Berne
Manuscrit, non publié à l’époque. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.
Discours prononcé en allemand. Texte original, non traduit.
Meine Damen und Herren
Das Dazwischen wird unterschätzt.
Es ist weit mehr, als man auf den ersten Blick meinen könnte.
Das Dazwischen ist nicht ein Weder-Noch.
Das Dazwischen ist die Brücke, die verbindet.
Es ist der Kitt, der zusammenhält.
Es ist der Pass zwischen zwei Spielern.
Und es ist die Pause zwischen zwei Traktanden im Bundesrat. Was dann passiert, ist natürlich streng geheim.
Das Dazwischen schafft Sinn und stiftet Identität.
Ja, man könnte sagen, die Schweiz besteht aus vielen Dazwischen aus vielen „Inter“:
Dem Interkulturellen, Interkantonalen, Interregionalen und Internationalen.
Aus der Verständigung zwischen Stadt und Land, zwischen Wirtschaft und Politik, zwischen den Institutionen.
Denn wir sind nicht einfach eine Willensnation.
Sondern eine Nation der Übersetzerinnen und Übersetzer.
Im umfassenden, staatspolitischen Sinn des Wortes.
Wir müssen unsere eigene Sicht so schildern, dass die anderen, die mit uns die Schweiz bilden, sie verstehen.
Und wir müssen gut zuhören, wenn die anderen sprechen – und ihre Ansichten immer auch kulturell decodieren.
Wenn wir die Schweiz ernst nehmen, müssen wir uns alle als interkulturelle Übersetzerinnen und Übersetzer sehen und betätigen.
Nur so können die kulturellen Fliehkräfte in unserem mehrsprachigen Land immer wieder überwunden werden.
Die Schweiz bleibt die Schweiz, indem wir uns immer wieder anstrengen und die Zwischenräume pflegen.
Denn das Dazwischen ist die Kohäsion.
Meine Damen und Herren
Als Land mit hoher Einwanderung ist die in sich schon vielfältige Schweiz nochmals stark gefordert.
Ohne interkulturelles Dolmetschen ist Kommunikation zwischen Migrantinnen und Migranten und den Menschen im öffentlichen Dienst oft nicht möglich.
Interkulturelle Übersetzerinnen und Übersetzer sind unverzichtbar für die gesellschaftliche und berufliche Integration all jener Migrantinnen und Migranten, die noch keine unserer Landessprachen ausreichend beherrschen.
Das ist vor allem wichtig in der Gesundheit, im Sozialwesen und in der Bildung.
INTERPRET ist also ein Kompetenzzentrum der besonderen Art.
Das Kompetenzzentrum für Verständigung und Verständnis und damit essenziell für unser Zusammenleben.
Interkulturelles Dolmetschen ist auch eine notwendige Voraussetzung für einen gleichberechtigten Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen.
Auf sich allein gestellt, sind Migrantinnen und Migranten mit den Institutionen, Prozessen, Strukturen in unserem Land oft überfordert.
Bei guter Übersetzung lernen beide Seiten voneinander.
Interkulturelle Übersetzerinnen und Übersetzer erklären den Fachpersonen der öffentlichen Hand auch den kulturellen und weltanschaulichen Hintergrund der Migrantinnen und Migranten.
Meine Damen und Herren
Das Bundesamt für Gesundheit BAG stand nicht zufällig am Anfang der Professionalisierung des interkulturellen Dolmetschens.
Das Gesundheitssystem ist oft der erste Kontakt mit dem Empfangsland.
Ausserdem: Die Gesundheit betrifft jeden und jede ganz existenziell.
Hier wird jedem gleich bewusst, dass eine gute Kommunikation unerlässlich ist. Der Ärztin genauso wie dem Pfleger und dem Patienten, der nur Tamil oder Tigrinya spricht.
Migrantinnen und Migranten sind – da sie oft kulturell entwurzelt sind – verletzlicher.
Gerade auch, was ihre Gesundheit angeht.
Wenn sie bei Konsultationen von einer Person unterstützt werden, die ihren kulturellen und sprachlichen Hintergrund kennt – und dazu auch noch das hiesige Gesundheitssystem – ist die Behandlung effizienter, das Vertrauen stärker und die Heilung verläuft schneller.
Anders gesagt: Fehlende Verständigung kann schmerzhaft und teuer sein.
Vom BAG gingen denn auch die entscheidenden Initiativen sowie die finanzielle Unterstützung für den Aufbau des Qualifizierungssystems aus.
Man kann deshalb nicht genug betonen, wie wichtig interkulturelles Dolmetschen für die Effizienz und Qualität unseres Gesundheitssystems ist.
Dieses Bewusstsein ist nicht nur wichtig in den Spitälern.
Sondern auch in den Arztpraxen und Apotheken.
Alle gesundheitlichen Dienstleistungen können profitieren.
Aus diesem Grund finanziert das BAG im Rahmen des Programms „Migration und Gesundheit“ das Kompetenzzentrum für interkulturelles Dolmetschen und Vermitteln mit.
Und deshalb ist in der Gesamtschau „Gesundheit 2020“ als gesundheitspolitische Priorität des Bundesrats festgehalten: „Alle Bevölkerungsgruppen sollen die gleichen Chancen auf ein gesundes Leben und auf eine optimale Lebenserwartung haben. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den Kindern und Jugendlichen, Personen mit tiefem Einkommen oder Bildungsstand, älteren Menschen, aber auch Migrantinnen und Migranten.“
Meine Damen und Herren
INTERPRET steht für hohe Qualitätsansprüche. Und das heisst auch: Ihr Kompetenzzentrum steht nie still. Gegenwärtig erproben Sie neue Formen der Übersetzung, von Telefondolmetschern bis zu Videokonferenzen.
Dabei müssen natürlich stets auch die Arbeitsbedingungen und die Entlohnung der Dolmetschenden im Auge behalten werden.
Deren Aufgabe ist anspruchsvoll und belastend.
Deshalb: Ganz herzlichen Dank an Interpret und alle Dolmetscherinnen und Dolmetscher für das Engagement!
Das interkulturelle Dolmetschen wird an Wichtigkeit noch zunehmen.
Die Migration nach Europa nimmt zu. Ebenso die gesundheitspolitischen Herausforderung.
Das interkulturelle Dolmetschen ist ein entscheidendes Bindeglied zwischen den Migrantinnen und Migranten und unserem Staat und seinen Dienstleistungen.
Es geht auch darum, dass institutionelle Effizienz und eine respektvolle Beziehung zu Menschen aus fernen Ländern sich nicht ausschliessen.
Diese doppelte Dimension müssen wir ernst nehmen.
Sie ist eine Art von Lackmus-Test für unseren Selbstanspruch, eine Gesellschaft mit starken Grundwerten zu sein.
Und zwar nicht nur behaupteten – sondern auch im Alltag gelebten Grundwerten.
Als für Lebensmittelsicherheit zuständiger Bundesrat muss ich zudem betonen: Das gilt auch und gerade für die Grillsaison. Sonst kann es rasch zu wüsten Missverständnissen kommen.
Ein grosser Detailhandelskonzern mit orangem Logo hat kürzlich tatsächlich „Schweizer Bratbutter“ mit „Burro per arrostire svizzeri“ übersetzt.
Wir lernen: Buchstaben können Leben retten.
Womit wir, glaube ich, beim Apéro wären.
Danke und guten Appetit.