Bâle
Allocution prononcée par le conseiller fédéral Alain Berset à l’occasion de l’ouverture de la Muba – Seules les paroles prononcées font foi.
Discours prononcé en allemand. Texte original, non traduit.
Sehr geehrte Damen und Herren
Es ist mir eine grosse Ehre und ein Vergnügen, heute mit Ihnen die 97. Muba zu eröffnen.
An der Muba zeigen sich jene Eigenschaften exemplarisch, für die unser Land in der Welt steht:
- Innovationskraft
- Präzision
- und Fortschrittsoptimismus.
Auf den ersten Blick erscheint es natürlich schwierig, pauschale Aussagen über eine Messe zu machen, an der ein so breites Spektrum von Produkten präsentiert wird.
Und es gibt nicht nur materielle Produkte, sondern auch ideelle. So stellten sich auch schon politische Parteien an der Muba vor. Zwischen Bügeleisen und Bergkäse sozusagen.
Und dieses Jahr ist sogar ein Wahrsager an der Muba.
Es ist natürlich etwas riskant, Politiker und Wahrsager in einem Atemzug zu erwähnen. Obwohl etwas beide Berufsgruppen verbindet: Beide – Wahrsager und Politiker – müssen gemäss Churchill die Fähigkeit haben, genau vorherzusagen, was nächste Woche passieren wird, nächsten Monat oder im nächsten Jahr. Und sie müssen auch die Fähigkeit haben, nachher zu erklären, warum es doch nicht passiert ist.
Die Muba steht für die Verbindung von Schweizer Wirtschaft und Weltwirtschaft. Eine Scharnierfunktion, die Basel seit dem Mittelalter innehat.
Die Muba steht für Schweizerischen Optimismus. Die Mustermesse wurde 1917 gegründet. Mitten im Ersten Weltkrieg. Damals war die Mustermesse ein Provisorium aus Holzbuden. Aber es kamen über 800 Aussteller allen Kantonen der Schweiz und 300‘000 Besucherinnen und Besucher. Ein grosser Erfolg. Nicht nur die Muba-Gründer waren realistische Optimisten, wir Schweizer sind das insgesamt – auch wenn wir gern auf hohem Niveau jammern.
Die Muba steht für die Wertschätzung unseres Gewerbes, unserer KMU. 99,7 Prozent der Unternehmen in der Schweiz sind KMU. Wir sind das Land der KMU und das Land der Grosskonzerne. Das macht die Schweiz wirtschaftlich stark.
Die Muba steht für den praktischen Nutzen von Innovationen. Innovationen: Das sind nicht nur grosse Durchbrüche. Das sind auch stete Verbesserungen in kleinen Schritten.
Und die Muba steht schliesslich auch für Weltoffenheit. Für die Neugier auf alles Neue. Heute haben wir für diese Neugier – die in Basel seit Jahrhunderten prägend ist – zahlreiche Begriffe wie: Benchmarking, Technologietransfer, Networking. Die Muba hat bewiesen: Es geht auch ohne den Managementjargon.
Aber nicht nur Basel, sondern die Schweiz insgesamt ist kulturell sehr offen. Diese Offenheit schafft ein gesellschaftliches Klima, in dem sich Einwanderer willkommen fühlen, von Nestlé bis Hayek.
Fazit: Die Muba verkörpert alles, was die Schweizer Wirtschaft stark macht.
Hier zeigt sich eine Schweiz, die ausprobiert, die pröbelt, die entwickelt, die weiterentwickelt, die über Neuem brütet. Eine Schweiz, die nicht ruht. Eine stets sprungbereite Schweiz, die sich nicht zufrieden gibt, die nach immer Besserem strebt.
Wenn ich an Realwirtschaft denke, dann denke ich nicht zuletzt an die Firmen, die hier an der Muba ausstellen.
Damit wir auch weiterhin so viele innovative Produkte angeboten erhalten, müssen wir den Innovationsstandort Schweiz im umfassenden Sinne stärken.
Wenn ein Land nachhaltig Erfolg haben will, braucht es gesellschaftliche Stabilität. Eine funktionierende politische Kultur. Sozialen Ausgleich.
Wenn ein Land nachhaltig Erfolg haben will, dann müssen dessen Bürgerinnen und Bürger überzeugt sein, dass es fair und gerecht zugeht.
Und das bedeutet, dass wir die gesamte Gesellschaft mitnehmen müssen.
