Soleure
Manuscrit, non publié à l’époque. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.
Discours prononcé en allemand. Texte original, non traduit.
Sehr verehrte Damen und Herren
Leben in Zeiten von Corona…
Am Morgen blicken wir als erstes in einen kleinen Bildschirm.
Tagsüber arbeiten an einem mittelgrossen Bildschirm.
Und abends entspannen wir uns vor einem grossen Bildschirm.
Aber der ganz grosse Bildschirm – er fehlt uns.
Die letzten Monate haben eine verstörende, aber auch eine aufklärerische Wirkung entfaltet.
Alle haben es immer wieder beteuert – aber jetzt haben wir es wirklich erlebt:
Ein vitales Kulturleben gehört zu den Fundamenten einer jeden Gesellschaft.
Eine Gesellschaft, die sich weiterentwickeln und weiterdenken will,
und sich nicht einfach damit abfindet,
dass die Verhältnisse sind, wie sie sind.
Wegen Corona müssen wir auf vieles verzichten, was uns wichtig ist.
Nicht zuletzt auf das Kino-Erlebnis.
Deshalb freut es mich umso mehr, jetzt einem Meister des Kinos zu einem Filmpreis zu gratulieren.
Bei Preisverleihungen muss man allerdings vorsichtig sein.
Als Markus Imhoof vor einigen Jahren einen kantonalen Preis für sein GESAMT-werk erhielt, war er etwas irritiert:
«Gesamtwerk»,
sagte er damals,
«das klingt ja,
als sei es das jetzt gewesen.»
Deshalb verleiht der Bund auch keinen Preis für das GESAMT-werk – sondern einen Ehrenpreis.
Dieser Preis ist also keine schweizerisch verklemmte Aufforderung,
das Filmemachen per sofort einzustellen.
Im Gegenteil: Dieser Preis ist ein Zeichen dafür, dass wir gespannt darauf sind, was noch kommt.
Was immer Markus Imhoof filmisch angepackt hat – er hat uns damit gepackt.
Emotional und intellektuell.
Von «Fluchtgefahr» bis «Die Reise».
Von «Tauwetter» bis «Flammen im Paradies».
Er hat das Thema des jeweiligen Films zu UNSEREM Thema gemacht.
Unaufdringlich,
aber eindringlich.
Über «Eldorado» von 2018, der sich mit dem Thema Migration beschäftigt, hat Markus Imhoof gesagt,
er habe diesen Film gemacht, um, ich zitiere:
«zu sehen,
was ich eigentlich NICHT sehen will».
Ja, Markus Imhoof bringt uns dazu, zu sehen, was wir eigentlich nicht sehen wollen.
Und nimmt uns so in die Pflicht.
Er erinnert uns daran, dass die Verhältnisse nicht einfach sind, wie sie sind.
Sondern, dass es auf uns ankommt.
Auf jede Einzelne und
auf jeden Einzelnen.
Ich gratuliere Markus Imhoof ganz herzlich zum Prix d’honneur.