Berne
Manuscrit, non publié à l’époque. Texte établi d’après l’exemplaire de lecture. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.
Discours prononcé en allemand et en français. Texte original, non traduit.
Sehr geehrte Damen und Herren National- und Ständeräte
Sehr geehrte Frau Regierungsrätin des Fürstentums Liechtenstein
Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Kantone
Sehr geehrter Präsident des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz
Meine Damen und Herren
Ich spreche hier zu Ihnen als einer, der die Schule nur als Schüler kennt.
Das ist natürlich nicht ganz einfach.
Aber ich habe inzwischen eine gewisse Übung mit anspruchsvollen Situationen.
Ich habe in diesem Jahr als Mann vor der Frauenzunft gesprochen. Ich habe in der Calvin-Stadt Genf das Reformationsjahr 2017 eröffnet – als Katholik. Ich habe der Pro Senectute zum 100. Geburtstag gratuliert – als jüngster Bundesrat. Und ich habe das Eidgenössische Jodelfest eröffnet – als Jazz-Fan.
Meine Damen und Herren
Im Ernst: Ich freue mich über Ihre Einladung.
Der Erfolg der Schweiz zeigt sich seit Jahren auch in den Rankings zu Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit. Dieser Erfolg ist ganz wesentlich ein Erfolg unseres Bildungssystems und damit von Ihnen, die sich für eine starke Volksschule und eine gute Bildung engagieren. Und im Bildungsbereich zeigt sich auch, dass die schon oft totgesagte Schweizerische Konsenskultur durchaus lebt.
Alle wichtigen politischen Kräfte sind von Wert und Wichtigkeit der Bildung, Forschung und Innnovation überzeugt.
Ich weiss ja nicht, wie es genau in den Kantonen und Gemeinden steht… Aber in Bundesbern werden Sie NICHT viele Themen finden, bei denen es einen Quasi-Konsens gibt. Das kann ich Ihnen als Sozial- und Gesundheitsminister versichern.
Wer den hohen Stellenwert der Bildung anerkennt, muss auch alles dafür tun, dass die Lehrerinnen und Lehrer ihrer Arbeit bei guter physischer und psychischer Gesundheit nachgehen können.
Dazu gibt es die Grundlagen, die für alle gelten: das Arbeitsgesetz etwa oder der Schutz vor Unfällen.
Es ist aber wichtig, das Thema Gesundheit spezifisch für die Schule zu vertiefen. Denn der Lehrberuf ist sehr interaktiv und damit sehr anspruchsvoll.
Dazu hat die Eidgenössische Koordinationskommission für Arbeitssicherheit (EKAS) letztes Jahr eine Fachkommission eingerichtet. Ein wichtiger Schritt.
Aber auch die Schulen selber können das Arbeitsumfeld so gestalten, dass die Gesundheit gefördert wird.
Meine Damen und Herren
Burnout ist ein grosses Thema – nach wie vor.
Das Thema Burnout wird typischerweise im Kontext der konkreten Arbeitsbedingungen debattiert – was richtig ist.
Aber es gibt auch eine gesellschaftliche Ebene, auch wenn ihr Einfluss schwierig zu definieren oder gar zu quantifizieren ist.
Viele der mutmasslichen Ursachen eines Burnouts haben ja durchaus mit gesamtgesellschaftlichen Phänomenen zu tun: Die grassierende politische und wirtschaftliche Unsicherheit. Die Angst vor dem beruflichen Abstieg, welche die Mittelschicht auch in der Schweiz umtreibt. Der Imperativ der pausenlosen Leistungsbereitschaft, die ständige Erreichbarkeit, der sanfte Terror der Rankings und Benchmarks. Und nicht zuletzt die Mühe von Eltern, sowohl den Ansprüchen der Kinder wie jenen des Arbeitsgebers jederzeit gerecht zu werden.
Der Soziologe Heinz Bude machte kürzlich in einem Interview auf einen weiteren wichtigen Punkt aufmerksam:
„Es gibt einen entscheidenden Unterschied zu früheren Generationen: Es gibt heute keine Kollektivinterpretation mehr. Jeder glaubt: Das passiert nur mir. Die anderen machen es irgendwie geschickter. Wir sind nicht mehr im gleichen Boot.“ Ende Zitat.
Aber, meine Damen und Herren: Das sind wir eben doch: Wir SIND nach wie vor im gleichen Boot.
Denn wir brauchen – genau wie früher – eine Gesellschaft, die uns trägt. Wir brauchen die Solidarität der anderen – so wie sie unsere Solidarität, unsere gemeinsamen Sozialsysteme brauchen, falls sie krank werden oder zu verarmen drohen.
