Bâle

Manuscrit, non publié à l’époque. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.

Discours prononcé en allemand et en français. Texte original, non traduit.

Sehr geehrter Herr Regierungsrat
Sehr geehrte Frau Ständerätin
Sehr geehrte Damen und Herren

Die beste Methode, auf eine gute Idee zu kommen, besteht darin, möglichst viele Ideen zu haben. Der das sagte, wusste, wovon er sprach. Es war Linus Pauling – amerikanischer Chemie- und Friedensnobelpreisträger.

In diesem Sinne sind Foren – wie Gesundheitswirtschaft Basel – eine grosse Chance. In einer Welt der wirtschaftlichen Cluster müssen Politik, Unternehmen, Zivilgesellschaft in dauerndem Austausch stehen.

Die Schweiz hat dafür die ideale Grösse. Eine Grösse, die es uns erlaubt, von Angesicht zu Angesicht miteinander zu sprechen. Also miteinander – statt übereinander.

(wobei das „miteinander“ das „übereinander“ nicht ausschliesst… das ist in Basel wahrscheinlich auch nicht anders als in Bundesbern.)

Gewiss, wir leben im Zeitalter des Internet. Wir könnten rein theoretisch nur noch virtuell miteinander kommunizieren. Doch wir haben immer noch die besten Ideen, wenn wir miteinander ins Gespräch kommen.

Basel ist natürlich ganz besonders prädestiniert als Ort für diesen Dialog. Hier hat die Life Science-Industrie seit langem so grosse Bedeutung. Dazu kommen Universität und Universitätsspital.

Und die Lage im Dreiländereck führt zu einer weltoffenen Grundhaltung. Auch das ist natürlich einer Diskussion zuträglich. Deshalb begrüsse ich ausdrücklich auch die Gesundheitsfachleute aus Deutschland und Frankreich in der Champions-League-Stadt der Schweiz.

Meine Damen und Herren

Bekanntlich ist die Schweiz ja – zumindest ausserhalb des Joggeli – kein Hort von überschäumendem Optimismus und Dauer-Euphorie.

Wir sind eher ein ernsthaftes Volk, heisst es. Wenn auch nicht so ernsthaft, wie es der alte Wiener Witz suggeriert: „Was ist der Unterschied zwischen der Schweiz und dem Wiener Zentralfriedhof?“ Antwort: „Auf dem Wiener Zentralfriedhof ist es lustiger.“

Das ist natürlich falsch… Aber trotzdem kommt es mir manchmal etwas seltsam vor, dass wir die erfreulichste Tatsache, die man sich vorstellen kann, vor allem als Problem diskutieren. Nämlich, dass unsere Lebenserwartung steigt und steigt. Sie hat sich in den letzten hundert Jahren praktisch verdoppelt.

Und wie reagieren wir darauf? Mit Kulturpessimismus.

Der demographische Wandel wird fast immer als Apokalypse in Zeitlupe beschrieben.

Nicht finanzierbar!

Angriff auf die Generationengerechtigkeit!

Es kommt eine Gesellschaft der Besitzstandwahrer!

Und natürlich kursiert auch das Vorurteil, dass nur junge Gesellschaften innovativ sein können.

Der Altersforscher Francois Höpflinger hat in diesem Zusammenhang eine interessante Beobachtung gemacht:

Nicht nur die Alterung der Gesellschaft lässt uns erschauern, sondern natürlich auch das Gegenteil: Ein sinkendes Durchschnittsalter, wie es zum Beispiel Russland seit einiger Zeit kennt.

Das gleiche bei der Migration: Einwanderung wird beklagt, aber auch Auswanderung.

Höpflinger kommt zum Schluss: „Was auch immer demographisch geschieht, scheint zum gesellschaftlichen Niedergang zu führen.“

Meine Damen und Herren

Für Defaitismus gibt es keinen Grund. Unser Ziel muss es vielmehr sein, den demographischen Wandel zu begleiten. Und trotzdem den Aufbruchsgeist zu fördern, der nötig ist für die Innovationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts.

Denn sonst übersehen wir alle die positiven Mit-Aspekte eines steigenden Durchschnittsalters:

Unsere Life Science-Industrien profitieren zweifellos. Grosse Chancen eröffnen sich insbesondere in der Biotechnologie und der Medizinal-Technik.

Der Präsident der amerikanischen Notenbank, Ben Bernanke – der ja als Notenbanker eigentlich Berufs-Skeptiker sein müsste – hat kürzlich gesagt: Nie seien die Anreize für erfolgreiche Innovationen so stark gewesen wie heute. Grund: Die Anzahl Menschen wächst. Sie sind gebildeter als je zuvor. Dazu kommen die Chancen der IT-Revolution – auch auf facebook steigt das Durchschnittsalter…. Keine Rede davon, dass die Alterung in den reichen Gesellschaften der Innovation abträglich sein könnte.

