Zurich
Allocution du Conseiller fédéral Alain Berset à l’occasion du Zurich Film Festival – Seules les paroles prononcées font foi.
Discours prononcé en allemand. Texte original, non traduit.
Ich freue mich, Ihnen die Filmförderung des Bundes erklären zu können…
Nein, keine Angst – ich wollte nur testen, ob Sie zuhören. Tatsächlich sehe ich einige schreckverzerrte Gesichter. Sie blicken drein wie Indiana Jones in der Schlangengrube.
Übrigens bin ich 1984 gescheitert, als ich mir den zweiten Indiana Jones Film im Kino anschauen wollte – und zwar an der Altersbeschränkung. Das Ticket konnte ich zwar kaufen, aber der Platzanweiser liess mich nicht durch. Heute darf ich sogar auf einem ausgerollten Teppich ins Kino – wobei ich überrascht bin, dass es hier in Zürich kein roter Teppich ist, sondern ein grüner. Aber das liegt ja nahe beieinander…
Sie wissen: das Zurich Film Festival steht manchmal im Verdacht, in erster Linie ein Glamour-Event zu sein.
Das ist es natürlich auch – das soll und darf es auch sein.
Aber das Zurich Film Festival ist natürlich weit mehr: Es bietet ein Panorama des internationalen und insbesondere deutschsprachigen Filmschaffens.
Wer will, entdeckt hier jedes Jahr herausragende und berührende Filme aus aller Welt.
Der Fokus auf Nachwuchstalente bei Regie und Drehbuch sorgt dafür, dass hier stets ein frischer, innovativer Geist weht.
Es ist diese Offenheit, die das Zurich Film Festival auszeichnet. Eine Neugierde auf das Überschreiten der eigenen Grenzen – seien es Grenzen der Identität, der Herkunft, der Nationalität, des Milieus. Hier lernen wir fremde Welten und ungewohnte Lebensperspektiven kennen.
Das beweist eindrücklich auch das diesjährige Programm. Beim Durchblättern des Programmhefts ist mir ein Film in der Sparte „Internationaler Dokumentarfilm“ ins Auge gestochen:
In „Ley en familie“ lernen wir eine japanische Firma kennen namens „I Want to Cheer You Up Ltd.“. Bei dieser kann man Menschen mieten. Kein Witz! Etwa einen Ehemann, einen Freund oder auch gleich eine ganze Verwandtschaft. Die Mitarbeiter schlüpfen in jede gewünschte Rolle, damit der Kunde öffentlich ein ideales Leben präsentieren kann.
Bei uns kann man – zumindest bis jetzt – keine Familienmitglieder mieten. Übrigens auch keine Regierungsmitglieder.
Ja. Mit anderen Worten: Ich bin es wirklich selber! Allerdings würde das natürlich auch ein Bundesrats-Darsteller von sich behaupten….
Manchmal geht etwas vergessen: Zürich ist nicht nur eine Wirtschaftsmetropole, sondern natürlich ebenso eine international renommierte Kulturstadt.
Eine Stadt – wie der Publizist Urs René Allemann einst treffend geschrieben hat – die sich vor allem auszeichnet durch „ihre erstaunliche Begabung des Aufnehmens und Anverwandelns.“
Das ist genau jene Atmosphäre, die ein internationales Filmfestival braucht.
Wenn es ein Leitmotiv in der Geschichte Zürichs gibt, dann dieses: Der Stadt ist es immer wieder gelungen, den angeblichen Widerspruch zwischen Kunst und Kommerz zu überwinden.
„Kunst versus Kommerz“ – das ist allzu häufig einfach ein kulturkritischer Reflex.
Wie sagte doch Billy Wilder einmal zu seinem Kameramann: „Dreh ein paar Szenen verschwommen. Ich will den Kritikerpreis gewinnen.“
The spirit of this synthesis of art and commerce is perceptible at the Zurich Film Festival. Since it was established nine years ago – with one telephone, one desk, one vision and a „fistful of dollars“ – it has grown incredibly quickly to its current size.
The umlaut on Zurich has gone with the wind, such has been the speed of its growth.
This growth can only be described, to use the Zurich dialect, as „unique“.
I wish you all a fast-paced Festival but also plenty time to enjoy many interesting experiences – both on and before the big screen.
Source : Conseil fédéral, admin.ch · Document original (PDF)