Lucerne

Manuscrit, non publié à l’époque. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.

Discours prononcé en espagnol et en allemand. Texte original, non traduit.

Sehr geehrter José María Romero
Sehr geehrte Frau Präsidentin
Sehr geehrter Herr Direktor
Sehr geehrter Herr Stadtrat
Sehr geehrter Abt Martin Werlen
Geschätzte Gäste

Es para mí una gran satisfacción entregarle a usted, don José María Romero, el Premio Caritas de este año. Ha llevado usted a cabo un esfuerzo extraordinario defendiendo la dignidad humana y la justicia social en unas condiciones enormemente difíciles.

Su biografía refleja bien lo que significa ser un pequeño campesino en Centroamérica, y más concretamente en Guatemala. No es usted dueño de la tierra que trabaja, sino un simple arrendatario. Y ha tenido que luchar una y otra vez por ese pedazo de terreno. Las autoridades del distrito quisieron arrebatársela en más de una ocasión, lo que les habría dejado sin medios de sustento a usted, a su esposa y a sus siete hijos.

Junto con numerosas personas que compartían esa misma situación fundó usted la asociación campesina « Instancia Tierra Norte ». Bajo su liderazgo, esta organización ha proporcionado en los últimos años acceso a una parcela de terreno a más de dos mil familias indígenas. Ahora, estas familias pueden cultivar la tierra con la seguridad de un contrato legal y mejorar así sus condiciones de vida.

Su esfuerzo personal y el compromiso y dedicación de la organización campesina « Instancia Tierra Norte » son ejemplares y pioneros, pero también implican un riesgo para ustedes. El Premio Caritas pretende rendir homenaje a su trabajo de décadas y al mismo tiempo alentarles a seguir por ese camino defendiendo los derechos básicos del ser humano.

Solche Bemühungen unterstützen private Hilfswerke wie die Caritas seit Jahren. Auch die offizielle Schweiz engagiert sich. Durch Zufall hat die guatemaltekische Menschenrechtsbehörde im 2005 das Polizeiarchiv Guatemalas gefunden. Es ist das grösste Archiv dieser Art in Lateinamerika. Würde man die Akten aneinander reihen, käme man auf eine Länge von acht Kilometern. Die Schweiz beteiligt sich mit Experten an der Aufarbeitung und Digitalisierung des Archivs. Damit die Informationen sicher aufbewahrt werden können, befindet sich das digitalisierte Material im Bundesarchiv in Bern.

Als Sozial- und Innenminister ist mir die Solidarität wichtig. Die guatemaltekische Situation zeigt, wie wichtig ein funktionierender, starker Sozialstaat ist. Wo es keinen starken Staat gibt, machen sich andere Statthalter breit – dies zum Schaden der Mehrheit und der Demokratie.

In den politischen Debatten der Schweiz ist immer wieder von Freiheit und Selbstverantwortung die Rede. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn politische Akteure von der Notwendigkeit reden, den Sozialstaat um- oder abzubauen.

Gegen den Grundsatz von Freiheit und Selbstverantwortung habe ich selbstverständlich nichts einzuwenden. Doch er steht nicht im Gegensatz zur Solidarität. Sie ist das fundamentale Prinzip, an dem wir unser gesellschaftliches Handeln ausrichten wollen. Das reicht weit über die Solidarität im familiären Bereich oder innerhalb der Sozialversicherungen hinaus. Es gibt beispielsweise Solidarverpflichtungen im europäischen und im globalen Bereich. Denken wir nur etwa an den Klimawandel oder an das Nord-Süd-Gefälle.

Zur Idee der Solidarität gehört auch, dass die Benachteiligten und Bedürftigen in den Vordergrund rücken. Je gravierender die Notsituation ist, desto dringender ist Solidarität geboten. Welche Herausforderung eine so verstandene Solidarität im nationalen und globalen Kontext für unser politisches Handeln darstellt, das muss ich Ihnen nicht weiter erläutern.

Solidarität drängt auf dauerhafte und nachhaltige Verbesserungen. Sie muss sich deshalb in den Institutionen und Ordnungen des gesellschaftlichen und politischen Lebens niederschlagen.

Abschliessend möchte ich festhalten: Solidarität ist eine Leitidee für den Aufbau einer Gesellschaft. In unserer Verfassung steht: Die Stärke einer Gesellschaft bemisst sich am Wohl der Schwachen.

Le doy las gracias, señor Romero, por recordarnos esta verdad fundamental de la solidaridad a través de su compromiso con la humanidad y la justicia.

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