Leipzig
Manuscrit, non publié à l’époque. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.
Discours prononcé en allemand. Texte original, non traduit.
Sehr geehrte Frau Kulturministerin
Sehr geehrte Herren Botschafter
Sehr geehrter Herr Ministerialdirigent
Sehr geehrter Präsident von Pro Helvetia
Sehr geehrte Präsidentin des SBVV,
Sehr geehrte Damen und Herren
Churchill sagte einst: Es gibt nur zwei Dinge, die schwieriger sind als eine Tischrede: Eine Wand hinaufzuklettern, die sich zu einem hinneigt. Und ein Mädchen zu küssen, das sich von einem wegneigt.
Noch viel schwieriger ist es, auf dem Empfang nach dem Empfang, nach neun Reden, die zehnte Rede zu halten.
Und das zu einer Tageszeit, zu der Bundesräte normalerweise längst über einem Bundesordner eingeschlafen sind.
Meine Damen und Herren
Die kleine, literarische Schweiz kämpft immer um Aufmerksamkeit im grossen deutschen Markt, im deutschen Feuilleton und beim deutschen Publikum.
Die Gerüchte über die Kleinheit der Schweiz sind nicht übertrieben. Das Bevölkerungs-Verhältnis zwischen der alemannischen Schweiz und Deutschland entspricht ziemlich genau jenem zwischen Deutschland und China: eins zu sechzehn…
Vielleicht trägt das Schweizer Tram hier in Leipzig ja deshalb die Nummer sechzehn…
Möge diese Startnummer hier in Leipzig Glück bringen!
Wir treten an mit einem bunten, attraktiven und vielfältigen Programm: Schweizer Autoren, Verlage, Übersetzer, Slammer, Buchhändler, Comiczeichner, Fotografen, Designer, Grafiker, Illustratoren, auch Theaterleute, Musiker, Filmer und Architekten präsentieren ihr Schaffen.
Doch bei aller Vielfalt – ein roter Faden zieht sich durch
Eine rote Bank… – eine Lesebank natürlich
Ein rot-weisses Tram
Ein druckfrisches Buch mit rotem Titel
Sogar der angereiste Bundesrat ist rot…
Wirklich ein Beispiel für eine gelungene corporate identity!
Meine Damen und Herren
Die Differenz zwischen Deutschland und der Schweiz ist gross von der Bevölkerungszahl her – kulturell aber sind wir uns nahe.
Im Austausch entdecken wir das Vertraute im Fremden. Und das Fremde im Vertrauten. Auch das ist Übersetzungsarbeit im weiteren Sinn.
Diese kleinen Differenzen entfalteten schon immer eine erstaunliche kreative Wirkung:
Gottfried Keller verfasste „Die Leute von Seldwyla“ in Berlin, ebenso wie Robert Walser seine „Geschwister Tanner“.
Richard Wagner schrieb grosse Teile seines Werkes in Zürich, Nietzsche wichtige Teile des seinen in Basel und im Engadin.
Dieser kreative Perspektiv-Wechsel – er ist auch der tiefere Sinn des Schweizer Auftritts in den nächsten Tagen in Leipzig.
An Inspiration und Atmosphäre fehlt es dieser Stadt gewiss nicht – hier hat Luther disputiert, Bach komponiert, Goethe studiert und Napoleon kapituliert.
Ich möchte allen, die an der Organisation des Schweizer Auftritts beteiligt waren, herzlich für Ihre Arbeit danken:
der Leipziger Buchmesse
dem Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband,
der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia,
dem Bundesamt für Kultur
der Schweizer Botschaft und Präsenz Schweiz
sowie Schweiz Tourismus.
Und jetzt wünsche ich allen weiterhin einen angeregten Abend.
Wie sagte doch der schon erwähnte Gottfried Keller: „Manchmal habe ich das Gefühl, ein Pulle Wein sei mehr wert als die ganze Dichterei.“
Vielen Dank.