Berne
Manuscrit, non publié à l’époque. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.
Discours prononcé en allemand et en français. Texte original, non traduit.
Meine Damen und Herren
Sehr geehrte Medienschaffende
Guter Journalismus wirft immer einen genauen Blick auf unsere Lebenswelt. Er ist nahe bei den Leuten.
Wer über das lokale Geschehen berichtet, beschäftigt sich mit der Realität – und weiss gleichzeitig, dass er Teil dieser Realität ist, dass er diese auch mitformt.
Gewiss: Die Realität wird häufig etwas überschätzt, wie Woody Allen einst meinte.
Aber sie ist immer noch der einzige Ort, wo man ein anständiges Steak bekommt…
Über kritischen Lokaljournalismus zu schwärmen, fällt leicht – besonders, wenn man selber auf der nationalen Ebene tätig ist.
Andererseits: Bundesbern ist ja unser nationales Dorf.
Deshalb bin ich etwas beunruhigt über den Trend zum „Hyper-Lokaljournalismus“.
Was aber bedeutet der „Hyperlokaljournalismus“ konkret?
Ist damit das eigene Quartier gemeint oder die eigene Strasse?
Also sozusagen Journalismus mit Selfie-Stick?
Oder, noch hyperlokaler. Gar nur noch als Berichterstattung aus einem Zimmer?
Zum Beispiel aus dem Bundesratszimmer?
Das wären beunruhigende Aussichten.
Die Bundesrats-Sitzungen sind ja bekanntlich geheim.
Wenn Sie es nicht glauben, fragen Sie die Sonntagszeitungen.
Oder den NSA…
Meine Damen und Herren
Guter Journalismus vermittelt Atmosphäre, Befindlichkeit, Unterschwelliges.
Lokaler Journalismus – auf welchem Kanal auch immer – ist und bleibt Leitmedium unserer Stadt, unseres Dorfes, unseres Lebens.
Er zeigt uns und erklärt uns, was wir sind – und wie wir uns verändern.
Lokaljournalismus schafft Heimat im besten – nämlich authentischen –Sinne des Wortes.
Seine Quellen sind reale Personen und Geschehnisse.
Entscheidend sind dabei Faktentreue und Gründlichkeit.
Mit der sogenannten desk-Recherche kommt man nicht weit, weil das Lokale häufig unter dem Radar von Google stattfindet.
Klar: Guter Journalismus kostet.
In guten Journalismus muss auch investiert werden.
Medien sind wichtig für die Öffentlichkeit – aber sie gehören Privaten.
Dass ist kein Problem, solange diese Privaten um ihre Verantwortung wissen.
Gewiss, der Strukturwandel der Medien ist tiefgreifend.
Die Margen sinken.
Und die revolutionäre Geschäftsidee für den Journalismus im Zeitalter seiner Digitalisierung? Sie lässt auf sich warten.
Niemand kann also von den Verlegern das Unmögliche verlangen – aber das Mögliche schon.
Das Mögliche besteht darin, die Rahmenbedingungen des journalistischen Arbeitens so zu gestalten, dass gute Qualität weiterhin eine Chance erhält.
Das Mögliche besteht darin, den journalistischen Inhalt nicht aus Angst vor dem Niedergang präventiv tot zu sparen.
Meine Damen und Herren
Eine erkenntnisgetriebene und faire Berichterstattung ist unentbehrlich für unsere Gesellschaft und für unsere Demokratie.
Denn sie versorgt uns alle mit jenen Informationen, die ein Gemeinwesen braucht, um politische Entscheide überhaupt sinnvoll fällen zu können.
Zum qualitativ hoch stehenden Journalismus gehört – untrennbar! – die hervorragende Fotografie, wie sie hier am Swiss Photo Award ausgezeichnet wird.
Das präzise Bild hält Ereignisse und Emotionen fest, die manchmal weltbewegend sind – und manchmal nur einen einzelnen Menschen bewegen.
Fotografie ist zudem hoch politisch. Sie hat die Macht, einen komplexen Sachverhalt so festzuhalten, dass sich einem nicht nur das Bild einprägt, sondern eben auch die mitgelieferte Botschaft.
Auch hier gilt: Mit der Macht – der Macht über das Bild, das Image einer Person – wächst die Verantwortung.
Bilder dürfen nicht manipuliert werden, obwohl das heute technisch leicht machbar ist.
Bilder dürfen nicht demagogisch eingesetzt werden – also nicht, um Menschen dem Spott oder der Verachtung preiszugeben.
Manchmal muss man die Menschen auch vor sich selber schützen. Gerade in einer Zeit, in der das Warhol-Wort von den „15 Minuten Berühmtheit für alle“ sich zu bewahrheiten scheint.
Beim Bild braucht es – genauso wie für die Publizistik – ein Berufsethos, das zwischen legitim und illegitim unterscheidet.