Wir dürfen uns in unserer hochindividualisierten Gesellschaft nicht einreden lassen, wir seien für alles selber verantwortlich.
Auch deshalb sind das Engagement und das Know-How der Lehrerverbände wichtig: Sie sehen die Umstände. Die Strukturen.
Die Stimme des Dachverbandes ist in der nationalen Bildungs- und Sozialpolitik unverzichtbar.
Meine Damen und Herren
Der Begriff burnout stammt ja vom Titel eines Romans von Graham Greene aus dem Jahre 1960: „A Burnt-Out Case“
Und an einer Stelle dieses Buches heisst es: „The more bare a life is, the more we fear change.“
Also etwa: „Je ungeschützter unser Leben ist, desto mehr fürchten wir Veränderungen.“
Diese Aussage hat auch Gültigkeit für die Gegenwart.
Denn unsere Gesellschaften haben sich in die Defensive zurückgezogen – und zwar, weil sie verunsichert sind.
Unsere Gegenwart ist so unberechenbar wie wohl nie mehr seit der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.
Umso wichtiger sind Sicherheit und Stabilität geworden.
Aber Stabilität heisst nicht Stillstand.
AV 2020
Meine Damen und Herren
Ich bin mir bewusst, dass ich vor Menschen spreche, die in den letzten 10 Jahren unzählige Reformen durchgeführt haben und durchführen mussten.
In der Altersvorsorge aber herrscht Stillstand. Und Stillstand ist gefährlich in einer Welt in Bewegung.
Mesdames et Messieurs,
La réforme du Conseil fédéral est si importante parce qu’elle permet d’honorer une promesse faite à la population suisse :
Celle de pouvoir vivre ses vieux jours dans la sécurité matérielle.
Mais ce projet est aussi essentiel pour une autre raison : il prouve que la Suisse est encore capable d’entreprendre des réformes en matière de politique sociale.
Réformer, c’est prendre le destin de son pays en main, C’est agir pour façonner son avenir.
C’est pour cette raison que la capacité de réformer est au cœur de la démocratie. Cela est encore plus vrai dans la complexité du monde actuel, conséquence inéluctable de la mondialisation.
Mesdames et Messieurs,
Entreprendre des réformes est particulièrement indispensable au vu de la révolution numérique qui est en train de modifier en profondeur notre société et notre économie.
Ici aussi – comme pour le vieillissement démographique –, le défaitisme nous guette.
Les nouvelles technologies révolutionnent des branches entières – des taxis à la musique en passant par les médias et le tourisme. Toutes ces branches – et beaucoup d’autres – ont connu des changements profonds. La numérisation a modifié les processus de production, de vente et de distribution. La numérisation est porteuse de grands espoirs, mais aussi de craintes tout aussi importantes. Et le cumul du vieillissement démographique, de la mondialisation et de la numérisation semble menacer la sécurité sociale.
La numérisation offre de nombreuses opportunités, mais comporte aussi de grands risques.
Je suis sûr que vous vivez cela très concrètement dans les écoles. Où vous êtes confrontés à de nouveaux modes d’enseignement et d’interaction qui font désormais partie intégrante de votre travail d’enseignants ; Mais où les nouvelles technologies montrent aussi leurs côtés négatifs, comme le harcèlement systématique entre élèves.
Sebastian Thrun, un chercheur en informatique allemand, a récemment décrit l’ère numérique en ces termes :
« C’est une révolution, Pas une révolution des machines, Mais de la créativité humaine Et de la confiance en soi. »
Ce dont nous avons besoin, c’est donc d’une éducation numérique. Pour préparer notre société. Et surtout pour pouvoir repérer les opportunités et les risques.
Ce n’est qu’ainsi que nous serons capables de façonner ce nouveau monde. Et que nous prendrons conscience de la nécessité d’infléchir ce processus par l’action politique.
Concrètement, nous devons tout faire pour que les individus se sentent en sécurité – sinon, ils ne prendront aucun risque. Et alors, le potentiel de la numérisation restera inexploité.
Mesdames et Messieurs,
Pendant longtemps, l’opinion communément admise était que la société doit s’adapter à l’économie pour sortir gagnante de la mondialisation.
La numérisation, qui menace de faire disparaître les tâches répétitives et qui récompense la créativité, renverse cette logique : C’est désormais l’économie qui doit s’adapter à la société. Et pour que notre société profite de la concurrence mondiale des idées et de l’innovation, Il faut placer l’individu au centre et lui permettre de se réaliser.
En cela, les enseignantes et les enseignants jouent un rôle irremplaçable dans notre pays.
Des enseignantes et des enseignants en bonne santé.
Merci beaucoup.