Berne

Publié en allemand sous le titre « Hauptstadtregion Schweiz »

Allocution prononcée par le conseiller fédéral Alain Berset à l’occasion du forum Région capitale Suisse – Seules les paroles prononcées font foi.

Discours prononcé en allemand. Texte original, non traduit.

Hauptstadtregion Schweiz – dieser Plan lässt aufhorchen. Das westliche Mittelland gilt ja eher als bedächtige Region. Das Solothurnerlied „S’isch immer so gsi…“ ist nicht gerade eine revolutionäre Hymne. Der berühmte Neuenburger Literaturhistoriker Philippe Godet beschrieb seine Landsleute als „behutsam“. Und bekanntlich lautet die Devise der Berner: „Nume nid gsprängt“.

Und wenn ich schliesslich noch den Historiker Fritz René Allemann zitieren darf: „Wenn der beweglichere, allerdings auch unzuverlässigere Zürcher gern jede neue Idee aufgreift und durchspielt und dabei auch einmal über die Stränge schlägt, bleibt der Berner gegen das Ungewohnte, aus dem Rahmen Fallende tief misstrauisch; Aufschwünge des Enthusiasmus und Exzesse der Phantasie sind ihm verhasstes Gstürm.“

Und jetzt das: Die Vision einer Hauptstadtregion! Sie haben gemerkt, dass ich „Vision“ gesagt habe und nicht etwa „Gstürm“ oder „Exzess der Phantasie“.

Aber auch Visionen haben bekanntlich einen schweren Stand in der Schweiz. Sie stehen unter dem Verdacht der Naivität, des übertriebenen Idealismus, der Realitätsferne. Diese Skepsis wurzelt natürlich in der Tatsache, dass vieles in unserem Land allmählich von unten wächst und lange Zeit braucht, bis es einer Mehrheit als legitim erscheint.

Trotzdem bin ich überzeugt, dass Visionen keineswegs unschweizerisch sind. Die Schweiz kannte auch immer wieder Phasen der historischen Beschleunigung und der grossen Würfe. Von der Gründung des Bundesstaates 1848 bis hin zum Entscheid über den Atom-Ausstieg.

Was die Schweiz stark gemacht hat und auch heute stark macht, ist das Verständnis der Bürgerinnen und Bürger dafür, wann kleine Schritte angezeigt sind, und wann die Zeit für grosse gekommen ist.

Auf diesem Hintergrund erscheint die Vision einer Hauptstadtregion vielversprechend.

Die Tatsache, dass Bern einst nicht als Metropolitanregion eingestuft wurde, kann im Rückblick als Glücksfall betrachtet werden. Wieso Glücksfall? Weil viele Akteure merkten, dass der Status quo nicht mehr genügt in einer Welt, die sich rasch verändert und in der Regionen immer wichtiger werden.

Denn regionale Zusammenarbeit, die Kooperation in grösseren Räumen – sie sind ohne Alternative. Eine verstärkte Zusammenarbeit unter den Kantonen stärkt unser Land.

Denn sie erlaubt es, dort Antworten zu finden, wo die Realität ihre Fragen stellt – sei es im Bildungs- oder im Verkehrsbereich oder bei der Sicherheit.

Die Hauptstadtregion ist eine realistische Vision. Denn hier ist das Ganze grösser als die Summe seiner Bestandteile, mehr als ein loser Verbund von fünf Kantonen.

International ist die Logik des Clusters sowieso angezeigt: Und der Hauptstadtregion-Cluster vereint Politik, Verwaltung und Service-Public-Unternehmen. Er umfasst Bildungs- und Forschungseinrichtungen, Verbände und Politikberatung. Zudem sämtliche Spitzenverbände und die diplomatische Vertretungen.

Kurz: Die Hauptstadtregion ist ein Kompetenzzentrum. Oder, um es zeitgenössischer zu formulieren: Ein intellektuelles Powerhouse.

Diese Stärken sind ebenso bedeutend wie zukunftsträchtig. Denn wir leben heute wieder in einer Welt, die im Zeichen der Renaissance des Politischen steht. Und zwar in einem Ausmass, das vor der Finanzkrise undenkbar erschien. Damals herrschte die Meinung vor, dass in der Ära der Globalisierung der Primat automatisch der Wirtschaft zustehe.

Die Finanzkrise hat jedoch gezeigt: Auch dem globalen Akteur wird plötzlich heimatlich zumute, wenn Gefahr im Verzug ist. Die unsichtbare Hand von Adam Smith wurde plötzlich sichtbar in der Finanzkrise, als sie sich bittend öffnete für staatliche Gaben.

Die Finanzkrise hat uns eines gelehrt: Der Markt allein schafft keinen nachhaltigen Wohlstand.

Es zählen in der Schweiz eben nicht nur die wirtschaftlich leistungsfähigsten Regionen, sondern es gibt noch weitere Stärken, die unverzichtbar sind für den Erfolg unseres Landes: Politische Kultur, gesellschaftliche Stabilität, Lebensqualität.

Ein handlungsfähiger Staat und ein politisches System, das für faire und nachhaltige Entscheidungsfindung sorgt – sie sind von grösster Wichtigkeit für die Entwicklung eines Landes.

La Région capitale suisse réunit différents rythmes et tempéraments. A cela s’ajoute le fait que les cinq cantons qui la composent, ceux de Berne, Neuchâtel, Fribourg, Soleure et du Valais, sont économiquement importants, un fait dont les aires métropolitaines n’ont peut-être pas toujours suffisamment conscience.

Typiquement, les atouts majeurs de cette région résident dans l’économie réelle, où les qualités d’horloger qui sont celles des Suisses s’expriment le mieux : méticulosité, perfection artisanale, éthique du travail. Et ce, bien entendu, même en dehors de l’industrie horlogère. Prenez par exemple la construction mécanique, l’industrie de précision et la branche des techniques médicales, mais encore les techniques environnementales et énergétiques et l’industrie de la communication.

Lorsque j’entends « économie réelle », je pense aussi à ces branches.

Les scénarios de la Région capitale suisse se représentent l’avenir, mais ce n’est pas tout, encore faut-il le vivre !

La collaboration se fera dans le cadre de projets concrets, qu’il s’agisse de politique des transports, d’aménagement du territoire ou de tourisme, de conditions générales, ou bien encore d’harmonisation de l’infrastructure de transport et de la construction de logements.

La Région capitale est une Suisse à échelle réduite. Elle comprend en effet :

  • des cantons romands et suisse-alémaniques ;
  • ville et campagne – et l’ennuyeuse dichotomie entre Suisse rurale et Suisse urbaine dans un pays qui devient dans sa globalité une grande agglomération. La Région capitale nous aide à surmonter cette manière de penser ;
  • la Région capitale, enfin, se donne une occasion idéale de dialogue institutionnalisé entre monde politique, économique et scientifique. Car il est intéressant de constater qu’avec Internet, le besoin d’échanges directs, loin de diminuer, n’a cessé de croître.

Bref, la Région capitale est une chance pour le pays tout entier. Elle ose poser les questions auxquelles la Suisse dans son ensemble doit répondre pour elle-même : Qui sommes-nous ? Que représentons-nous ?

Chacun sait qu’en tant que nation, nous avons jusqu’à présent surtout cherché la réponse dans le passé.

Peut-être devrions-nous nous inspirer de son courage, elle qui ose avoir une vision.

Peut-être devrions-nous aussi commencer à chercher la réponse dans l’avenir.

Source : Conseil fédéral, admin.ch · Document original (PDF)

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