Bad Zurzach
Manuscrit, non publié à l’époque. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.
Discours prononcé en allemand. Texte original, non traduit.
Sehr geehrte Frau Ständerätin
Sehr geehrte Frau Nationalrätin
Sehr geehrter Herr Regierungsrat
Sehr geehrte Grossrätinnen und Grossräte
Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der RehaClinic
Sehr geehrte Damen und Herren
Herzlichen Dank für Ihre Einladung.
Als Gesundheitsminister treffe ich mich regelmässig mit den wichtigen Vertreterinnen und Vertretern aller Institutionen und Verbände, die sich in diesem Land um die Gesundheit der Menschen kümmern.
Doch das, was ich gestern erlebt habe, war neu für mich: Ich traf sie alle auf einmal.
Wir hatten sie zu unserer ersten nationalen Konferenz « Gesundheit 2020 » nach Bern eingeladen. Mehr als 350 Akteurinnen und Akteure aus dem Gesundheitsbereich diskutierten miteinander, wie wir unser – auch international anerkannt hohes – Niveau in der Gesundheitsversorgung erhalten können. Und für die Zukunft ausrichten müssen.
Damit es auch für Personen mit kleinen und mittleren Einkommen bezahlbar bleibt. Die steigenden Gesundheitskosten sind schon heute für viele Menschen eine grosse finanzielle Belastung. Unser Ziel muss es deshalb sein, dass auch in Zukunft alle Zugang haben zu den Leistungen.
Der Bundesrat hat seine gesundheitspolitischen Prioritäten bereits im Januar festgelegt. Mit der Strategie „Gesundheit 2020“.
Wir brauchen eine Gesamtschau. Aber wir brauchen keine Revolution im Gesundheitssystem. Ziel sind pragmatische,
schrittweise Anpassungen, die auf einander abgestimmt sind.
Ein Teil der Massnahmen von „Gesundheit 2020“ ist bereits in der Umsetzung. Andere sind in Vorbereitung, wieder andere müssen wir noch konkretisieren.
So wollen wir Schritt für Schritt das Gesundheitswesen der Zukunft gestalten. Immer im Bewusstsein, dass wir grosse Herausforderungen zu bewältigen haben.
Lassen Sie mich einen Einschub machen: Zu den grossen Herausforderungen gehört leider auch eine wachsende Bedrohung durch übertragbare Krankheiten und Epidemien.
Sie wissen es: am 22. September stimmen wir über das neue Epidemiengesetz ab. Das geltende Gesetz ist mehr als vierzig Jahre alt. Seither hat sich die Welt verändert. Wir sind viel mobiler als früher, reisen mehr und sind mit neuen, gefährlichen Krankheiten konfrontiert – wie zum Beispiel der schweren Lungenkrankheit SARS.
Damit wir uns möglichst gut auf Krisensituationen vorbereiten und sie effektiv bewältigen können, haben wir das Gesetz überarbeitet und verbessert – auf ausdrücklichen Wunsch der Kantone. Das neue Epidemiengesetz regelt die Aufgaben und Kompetenzen von Bund und Kantonen viel klarer als das alte und garantiert, dass wir effizient zusammenarbeiten.
Mit dem neuen Gesetz können wir gleichzeitig zwei weitere Probleme anpacken, welche die öffentliche Gesundheit in unserem Land bedrohen: Das eine sind Spitalinfektionen, das andere zunehmende Antibiotika-Resistenzen. Bei beiden Problemen besteht dringender Handlungsbedarf.
Ich danke Ihnen, wenn Sie dem neuen Epidemiegesetz zustimmen. Es gibt uns die Möglichkeit, die Schweizer Bevölkerung noch besser vor ansteckenden Krankheiten und Epidemien zu schützen.
Meine Damen und Herren
Sie alle wissen es: das Durchschnittsalter steigt. Und damit auch die Zahl älterer Menschen mit chronischen Krankheiten. Unser jetziges Gesundheitssystem ist aber vor allem auf die Akutversorgung ausgerichtet. Um die Menschen mit chronischen Krankheiten optimal betreuen zu können, braucht es andere Strukturen und das optimale Zusammenspiel vieler Akteure.
Mein Besuch heute bei Ihnen könnte nicht besser passen:
Gestern zerbrachen wir uns, gut geschützt vor der Realität, stundenlang den Kopf über strategische Fragen und arbeiteten konzeptionell an der Zukunft.
Heute besuche ich einen Ort, wo es mitten in der Realität darum geht, mit kranken oder verunfallten Menschen den Weg zurück in ihren Alltag zu finden. Hier wird die Gesundheitsversorgung gelebt. Heute und auch morgen. In der RehaClinic wird den Menschen in einer besonders schwierigen Lebenssituation geholfen, auf dem Weg zurück in den Alltag. Das ist eine medizinisch und psychologisch höchst anspruchsvolle Arbeit. Denn wer durch einen Unfall oder eine schwere Krankheit aus dem gewohnten Leben gerissen wird, der ist zutiefst erschüttert und entsprechend verletzlich. Um den Prozess der Genesung zu begleiten, bedarf es grosser Anstrengungen und Kenntnisse.
Die RehaClinic kann heuer auf zehn erfolgreiche Jahre zurückblicken. Zu diesem Jubiläum gratuliere ich Ihnen herzlich!