Und das sich nicht einfach darauf beruft, dass ja alles legal sei.
Fotografie und Lokaljournalismus mögen sich in vielem unterscheiden – eines aber teilen sie. Nämlich:
Den präzisen Blick auf Menschen und Situationen.
Die Empathie für ihre Objekte – und gleichzeitig eine gewisse Distanz zu diesen.
Und, vielleicht, auch den Glauben an die grundsätzliche Verbesserbarkeit der Verhältnisse.
Dass es – trotz der Medienkrise – noch immer so viele Fotografen und Journalistinnen gibt, die sich ihr berufliches Ethos bewahrt haben, verdient nicht nur Erwähnung – sondern auch unseren Respekt.
Meine Damen und Herren
Es ist ja unglaublich, wie viele Leute erkannt zu haben glauben, in welcher Gesellschaft wir leben:
In der „Risikogesellschaft“,
der „Wissensgesellschaft“,
der „Informationsgesellschaft“,
der „Ich-Gesellschaft“.
In der „Beschleunigten Gesellschaft“.
Oder vielleicht auch in der „Entschleunigten Gesellschaft“?
Warum nicht? Jeder Trend gebiert schliesslich einen Gegentrend.
Lakonisch brachte unlängst der Soziologe Fran Osrecki unsere Etikettierungs-Manie auf den Punkt: Wir leben in einer „Diagnose-Gesellschaft“.
Gerade heute ist es also besonders wichtig, Schlagworte und Chiffren beiseite zu schieben und einer Sache wirklich auf den Grund zu gehen.
Das ist die Aufgabe von gutem Lokaljournalismus.
Und dazu braucht es auch Mut.
Ein kritischer Artikel über den amerikanischen Präsidenten braucht weniger Mut als ein kritischer Artikel über den Gemeindepräsidenten, dessen Frau die Schulpflege leitet und dessen Parteifreund der Hausbesitzer ist.
„Ein Journalist darf es sich nicht bequem machen, und erst recht nicht denjenigen, über die er schreibt“, lautete eine Maxime Rudolf Augsteins, des legendären Spiegel-Gründers.
Man kann nur hoffen, dass die Medienkrise dieses Fundament journalistischen Selbstverständnisses nicht allzu stark in Wanken bringt.
Mesdames et Messieurs,
Chères lauréates, chers lauréats,
Au tournant du millénaire, on était persuadé que les distances ne joueraient à l’avenir plus aucun rôle.
Eh oui, encore un diagnostic ! Cette fois-ci, on prédisait une société où les distances allaient s’effacer.
Mais avec le recul, nous voyons bien que les choses ne sont pas si simples.
Aujourd’hui, distance et proximité sont étroitement imbriquées.
Ce qui se passe dans le monde se répercute à l’échelle nationale, puis régionale.
Les influences étrangères ne sont pas seulement extérieures. Elles se développent aussi à l’intérieur de notre pays – l’immigration, les brassages culturels et les échanges sur Internet en sont autant de vecteurs.
Pour affûter notre compréhension du monde, nous devons l’appréhender à travers le filtre de notre réalité locale.
Aujourd’hui, les journalistes de proximité sont les envoyés spéciaux de l’actualité nationale et internationale à l’échelle locale.
Leur travail relève aussi bien de la rubrique nationale d’un média local que de la rédaction régionale d’un titre international.
Ce qui fait vivre notre culture politique, nos institutions, c’est l’intérêt que nous portons au monde.
Et aux autres.
Nous avons besoin de savoir comment les autres fonctionnent.
Et cela, qui mieux que la presse locale peut nous l’apprendre ?
Elle qui sait prendre le pouls du quotidien, qui sait décortiquer ce qui touche les gens dans leur vie de tous les jours.
C’est peut-être ça, la grande force de la Suisse : nous nous intéressons les uns aux autres.
Cet intérêt mutuel est quelque chose de très précieux. Même s’il peut devenir un peu pesant, parfois.
Geraldine Chaplin a dit : « Quand tu éternues dans un village suisse, tout le monde le sait. ».
Vous voyez : rien de nouveau sous le soleil !
Même le journalisme de proximité ne date pas d’hier.
Cela dit, même si tout se sait dans notre pays, la fille de Charlie Chaplin ne semble pas trop nous en tenir rigueur, puisqu’elle a récemment déclaré qu’elle se verrait bien acquérir la nationalité suisse.
Il est important que nous soyons curieux de nous-mêmes. Même s’il faut parfois laisser ses voisins éternuer en paix…
Ecrire l’histoire du présent. Telle est la vocation d’un journalisme de qualité.
Ce journalisme de qualité, les nominés en portent haut les couleurs. Je tiens à les féliciter chaleureusement.
Merci.