Zum sozialen Ausgleich gehören auch eine faire Altersvorsorge, ein gerechter Zugang zum Gesundheitssystem. Und ein intelligenter Umgang mit unserer kulturellen Vielfalt. Bei der Stärkung des Innovationsstandorts Schweiz kommt also auch der Sozial-, Gesundheits- und Kulturpolitik eine zentrale Funktion zu.
In der Gesundheitspolitik geht es vor allem darum, die hohe Qualität und den Zugang für alle zu erhalten. Dass unnötige Kosten vermieden werden müssen, versteht sich von selbst. Effizienz- und gleichzeitig Qualitätssteigerung sind möglich. Dieses doppelte Ziel ist eine der Prioritäten des Bundesrates im Rahmen der Strategie „Gesundheit2020“.
Auch soziale Sicherheit ist unabdingbar für die Zukunft des Standorts Schweiz. Unsere Altersvorsorge muss den demographischen Realitäten angepasst werden. Hierbei sind auch die Unternehmen gefragt. Sie müssen tatsächlich – und nicht nur rhetorisch – den Wert älterer Arbeitnehmender erkennen. Und entsprechend handeln. Eine Erhöhung des Rentenalters zu fordern, aber gleichzeitig dem Jugendkult zu frönen und ältere Arbeitnehmende zu marginalisieren – diese Haltung führt zu Abwehr bei den Menschen und damit in einer direkten Demokratie zum Reformstillstand.
Auch unsere Kultur trägt direkt zu Wohlstand und Innovation bei. Eine neue Studie zeigt, dass der kreative Prozess bei einem Künstler oder einem Unternehmer sehr ähnlich verläuft. Indem wir unsere kulturelle Vielfalt stärken oder die Vielsprachigkeit pflegen, schaffen wir die Grundlagen, damit wir uns gut an die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Gegebenheiten anpassen können.
Gerade in Basel – mit seinem grossen kulturellen Angebot – weiss man, wie wichtig die Kultur ist. Hier gehen unternehmerische Innovationen und kulturelle Kreativität Hand in Hand. Die privaten Sammler – aber auch stark die Wirtschaftsspitzen – engagieren sich namhaft in der Kunstförderung. Zum Wohl der gesamten Gesellschaft, die so ein breiteres kulturelles Angebot erhält, als es der Staat allein finanzieren kann.
Die Muba erinnert uns auch daran, dass Innovationen fruchtbar sind und zu weiteren Innovationen führen. Dass sie sich sozusagen fortpflanzen.
Das gilt auch für die Mustermesse selber. Die Muba wird ja nicht umsonst als „Mutter aller Messen“ bezeichnet. In der Tat: Die Mutter war fruchtbar. Ihr verdanken etliche Fachmessen ihre Existenz:
- Als erste Fachmesse wagte die „Holz“ – die Messe für holzverarbeitende Industrie – in den Fünfzigerjahren die Autonomie.
- Später folgten die Baumesse „Swissbau“, die Uhren- und Schmuckmesse „BASELWORLD“ und zuletzt die Gartenmesse „Giardina“.
Gastländer an der Muba sind in diesem Jahr Indonesien und Ungarn. Ein spannender Kontrast, der zum breiten Sortiment der Muba bestens passt.
Ungarn bietet viel mehr als Budapest. Und Indonesien ist eines der vielfältigsten Länder der Welt: 228 Millionen Menschen, 360 Volksgruppen, die auf 17‘000 Inseln wohnen.
Und ich dachte, die Schweiz mit ihren 4 Sprachen und 26 Kantonen sei kompliziert…
Indonesien hat wirtschaftlich ein gewaltiges Potential. Das Land verfügt über viele gut ausgebildete Arbeitskräfte und entwickelt sich ausgesprochen dynamisch. Über 70 Schweizer Firmen sind bereits vor Ort.
Die beiden aufstrebenden Gastländer erinnern uns daran, dass die Realitäten sich global verändern. Und zwar schnell.
Das erinnert uns daran, dass auch die an der Muba vertretenen Firmen stetem Wandel unterworfen sind. Dass sie immer wieder Neues erfinden müssen. Mehr noch: Dass sie sich selber immer wieder neu erfinden müssen.
Kurz: Dass es keinen Stillstand gibt.
Stillstand – das ist eine Erfindung von Nostalgikern. Eine Erfindung, die im Alltag nicht brauchbar ist. Also keine echte Innovation…
Der einzige „Stand“, den man an der Muba nie sehen wird, ist der Still-„Stand“.
Vielen Dank.
Source : Conseil fédéral, admin.ch · Document original (PDF)