Was wir zusammen mit den anderen gesundheitspolitischen Akteuren entscheiden, bekommen Sie hier zu spüren.
Ich bin froh, dass ich hier und heute einmal mehr sehe, welche Verantwortung mit politischen Entscheidungen verbunden ist.
Viele solche stehen im Gesundheitsbereich an. Wir haben sie in der Strategie „Gesundheit 2020“ zusammengefasst. Diese Gesamtschau umfasst vier Ziele:
Die Lebensqualität der Schweizer Bevölkerung sichern
Die Chancengleichheit und die Selbstverantwortung stärken
Die Versorgungsqualität sichern und erhöhen
Und Transparenz im Gesundheitswesen schaffen
Mit anderen Worten: Unser Gesundheitssystem soll noch mehr auf das Wohlbefinden der Menschen in unserem Land und ihre Bedürfnisse ausgerichtet werden.
Doch was heisst das konkret? Stichwort Lebensqualität:
Die Lebensqualität hat viel mit der gesundheitlichen Verfassung zu tun. Wer gesund ist, hat ein gutes Leben. Das heisst aber nicht, dass Menschen mit einer unheilbaren oder chronischen Krankheit kein gutes Leben mehr haben können. Unsere Aufgabe ist es, ihnen ein Maximum an Lebensqualität zu ermöglichen. Mit „Gesundheit 2020“ wollen wir die integrierte Versorgung von der Früherkennung bis zur Palliative Care verbessern – damit Patienten mit häufigen Krankheiten wie zum Beispiel Krebs oder Demenz optimal behandelt werden. Dafür brauchen wir etwa bei der Langzeitpflege mehr Angebote. Und vor allem genügend und richtig ausgebildetes Pflegepersonal.
Weil vorbeugen ja bekanntlich besser ist als heilen, intensivieren wir parallel dazu die Gesundheitsförderung und Krankheitsvorbeugung. Wer sich ausgewogen ernährt, genügend bewegt und nicht zu viel trinkt kann Krankheiten verhindern oder zumindest mildern.
Stichwort Chancengleichheit und Selbstverantwortung:
Auch in Zukunft sollen alle Bevölkerungsgruppen die gleichen Chancen auf ein gesundes Leben und auf eine hohe Lebensqualität haben. Das funktioniert nur, wenn wir den Anstieg der Gesundheitskosten dämpfen und sicher stellen können, dass die Solidarität in der Krankenversicherung weiterhin spielt – etwa zwischen gesunden und kranken, aber auch zwischen reichen und armen Menschen. Diese Solidarität möchten wir sogar noch verstärken, und gleichzeitig die unerwünschte Risikoselektion beseitigen – also die Jagd der Krankenversicherer auf junge, gesunde Personen. Bei den Medikamentenpreisen hat der Bundesrat bereits gehandelt: Dank Preissenkungen werden bis 2015 insgesamt rund 720 Millionen Franken eingespart.
Stichwort Versorgungsqualität:
Diese wollen wir sichern und weiter erhöhen. Für jeden von uns ist es wichtig zu wissen, dass er nach einem Unfall oder bei einer schweren Krankheit überall schnell und in hoher Qualität behandelt wird. Dies wirkt sich auch positiv auf die Entwicklung der Gesundheitskosten aus. Wer richtig behandelt wird, hat weniger Komplikationen und muss nicht mehr zum Arzt oder ins Spital.
Um dies zu erreichen, fördern wir zum Beispiel den Einsatz des elektronischen Patientendossiers, weil damit Fehler bei der Medikation verhindert werden können.
Schliesslich müssen wir dafür sorgen, dass genügend Gesundheitsfachleute mit der richtigen Ausbildung zur Verfügung stehen. Beispielsweise über die Anforderungen an die Ausbildungen an den Hochschulen.
Stichwort Transparenz:
Als viertes Ziel haben wir uns vorgenommen, mehr Transparenz zu schaffen im Gesundheitswesen. So muss das Bundesamt für Gesundheit heute beispielsweise 287 000 verschiedene Krankenkassenprämien beurteilen und bewilligen. Dieses System wollen wir spürbar vereinfachen. Denn bei dieser Masse an Angeboten ist es für die Bürgerinnen und Bürger schwierig, sich überhaupt zurecht zu finden. Je einfacher dieses System wird, desto transparenter wird es.
Sie sehen: Die Reformen im Rahmen von „Gesundheit 2020“ sind ambitiös. Und brauchen Zeit. Aber hier in Zurzach muss man ja nicht näher erklären, dass gute Dinge manchmal ein wenig länger dauern. Sie wissen ja, was Anfang des 20. Jahrhunderts mit der ersten Thermalquelle geschah, die man hier in Zurzach bei Salzbohrungen entdeckte: Man betonierte sie wieder zu. Erst 1955 wurde die Quelle wieder angebohrt…
Meine Damen und Herren
Liebe Mitarbeitende der RehaClinic Zurzach
Sie alle können uns helfen, unser Gesundheitssystem an die Realitäten des 21. Jahrhunderts anzupassen. Durch geduldige Mitarbeit. Und natürlich durch Ihr tägliches Engagement!
Vielen Dank.