Berne

Manuscrit, non publié à l’époque. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.

Discours prononcé en allemand et en français. Texte original, non traduit.

Sehr geehrte Nationalrätinnen und Nationalräte,
Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter aus der Verwaltung und Organisationen aus dem Bereich der Prävention und Bekämpfung von Gewalt,
Sehr geehrte Damen und Herren,

Geschlechtsspezifische Gewalt kennt keine Unbeteiligten. Unser aller Engagement ist gefordert.

Denn eine Gewalt tolerierende Gesellschaft kann keine gute Gesellschaft sein.

Eine Gewalt tolerierende Gesellschaft lässt die gesellschaftliche Ordnung erodieren.

Eine solche Gesellschaft bricht am Wochentag jene Versprechen, die sie sonntags feierlich verkündet.

„Ein Leben ohne Gewalt ist ein Menschenrecht, kein Privileg.“

Dieses Zitat aus einem Handbuch zur häuslichen Gewalt bringt es auf den Punkt:

Menschenrechte sind unveräusserlich. Sie gründen in der Würde des Menschen.

Einer Würde, für deren Schutz auch der Staat Verantwortung trägt.

Gewalt führt zu nicht messbarem individuellen Leid. Und sie führt auch zu enormen Kosten, welche die Gesellschaft als Ganze zu tragen hat. Allein die Kosten, die Gewalt in Paarbeziehungen verursachen, schätzt das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann auf 164 Millionen Franken pro Jahr.

Geschlechtsspezifische Gewalt hat viele Gesichter. Sie findet im öffentlichen wie im privaten Raum statt – auch in der Schweiz.

Letztes Jahr kam es hierzulande zu rund 16‘000 polizeilich bekannten Straftaten im Bereich der häuslichen Gewalt.

Frauen werden durchschnittlich drei Mal häufiger Opfer von Gewalt in Paarbeziehungen als Männer.

Männer werden generell häufiger Opfer von Gewalt als Frauen. 93 Prozent der Gewalt, die Männer erleben, widerfährt ihnen in der Öffentlichkeit und in der Freizeit – meistens durch andere Männer.

In der Schweiz ist man sich der Tragweite der Menschenrechtsverletzung durch geschlechtsspezifische Gewalt bewusst. Seit Jahrzehnten engagieren sich verschiedene Akteurinnen und Akteure dagegen.

Hier nur ein paar Meilensteine:

Es waren Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft, die seit den 1970er Jahren auf das Phänomen aufmerksam machten und konkrete Projekte lancierten.

Die Politik hat diese Anliegen später aufgenommen: Seit 1993 ist das Opferhilfe-Gesetz in Kraft.

Seit 2004 werden verschiedene Delikte im Bereich der häuslichen Gewalt als Offizialdelikte geahndet. Mit dieser Gesetzesänderung haben die Schweizerinnen und Schweizer ein klares Signal gegeben: Auch in den eigenen vier Wänden duldet unsere Gesellschaft keine Gewalt.

2007 wurde der Schutz vor Gewalt zivilrechtlich verankert. Dieses Jahr konnten durch gesetzliche Anpassungen im Bereich Zwangsheirat und weiblicher Genitalverstümmelung weitere Lücken in der Bekämpfung dieser Form von Gewalt geschlossen werden.

Wir sind auf dem Weg. Aber wir sind noch nicht am Ziel. Nach wie vor besteht Handlungsbedarf.

So muss zum Beispiel geklärt werden, ob die Schweiz über genügend Schutzplätze für Gewaltopfer verfügt.

Verschiedene Kantone sind aktuell daran, ein Bedrohungsmanagement aufzubauen. Das ist nötig, damit Hochrisikofälle im Bereich der häuslichen Gewalt frühzeitig erkannt und Opfer so wirksamer geschützt werden können.

Kinder, die Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt werden oder diese miterleben, müssen noch verstärkt geschützt werden. Dazu wird auch die Lanzarote-Konvention beitragen, welche die bestehenden Massnahmen zum Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch vervollständigt. Hierzu hat das Parlament in der Herbstsession die Botschaft genehmigt.

Angesichts des immensen Leids und der hohen Kosten, die Gewalt verursacht, müssen wir neben deren Bekämpfung auch Präventionsmassnahmen gegen Gewalt weiter verstärken.

Mesdames et Messieurs,

Une vie sans violence est un droit humain, et non un privilège : c’est sur ce postulat que se fondent les Conventions internationales en matière de droits de l’Homme que notre pays a signées.

Les Conventions de l’ONU ont force obligatoire pour la Suisse et deux traités internationaux sont tout particulièrement importants à cet égard : la Convention sur l’élimination de toutes les formes de discrimination à l’égard des femmes et les recommandations du Conseil de l’Europe sur la protection contre la violence.

Aux termes de ces conventions, la Suisse est tenue, tant au niveau fédéral qu’au niveau cantonal, de prendre ses responsabilités pour faire respecter les droits humains.

Ce dont nous parlons ici, c’est le devoir de diligence de l’Etat. Et la protection contre la violence est l’une des tâches prioritaires incombant à tout Etat.

Comme 27 Etats européens avant elle, la Suisse a signé en septembre dernier la Convention du Conseil de l’Europe sur la prévention et la lutte contre la violence à l’égard des femmes et la violence domestique.

La Convention d’Istanbul est le premier traité international visant à protéger les femmes contre toute forme de violence, y compris la violence domestique. Elle s’applique aussi aux hommes victimes de violence domestique.

La Suisse a participé depuis le début des négociations à l’élaboration de cette convention et a pu y intégrer ses appréciations et ses expériences.

Cela étant, il va de soi que les traités internationaux ne valent que s’ils sont effectivement appliqués.

Le chemin est encore long, mais la Suisse est sur la bonne voie. Et la boussole pointe dans la bonne direction.

Je suis heureux que des spécialistes et des représentants des organisations professionnelles les plus variées, et de presque tous les cantons, soient présents aujourd’hui.

Car c’est précisément cette multiplicité de points de vue qui nous permettra d’aborder la complexité de ce thème avec la pluralité d’expériences et de savoir-faire nécessaires. Et d’être aussi pragmatiques que possible.

Je vous souhaite donc une journée riche en discussions fructueuses et en rencontres.

Je tiens en outre à vous souhaiter beaucoup de force, d’opiniâtreté et de détermination pour continuer votre travail.

Ce que vous faites quotidiennement, c’est pour toute la société que vous l’accomplissez.

Je vous remercie de votre attention.

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