Vienne
Manuscrit, non publié à l’époque. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.
Discours prononcé en allemand. Texte original, non traduit.
Sehr geehrter Herr Bundesminister, lieber Alois
„Zwei Gesundheitsminister treffen sich im Hotel Sacher.“
Das dürfte der kürzeste Witz über Prävention sein.
Ich freue mich natürlich über den wienerischen Sinn für Humor, der sich in dieser Wahl des Restaurants zeigt – als Vertreter eines international als humorfrei bekannten Landes.
Wobei ich gleichzeitig diplomatisch protestieren möchte gegen den gemeinsten Witz auf unsere Kosten. Der geht so:
„Was ist der Unterschied zwischen der Schweiz und dem Wiener Zentralfriedhof?“
„Auf dem Wiener Zentralfriedhof ist es lustiger.“
So schlimm ist es nicht. Und wir werden besser.
In helvetischem Ernst:
Im Namen meiner ganzen Delegation bedanke ich mich herzlich für Deine Einladung, lieber Alois, und für den freundschaftlichen Empfang hier in Wien.
Wir sind uns seit meinem Amtsantritt vor gut zwei Jahren verschiedentlich begegnet. Und es ist mir immer wieder ein grosses Vergnügen, mich mit Dir über unsere gesundheitspolitischen Vorhaben und Erfahrungen auszutauschen.
Gesundheitsminister, die sich an tiefgreifende Reformen heranwagen, haben es im Allgemeinen nicht leicht – vor allem dann, wenn sie versuchen, sich gegen die vielfältigen Widerstände und Partikularinteressen durchzusetzen.
Besonders stark vertreten ihre Interessen bei uns zurzeit die Leistungserbringer.
Diese Widerstände erinnern mich immer an eine Geschichte über den deutschen Chirurgen Ferdinand Sauerbruch, der auch in der Schweiz tätig war.
Sauerbruch liess sich von einem Patienten einst für eine Operation von fünfhundert auf dreihundert Mark herunterhandeln.
Als der Patient einen noch tieferen Preis wollte, sagte Sauerbruch zu ihm: „Ich operiere auch für weniger als 300 Mark. Aber ich mache Sie darauf aufmerksam, dass mir in dieser Preislage immer die Hände zittern.“
Gesundheitspolitik: das ist wie eine Marathon-Verhandlung mit Ferdinand Sauerbruch. Ohne dass am Schluss alle sauer sind. Und es zum Bruch kommt.
Du, lieber Alois, hast in Deiner bisherigen Amtszeit schöne Fortschritte erzielt. Dazu möchte ich Dich nochmals ganz herzlich beglückwünschen!
Wie unsere Gespräche vorhin gezeigt haben, sind viele der Reformvorhaben, die Du in Österreich in den letzten Jahren tatkräftig verfolgt und umgesetzt hast, auch ein wichtiger Teil unserer Reformstrategie in der Schweiz.
Zum Beispiel:
die Einführung eines elektronischen Patientendossiers,
ein umfassendes System zur Qualitätssicherung und Qualitätsüberwachung in den Spitälern,
die Stärkung der Grundversorgung und
eine bessere Planung des stationären Bereichs.
Es wird spannend sein, unsere parallelen Reformvorhaben in den nächsten Jahren aus einer vergleichenden Perspektive zu verfolgen.
Daher freue ich mich, dass unser Austausch auch in Zukunft rege sein wird.
Sei es bilateral, oder im Rahmen der jährlichen Vierertreffen mit unseren Kollegen aus Deutschland und Luxemburg.
Gesundheitspolitik in einem bundesstaatlichen Kontext ist oft gleichbedeutend mit einem langwierigen Aushandeln von Kompromissen zwischen einer Vielzahl von Akteuren.
« Grosse Würfe » sind dabei leider selten. Das wissen wir beide.
Umso mehr hat mich die Vereinbarung zur partnerschaftlichen Zielsteuerung beeindruckt, die Du mit den wichtigsten Akteuren des Gesundheitswesens aushandeln konntest!
In der Schweiz sind wir noch nicht ganz so weit. Trotzdem bin ich überzeugt, dass wir mit unserer Reformstrategie « Gesundheit 2020 » einen klaren Wegweiser für unsere langfristigen Ziele setzen konnten.
Und diese werden auch von unseren wichtigsten Partnern unterstützt.
Eine der grossen Herausforderungen, vor der wir schon heute stehen, ist die starke Zunahme der nichtübertragbaren Krankheiten. Wenn es uns nicht gelingt, hier rechtzeitig Gegensteuer zu geben, droht die Überforderung unserer Gesundheitssysteme.
Es ist daher klar, dass Prävention und Gesundheitsförderung noch stärker in den Fokus unserer Reformanstrengungen gerückt werden müssen.
Eine gesunde Lebensführung beginnt zuallererst bei der Ernährung.
Ich habe gehört, dass es Dir vor einigen Jahren gelungen ist, Bäckereien davon zu überzeugen, den Salzgehalt im Brot zu verringern. Ein wichtiges Ziel, das auch wir im Rahmen unserer Ernährungs- und Salzstrategie verfolgen.
Lieber Alois,
Ich bin mir zwar – wie schon angetönt – nicht ganz sicher, ob die berühmte Sachertorte sämtliche Kriterien für eine gesunde Ernährung erfüllt.
Aber ich bin froh zu wissen, dass wir vor dem Dessert, zumindest beim Brot, mit gutem Gewissen zugreifen können…
Ich habe gehört, dass die Frage noch immer nicht geklärt ist, ob die originale Sachertorte hier im Hotel hergestellt wird oder doch von der Bäckerei Demel.
Die Schweiz hat dazu keine Meinung. Wir sind auch in dieser Frage neutral.
Ich weiss nur eines: Ich freue mich auf diese Torte.
Ich bin zwar von der Notwendigkeit einer gesunden Ernährung überzeugt, aber in erster Linie sollte man das Leben einfach geniessen.
Oder, wie Woody Allen einst sagte: „Wir können 100 Jahre alt werden – falls wir alles aufgeben, für das es sich überhaupt lohnt, 100 Jahre alt zu werden.“
Und jetzt stosse ich an auf unsere guten Beziehungen und bedanke mich nochmals ganz herzlich für die Einladung!