Saint-Gall
Manuscrit, non publié à l’époque. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.
Discours prononcé en allemand et en français. Texte original, non traduit.
Sehr geehrte Damen und Herren
Es freut mich, hier an der MUBA zu sein…
Nein, ich weiss natürlich, dass ich in St. Gallen an der OLMA bin.
Ich wollte nur testen, ob Sie gerade aus der Degustationshalle kommen.
Ich war ja noch nie hier. Aber meine Kolleginnen und Kollegen im Bundesrat haben mich vorgewarnt:
An der Olma werde nicht nur Milch getrunken.
Ich muss sagen: Es ist mutig, dass Sie ausgerechnet MICH eingeladen haben – den Gesundheitsminister.
Bier,
Weisswein,
die berühmte Olma-Bratwurst,
Rippli,
Wurstsalat,
Fondue,
Raclette
und ungefähr dreieinhalb Tonnen Pommes frites.
Und was ist mit fünf Mal Obst und Gemüse täglich, wie das behördlich empfohlen ist?!
Und dann lassen Sie auch noch das einzige Gesunde an der Wurst weg: den Senf!
Ich weiss, ich weiss. Es gibt an der Olma natürlich viel Obst und Gemüse –
zum Anschauen…
Und es gibt auch viel Bewegung – sogar ein Rennen!
Das ist wirklich gesund –
aber leider nur für die Säuli…
Liebe Festgemeinde
Die Olma ist ein Ort, an dem sich die Schweiz trifft.
Es herrscht Jahr für Jahr eine ausgelassene Stimmung,
die schon fast sprichwörtlich ist.
Die Olma ist ein Volksfest für alle Sinne.
Aber sie ist mehr als das.
Die «Schweizer Messe für Landwirtschaft und Ernährung» wurde bekanntlich im Zweiten Weltkrieg ins Leben gerufen,
im RAHMEN-
im RAHMEN-
nein, keine Angst:
das Wort geht jetzt nicht mit -VERTRAG weiter,
im Rahmen der sogenannten Anbauschlacht.
Und sie war schon damals beides:
Eine Leistungsschau der Schweizer Landwirtschaft.
Und gleichzeitig ein Volksfest.
Harte Arbeit und gute Stimmung –
das ist seit jeher die Erfolgsformel der Olma.
Und der Ostschweiz insgesamt.
„Work hard, party hard“ – wer hat‘s erfunden?
Die New Yorker?
Nein, die St. Galler!
Meine Damen und Herren
Die Olma steht ursprünglich für Selbstbewusstsein in einer bedrohlichen Zeit.
Heute sind die Zeiten zwar weniger bedrohlich.
Aber sie sind auch nicht mehr so stabil, wie wir es uns gewohnt waren in den letzten Jahrzehnten. Wir stehen vor zahlreichen Herausforderungen: Von unserem Verhältnis zur EU über die Auswirkungen des Negativzinses bis zu den globalen Handelstreitigkeiten, die uns als offene Volkswirtschaft nicht gleichgültig sein können – und die uns künftig leider noch stärker beschäftigen dürften.
Auch die Landwirtschaft durchlebt schwierige Zeiten.
Das Leben der Bäuerinnen und Bauern ist geprägt von harter Arbeit.
Und diese tägliche Leistung verdient Anerkennung.
Auf die Sympathie und die Unterstützung der Schweizer Bevölkerung kann sich unsere Landwirtschaft seit langem verlassen.
Ebenso wenig würde jemand bestreiten,
dass die Schweizer Landwirtschaft hervorragende Produkte hervorbringt.
Es gibt also keinen Grund, vor einem offenen Dialog über die künftige Ausrichtung der Agrarpolitik Angst zu haben.
Und ebenso wenig vor Debatten über Initiativen, die unser Trinkwasser schützen oder synthetische Pestizide verbieten wollen.
Ganz sicher nicht in unserem politischen System. Wo die Sieger von heute die Verlierer von morgen sind – und umgekehrt.
Was uns alle eint, ist die mittlere Zufriedenheit über politische Entscheide.
Die Schweiz ist eine Kompromissnation – sie ist ein erfolgreiches Land, weil sie seit jeher mittels Kompromissen weiterkommt.
