geschichte des Handwerks in der Schweiz. So verschwanden im Verlauf der vergangenen hundert Jahre Berufszweige, die zu Beginn des Wettbewerbs eine prominente Rolle gespielt haben: Glasmalerei, dekorative Plastik, Dekorationsmalerei, Emaille Malerei, Bucheinbände und Tapisserie. Es bildeten sich neue Bereiche heraus, insbesondere die Fotografie, die inzwischen zu einer wichtigen Sparte im Wettbewerb angewachsen ist.
Meine Damen und Herren
Zu sehen sind die zur zweiten Wettbewerbsrunde eingeladenen Teilnehmer und die Gewinner der 100. Wettbewerbsausgabe: insgesamt 53 Positionen, davon 17 Preise.
Der Qualitätsanspruch und der Wille zur Innovation ist das höchste Credo bei der Jurierung des Wettbewerbs durch die Eidgenössische Designkommission.
Der Schweizer Designwettbewerb ist eine Plattform, die einerseits herausragendes Design auszeichnet, andererseits aber auch den Weg dazu honoriert. Man sieht also Produkte, die käuflich erworben werden können, aber auch Produkte, die sich im protoypischen Stadium befinden, und – ebenfalls sehr wichtig – Projekte, die mehr experimentellen Charakter haben.
Meine Damen und Herren
2007 wurde der Schweizer Grand Prix Design erstmals vergeben.
Geehrt werden mit diesem Preis, Persönlichkeiten, die die Designgeschichte im In- und Ausland massgeblich geprägt haben.
Es sind Botschafter des Schweizer Designs und somit der Schweizer Kultur. Ich gratuliere den diesjährigen Trägern des Schweizer Grand Prix Design: David Bielander, Thomas Ott und Jean Widmer.
Herzliche Gratulation! Ich danke den Mitgliedern der Eidgenössischen Designkommission.
Sie zeichnet für die Auswahl der Preisträgerinnen und Preisträger verantwortlich.
Und schlägt dem BAK jedes Jahr Ankäufe vor, die als Dauerleihgaben in den Designsammlungen des Museums für Gestaltung Zürich und des mudac in Lausanne deponiert sind.
Mein besonderer Dank geht an den scheidenden Präsidenten Lionel Bovier, sowie an Heidi Wegener, die ebenfalls zurücktritt.
Vor allem aber danke ich allen Designerinnen und Designern in unserem Land!
Dafür, dass Sie unser Leben auf eine Art verschönern, die über das Gefällige weit hinausgeht.
Dafür, dass Sie die unterschiedlichsten Bedürfnisse ernst nehmen – etwa von älteren Menschen oder von Menschen mit Behinderungen
Kurz: Ich danke Ihnen dafür, dass sie uns allen die Welt erschliessen.