Bâle
Manuscrit, non publié à l’époque. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.
Discours prononcé en français, en italien et en allemand. Texte original, non traduit.
Madame la présidente de la Commission fédérale de l’art
Mesdames et Messieurs les lauréats
Mesdames, Messieurs
Chers artistes
Cette année, l’Office fédéral de la culture accueille pour la première fois le design suisse aux côtés des lauréats des Prix fédéraux d’art et des artistes exposés aux Swiss Art Awards.
Je me réjouis de la synergie entre ces deux disciplines, qui permet de marquer une présence encore renforcée de la scène culturelle suisse au sein de la plus prestigieuse Foire d’art du monde. Toutes les forces de la Confédération sont ici réunies puisque Pro Helvetia est aussi associée à cet événement avec les Cahiers d’artistes.
La Commission fédérale d’art a été créée en 1890. A cette date, elle comptait dans ses rangs Arnold Böcklin et Albert Anker… excusez du peu !
A l’époque, l’agitation régnait au sein de la Commission. Je ne sais pas si c’est lors de l’une de ces séances que Böcklin a lancé sa célèbre formule : « Ne rien savoir faire, ne constitue pas encore un nouveau courant ! ».
Im Deutschen tönt es noch ein wenig härter : « Nichts können ist noch lange keine neue Richtung ! » Das hätte wohl schon fast eine Verbannung auf die „Toteninsel“ bedeutet…
Mais quoi qu’il en soit, en tant que forum d’intensives discussions, la Commission fédérale d’art demeure jusqu’à aujourd’hui indispensable.
Alors que l’art suisse se développe à l’étranger et son succès profite d’une dynamique ascendante et expansive, notre scène artistique se renforce et se densifie au niveau national.
On voit émerger une nouvelle génération d’artistes et de curateurs pour qui la polarisation entre Suisse romande et Suisse alémanique ne signifie plus rien. Bâle, Zurich, Genève ou Lausanne sont devenus des hubs, des stations de mise en réseau exploitées pour se rencontrer, travailler ensemble et partager les projets.
Signore e Signori
Oggi l’arte esce da una logica di ghetto linguistico e culturale. E diventa sempre più fonte di scambi e – grazie a questi scambi – fonte di coesione nazionale.
Gli artisti e i curatori hanno moltiplicato i punti di contatto e creato una nuova dinamica nazionale. Mobile e libera. O, detto in altre parole: innovativa ed entusiasmante. Numerosi sono questa sera i premiati che rappresentano questa nuova tappa della creazione artistica nazionale.
Nella scia dei blockbuster – nascosto, ma sfruttando con intelligenza la situazione in proprio favore – è fiorito un movimento che contrappone una contro-logica originale e genuina alla logica del mercato globale.
Meine Damen und Herren
Es ist ebenso erfreulich wie bemerkenswert, dass die Künstlerinnen und Künstler der verschiedenen Landesteile näher zueinander rücken – und dies jetzt, wo ihnen theoretisch die ganze Welt offen stünde als Wirkungsstätte.
Die „freie Sicht aufs Mittelmeer“ wäre heute jederzeit möglich – und die Künstler entdecken den Reiz der Schweizer Binnengewässer.
Gerade als wir uns daran zu gewöhnen begannen, dass sich das Marketing-Etikett „Swissness“ und unsere reale nationale Identität immer weiter voneinander entfernten, nun das: die Schweizer Kunst wird globaler – und schweizerischer!
Und das ohne Zwang. Ohne die Willensnation zu bemühen – was ja immer etwas schweisstreibend wirkt. Sondern, indem man sich einfach füreinander interessiert. Für eine ähnliche, aber nicht identische Perspektive auf die Welt. Das ist die Kreativität der kleinen Differenzen.
Die Öffnung und die schwindelerregende Vielfalt. Der Terror der Optionen: Sie lassen uns das Nahe wieder geheimnisvoller erscheinen. Das Eigene ist das Fremdeste. Denn den Kampf gegen die Klischees kann man nur im Bekannten gewinnen.
Ich glaube, hier nimmt die Kunstszene etwas vorweg, was unsere Gesellschaft insgesamt prägen wird: Eine Besinnung auf uns selber – gerade in Zeiten der Zentrifugalkräfte.
Die Identität der Schweizer Kunst wird gestärkt, indem sie sich öffnet.
Und dies heute. Wo die Informationsflut eine Welt erschafft. Uns mit Milliarden von Fremden virtuell zusammenbringt. So dass man versucht ist zu rufen: Plötzlich diese Unübersichtlichkeit!
Gerade heute also setzt die Verfremdung des Eigenen ein. Unsere Selbst-Entdeckung.
Die Schweizer Kunstszene zeigt uns damit, dass die Globalisierung ein dialektischer Prozess ist. Indem sie das tut, ist sie politisch – unbesehen von den Thematiken, mit denen sie sich beschäftigt.
Bemerkenswert ist auch, dass – sozusagen nebenbei – einer der Kernmythen der Schweizer Kunst auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgt wurde. Vielleicht gar – so sahen es viele lange – einer der raisons d’être der Schweizer Kunst:
Der Mythos nämlich, dass Schweizer Künstler nur im Ausland gross werden können;
dass nur das Ausland sie als Künstler zu erkennen überhaupt imstande ist;
das programmatische Leiden an der Kleinheit des Landes. Und an der Enge der Schweizer Verhältnisse.
der Aufbruch. Der Ausbruch. Das Überwinden der eigenen Herkunft – das war schon fast eine Identitätsmaschine für die Schweizer Kunst.
All das scheint plötzlich überflüssig geworden. Zum kulturellen Anachronismus.
Vorbei, die teils nachvollziehbare, teils selbststilisierende Sehnsucht nach der grossen weiten Welt. Und der Kontrast zur engen Heimat.
Die „grosse weite Welt“ ist kein Ort. Sondern ein Zustand, der sich von Längen- und Breitengraden gelöst hat.
Damit komme ich zum Schluss.
Ich gratuliere allen Preisträgerinnen und Preisträgern herzlich – aber auch allen, die in den glokalen Hubs oder Kunst-Clusters wirken.
Danke.