Berlin
Manuscrit, non publié à l’époque. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.
Discours prononcé en allemand. Texte original, non traduit.
Lieber Hermann
Sehr geehrte Damen und Herren
Als Gesundheitspolitiker fragt man sich ja nach einiger Zeit im Amt: Ist Gesundheitspolitik eigentlich gesund?
Ich sage mal vorsichtig: Zumindest braucht man sehr gute Nerven dafür.
Aber die haben wir ja zum Glück.
Schliesslich politisieren wir beide in Grossen Koalitionen.
Genauer: Du – mit drei Parteien – in einer grossen.
Und ich – mit fünf Parteien! – in einer ganz grossen.
Der Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen hat zum Abschied aus der Schweiz die rhetorische Frage gestellt hat: „Wäre Angela Merkel eine Bundesrätin nach dem Geschmack der Schweizer?“
Seine Antwort: „Ja, Merkel ist auch ein kleines Stück Schweiz. Wie die meisten Eidgenossen kennzeichnet die Bundeskanzlerin eine gewisse Unaufgeregtheit und persönliche Bescheidenheit. Im Politikbetrieb wartet sie gerne ab, wie sich die Meinungen entwickeln, und sucht danach den grösstmöglichen Konsens.“
Ich kann bestätigen: das ist wirklich sehr helvetisch!
Aber so positiv ist dann das Fazit zur Schweizer Politik doch nicht: „Bern ist nicht Klein-Berlin, die Schweiz kein Bayern plus.
Der zähe politische Prozess würde wohl selbst sie nerven.“
Lieber Hermann
Noch mehr Geduld und Nerven als für unsere Koalitionen brauchen wir Gesundheitsminister, wenn wir uns an Reformen heranwagen.
Denn wir müssen uns gegen eine – fast schon gesundheitsgefährdende – Allianz von Partikularinteressen durchsetzen.
Diese Widerstände erinnern mich immer an eine Geschichte über den deutschen Chirurgen Ferdinand Sauerbruch, der auch in der Schweiz tätig war.
Sauerbruch liess sich von einem Patienten einst für eine Operation von fünfhundert auf dreihundert Mark herunterhandeln.
Als der Patient einen noch tieferen Preis wollte, sagte Sauerbruch zu ihm: „Ich operiere auch für weniger als 300 Mark. Aber ich mache Sie darauf aufmerksam, dass mir in dieser Preislage immer die Hände zittern.“
Lieber Hermann
Im Namen meiner ganzen Delegation bedanke ich mich herzlich für Deine Einladung und für den freundschaftlichen Empfang hier in Berlin.
Wir sind in uns in den letzten Jahren verschiedentlich begegnet.
Und es ist mir immer wieder ein grosses Vergnügen, mich mit Dir über unsere gesundheitspolitischen Vorhaben und Erfahrungen auszutauschen.
Wie unsere bisherigen Gespräche gezeigt haben, arbeiten wir in unseren Ländern quasi parallel an vielen gemeinsamen Themen.
Es wird spannend sein, unsere Reformvorhaben in den nächsten Jahren aus einer vergleichenden Perspektive zu verfolgen.
Daher freue ich mich, auf unseren anregenden Austausch.