Berne

Allocution prononcée par le Conseiller fédéral Alain Berset à l’occasion de la Journée suisse des vacances 2013 – Seules les paroles prononcées font foi.

Feu sacré et vacances – voilà une combinaison pour le moins insolite…

Car le feu sacré, c’est plutôt ce qui a permis aux Suisses de voter contre davantage de vacances il y a environ deux ans…

On pourrait aussi imaginer qu’en Suisse, on s’intéresse moins à ses propres vacances qu’à celles des autres.

Et s’agissant de notre feu sacré pour les vacances des autres, voici une anecdote :

  • En 1868, la Reine Victoria se rendit sur le Rigi en chaise à porteurs. Et comme elle n’était pas très légère, c’est dire s’il en fallut du feu sacré auxdits porteurs….

Mais le feu sacré des Suisses touche bien d’autres aspects du tourisme :

  • La Suisse est le berceau de l’hôtellerie internationale. Nombre de Suisses dirigent de très grands hôtels aux quatre coins du monde. Et la réputation de nos écoles hôtelières n’est plus à faire.
  • Au fil de son histoire, le tourisme suisse n’a cessé de prouver sa capacité à innover. C’est grâce à elle et à son optimisme que la branche va réussir à traverser la mauvaise passe actuelle, j’en suis convaincu. Et va même saisir cette occasion pour s’améliorer encore et trouver de nouvelles idées.

Regardez Johann Badrutt, l’un des pionniers du tourisme suisse. Il vanta tellement bien le soleil et la neige de l’Engadine en hiver aux Londoniens accablés par le brouillard qu’ils finirent par le croire et se rendirent dans les Grisons. Et y revinrent ensuite tous les ans. La saison d’hiver était née !

Je vous l’accorde : inventer une nouvelle saison risque d’être pour le moins difficile, leur nombre est désormais connu et relativement restreint…

Il ne faut pas oublier que Johann Badrutt inventa des activités originales pour occuper tout ce beau monde d’outre-Manche et d’ailleurs dans les Grisons. La course au sac ou encore l’ Eierblasen, un sport d’équipe qui consiste à faire glisser le plus vite possible un œuf sur la glace en soufflant dessus, ces activités sont ainsi sorties de son imagination. Johann Badrutt introduisit également le curling et construisit à St-Moritz les premiers skeletons ainsi qu’un couloir de glace.

Dans les hôtels aussi, l’excellence est de mise. L’historien spécialisé en tourisme Theo Wyler décrit ainsi l’offre d’un hôtel de luxe du XIXe siècle : « Bibliothèque trilingue, salle de lecture, salle de conversation, salle de billard, salle d’escrime, fumoir, salon des dames, salle de musique, orchestre avec trois concerts quotidiens, théâtre de marionnettes pour les enfants, courts de tennis sur gazon, croquet, casino, cures à base de raisin et de petit-lait, éclairage extérieur avec des feux de Bengale. »

Bengalische Beleuchtung der Landschaft – diese kulturelle Praktik gibt es heute leider nicht mehr. Sonst hätte sie es womöglich auf die „Liste der lebendigen Traditionen“ des Bundesamtes für Kultur geschafft, die ja auch „Schweiz Tourismus“ als Fundus genutzt wird. Immerhin: die Rheinfallbeleuchtung aus Schaffhausen ist in die Liste aufgenommen worden.

Touristisches Potenzial haben aber auch viele andere „lebendige Traditionen in der Schweiz“.

  • Und zwar längst nicht nur die Klassiker wie Jassen oder Fondue.
  • Unzählige Touristen sind begeistert über die Basler Fasnacht, die Fête des Vignerons, die voyages Belle Epoque dans la région du Léman, das Hornussen oder das Schwingen.
  • Nur die Appenzeller Witze dürften international etwas schwieriger zu vermarkten sein…
  • Und andere „lebendige Traditionen“ sind zwar touristisch erfolgversprechend, aber leider nicht ganz einfach auszusprechen, für Chinesen ebenso wie für Fribourger: zum Beispiel Tschäggättä, Chrööpflimee oder Pschuuri.