Unser Ziel muss es sein, dass möglichst viele Menschen, möglichst lange ihr Leben nach ihren Wünschen gestalten können. Aber eben auch: Damit sie möglichst lange kreativ und innovativ sein können.

Hierzu will der Bundesrat mit seiner Gesundheits- und Sozialpolitik einen wesentlichen Beitrag leisten.

Bestimmt, aber ohne übertriebenen Eifer. Denn man sollte das Leben in erster Linie einfach geniessen. Oder, wie Woody Allen einst sagte: „Wir können 100 Jahre alt werden – falls wir alles aufgeben, für das es sich überhaupt lohnt, 100 Jahre alt zu werden.“

Im Ernst: Eine hohe Lebensqualität bedeutet im Alter vor allem, möglichst gesund und frei von Existenzängsten zu leben.

Das tönt einfach, ist aber eine der grössten Herausforderungen.

Sie alle wissen es: das Durchschnittsalter steigt. Und mit ihm die Zahl alter Menschen und chronischer Erkrankungen.

Die Zahl demenzkranker Menschen etwa dürfte von heute gut 100‘000 bis 2060 auf etwa 300‘000 zunehmen. Das sind mehr Personen, als die Städte Basel und Bern Einwohnerinnen und Einwohner haben.

Unser jetziges Gesundheitssystem ist vor allem auf die Akutversorgung ausgerichtet. Um die Menschen mit chronischen Krankheiten optimal betreuen zu können, braucht es aber andere Strukturen. Und das optimale Zusammenspiel vieler Akteure.

Der Bundesrat hat den Reformbedarf erkannt und mit der Gesamtstrategie „Gesundheit2020“ seine gesundheitspolitischen Prioritäten definiert. Er möchte unser Gesundheitssystem mit 36 Massnahmen in allen Bereichen noch mehr auf das Wohlbefinden der Menschen in unserem Land und ihre Bedürfnisse ausrichten.

Dazu gehört prioritär mehr und gut qualifiziertes Gesundheitspersonal:

Die Anzahl der universitären und nicht-universitären Aus- und Weiterbildungsplätze muss dem Bedarf entsprechen. Und die Lerninhalte sollen den Anforderungen einer integrierten Versorgung angepasst werden.

Die medizinische Grundversorgung – namentlich die Hausarztmedizin – und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Gesundheitsberufen sollen durch ein Massnahmen-Bündel gestärkt werden.

Und es braucht ein Gesundheitsberufegesetz. Damit Qualität und Kompetenzen der Ausgebildeten in den neu auf Fachhochschulstufe entstandenen Gesundheitsberufen gewährleistet sind.

Mesdames et Messieurs,

Je viens de vous énumérer les priorités du projet « Santé 2020 » qui ont été formulées pour répondre aux défis du futur. La politique de la santé est en effet un des thèmes décisifs pour l’avenir de notre pays.

Et ce n’est qu’ensemble, avec tous les partenaires concernés, que nous pourrons trouver un consensus pour déterminer les réformes que nous devons mettre en œuvre en priorité. A condition que chacun assume ses responsabilités et veille au bien commun.

Ce dialogue auquel je fais référence doit nous permettre de trouver des idées novatrices. Il a déjà apporté des résultats comme le compromis que la Confédération et la branche pharmaceutique ont trouvé récemment. Les sociétés de la pharma ont fait des concessions pour les ajustements de prix des médicaments et en contrepartie, la Confédération accélère de manière notable les procédures d’autorisation. Cet échange de bons procédés fait baisser les coûts et encourage l’innovation.

Et tous les intéressés en bénéficient :

les assurés, d’abord, parce que cela a un impact favorable sur leurs primes de caisse-maladie,

et puis les patients parce qu’ils peuvent obtenir plus rapidement des médicaments nouveaux et plus efficaces.

Un tel résultat n’est possible que lorsque les discussions entre partenaires se déroulent sous le signe du respect mutuel.

Et je suis optimiste quant à notre collaboration future. En effet, ce n’est qu’ensemble que nous pourrons atteindre les objectifs ambitieux que nous nous sommes fixés dans le cadre de « Santé2020 ».

J’ai évoqué plusieurs fois devant vous l’évolution démographique qui nous oblige à innover dans le domaine social et dans celui de la santé.

Avant de terminer, j’aimerais vous proposer un changement de terminologie. Pourquoi toujours parler du vieillissement de la population et des problèmes qu’il suscite avec une pondération négative ? Les Américains nous apprennent à positiver en parlant d’accroissement de la longévité, les « longevity gains », ce qui a une connotation plus dynamique.

Vous l’aurez remarqué, ma prononciation n’est pas encore optimale. Mais j’ai encore largement le temps d’y travailler. Et ce grâce à ce gain de longévité justement !

Merci de votre attention.

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