Ja, die Schweiz kommt weiter – auch wenn es sich manchmal anfühlt wie Stillstand.
Aber sie bewegt sich eben doch, unsere Schweiz!
Kritiker nennen unsere Art der Politik „sich durchwursteln“ – aber an der Olma, wo die Wurst verehrt wird, versteht man sofort: Diese Beleidigung ist ein Kompliment!
Ja, wir wursteln uns durch – aber damit fahren wir langfristig besser als andere Länder, denn wir finden Kompromisse, mit denen alle leben können.
Und Lösungen, die breit akzeptiert sind.
Ich bin überzeugt: Das wir auch für die Landwirtschaft einen guten Kompromiss finden werden.
Meine Damen und Herren
Wir ALLE haben ein existentielles Interesse daran, den Klimawandel mit ganzer Kraft zu bekämpfen. Der Landwirtschaft macht der Klimawandel schon länger zu schaffen: weniger Wasser, Hitze, heftige Gewitter.
Und wir ALLE haben ein existentielles Interesse daran, dass unsere Landwirtschaft in Freihandelsabkommen faire Bedingungen für ihre hohen Standards erhält. Weil wir auch alle wollen, dass bei uns in der Landwirtschaft faire Löhne bezahlt werden.
Ich bin ich überzeugt:
Die Schweizer Landwirtschaft wird auch im 21. Jahrhundert Erfolg haben.
Falls sie die Herausforderungen mit Tatkraft und Optimismus angeht.
Und ich bin überzeugt: Das wird sie!
Wir dürfen auch in der hitzigsten Debatte nicht vergessen:
Auch wenn wir über Wege und Methoden streiten,
letztlich streben wir alle das gleiche Ziel an:
Eine Landwirtschaft,
die innovativ auf Marktchancen reagiert,
die ökologisch produziert
und die auf höchste Qualität ausgerichtet ist.
Ich danke allen Bäuerinnen und Bauern für ihren grossen Einsatz!
Mesdames et Messieurs,
Cette année, la culture populaire suisse est l’invitée d’honneur de l’Olma.
Faire de la musique ensemble, cultiver notre patrimoine culturel, c’est renforcer les liens qui nous unissent.
Ainsi que la conviction
que nous sommes capables de définir ensemble notre cadre de vie.
Prenez l’engouement pour les costumes traditionnels.
Il a débuté en 1848, lorsque le jeune État fédéral, optimiste et enthousiaste, était à la recherche de son identité culturelle et l’a trouvée dans l’exploration créative du passé.
Pour maintenir la culture populaire vivante, nous devons sans cesse nous demander, ce qu’il faut :
conserver,
faire revivre,
renouveler,
ou oublier !
Il en va de même pour l’Olma, qui a beaucoup évolué ces dernières décennies – tout en préservant ses valeurs fondamentales.
Et la Suisse, finalement, ne fonctionne pas autrement. En politique, nous débattons constamment pour savoir :
ce que nous voulons conserver,
faire revivre,
renouveler,
ou oublier !
Meine Damen und Herren
Die Schweiz ist auch deshalb erfolgreich, weil sie keine Angst vor diesen Auseinandersetzungen hat.
Das merkt man auch hier an der Olma:
Ich habe im Programmheft gelesen, dass am 11. Oktober schon einmal für die Wahlen vom 20. Oktober geübt wird.
Dann finden hier auf dem Festgelände nämlich die die «Schweizermeisterschaften im EIER-TÜTSCHEN» statt.
Ich begrüsse diese staatspolitisch vorbildliche Veranstaltung ausdrücklich.
Das sage ich nicht nur als Bundesrat und Bürger.
Sondern auch einer, der aus einem Bauerndorf stammt und noch immer dort wohnt.
Also als ein echtes LAND-EI –
das zudem auch noch aussieht wie eines.
Im Ernst:
Die Schweiz ist sozusagen das Land des Eiertütschens.
Ein Land, das Freude hat am freundschaftlichen Zusammenstoss.
Aber nun wollen wir alle gemeinsam die Ausstellung erleben.
Und wenn man an der Olma etwas erleben will, etwas sehen will – dann muss man durch die «Wöörgete dördöre»,
Die Olma ist eben nichts für «Jommerfödle».
Ich wünsche Ihnen ein schönes Fest.