Die „Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz“ soll das Interesse für die Vielfalt überlieferter Kultur stärken. Denn diese – nicht nur behauptete, sondern auch wirklich gelebte – Vielfalt ist eine der wichtigsten Attraktionen der Schweiz. Und entsprechend von grossem Wert auch für den Tourismus.

Neben der kulturell geprägten Tourismus-Schweiz gab und gibt es natürlich die Schweiz der Ruhe, der Naturerlebnisse, der Kontemplation. Auch diese löste immer schon Begeisterung aus, ebenso wie die Schweiz der Unterhaltung à la Badrutt.

Die heutigen Badrutts sind jedenfalls mindestens so erfinderisch wie der grosse Johann: Hängebrücken, Rodelbahnen, Aussichtsplattformen im Fels, Rennstrecken für Trottinetts.

Aber Unterhaltung hat ebenso ihren Platz im Tourismus-Angebot wie Ruhe, Besinnung und Beschaulichkeit.

Auch hier greift die plumpe Gegenüberstellung von echter Natur und touristischer Kultur zu kurz.

Schon in der absoluten Blütezeit des Schweizer Tourismus im späten 19. Jahrhundert gab es dieselbe produktive Spannung zwischen der kontemplativen und der aktiven Schweiz.

Für beides – Rambazama wie auch Ruhe – gibt es einen Markt.

Problematisch wäre es allenfalls, wenn das eine das andere verdrängen würde oder ein unbekömmlicher Mix zum Regelfall würde.

Als Gesundheits- und Sozialminister, der sich sozusagen berufshalber mit demographischen Szenarien beschäftigt, könnte ich mir allenfalls vorstellen, dass der Ruhe-Markt künftig etwas schneller wachsen wird als der Unterhaltungs-Markt.

Bei der touristischen Vermittlung lebendiger Traditionen ist Sensibilität gefordert.

Es gilt, gleichzeitig enthusiastisch und selbstkritisch zu sein.

  • Diese Traditionen dürfen nicht zu Markte getragen werden – aber sie sollen doch bekannt werden.
  • Werden sie überverkauft – also aus ihrer regionalen, authentischen Verankerung gerissen – verkommen sie zur plumpen Folklore.
  • Und Authentizität ist bekanntlich heute – im Zeitalter der Globalisierung und der kulturellen Homogenisierung – das höchste aller touristischen Gefühle.

Kurz: Man sollte sich vor einer Überdehnung des Konzepts „Authentizität“ hüten; aber diese trotzdem zugänglich und damit erlebbar machen.

Das ist eine Frage des Masses, des Fingerspitzengefühls – wie so vieles in der Schweiz. Deshalb bin ich auch überzeugt, dass die Verantwortlichen im Tourismus diese wichtige Balance finden werden.

Denn die Zeiten der „Glokalisierung“ sind vorbei – als die Globalisierung und ihre Gegenbewegung, die Betonung des Lokalen, in einer einfachen Dialektik verbunden waren. Heute spüren die Menschen, dass das Globale authentisch sein kann und das Lokale artifiziell. Gerade deshalb ist die Zeit für das echte Echte gekommen, wenn Sie mir diesen Begriff erlauben.

Über das Echte, die Realität, liesse sich natürlich bestens philosophieren. Aber das überlasse ich Berufeneren und begnüge mich mit einem Zitat von Albert Einstein: „Die Realität ist eine Illusion, allerdings eine sehr hartnäckige.“

Mein Kriterium ist denkbar einfach, wenn es darum geht zu unterscheiden, ob etwas echt ist oder nicht: Das Authentische findet auch statt, wenn keine Touristen hinsehen.

Heute stellen wir beruhigt fest: Sie ist immer noch da, die echte Schweiz!

Deshalb gilt es für alle Akteure, genau zu prüfen, was sich echt anfühlt und wo die Grenze zum Kitsch überschritten ist.

Oder, um es schweizerisch authentisch zu sagen: „Keep it real!“

Source : Conseil fédéral, admin.ch · Document original (PDF)

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