Davos

Manuscrit, non publié à l’époque. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.

Discours prononcé en allemand et en français. Texte original, non traduit.

Sehr geehrter Nationalratspräsident
Sehr geehrte Ständeräte und Nationalräte
Sehr geehrter Herr Landammann
Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter lokaler und kantonaler Parlamente und Regierungen
Liebe Jodlerinnen und Jodler
Liebe Gäste

Ich freue mich, heute hier bei Ihnen zu sein, nachdem ich vorletztes Jahr schon bei den Jodlern in der Romandie zu Gast war.

Ich bin also kein Jodellaie mehr.

Ich weiss, dass der Kehlkopfschlag nichts mit Kampfsport zu tun hat. Sondern den extrem schwierigen Übergang von der Kopfstimme auf die Bruststimme meint.

Ich weiss, dass das Jodeln aus Fremden Freunde macht. Wir müssen also gar nicht immer als Willensnation durch den Röstigraben waten – wir können einfach fröhlich über ihn hinweg jodeln.

Wer jodelt, spürt: Zusammen sind wir mehr als eine Summe von Individuen.

Und das Jodeln geht über das Jauchzen weit hinaus. Es weckt viele Gefühle in uns. Glück und Überschwang, aber auch Wehmut und Melancholie.

Diesen Gefühlen können Worte gar nicht gerecht werden.

Eigentlich müsste ich also übers Jodeln… jodeln.

Aber es ist besser für Ihre Ohren und meinen Ruf, wenn ich beim gesprochenen Wort bleibe.

Das Jodeln – oder etwas allgemeiner das gemeinsame Musizieren – steht für das, was die Schweiz stark macht:

Es verbindet Menschen. Im Dorf, im Verein, zwischen den Regionen

Es fördert das Verständnis und die Verständigung. Beides ist zentral für das Zusammenleben und die Solidarität in unserem Land.

Es pflegt die Tradition, hält sie lebendig, entwickelt sie weiter. Das gibt uns Halt.

Das Jodeln ist entstanden, um weite Distanzen akustisch zu überbrücken.

Heute scheinen die Distanzen innerhalb der Schweiz manchmal so gross, dass wir uns kaum mehr hören.

Wenn man von Alp zu Alp kommunizieren kann, dann muss das doch auch in den Gemeindestuben und Ratshäusern möglich sein.

Und vor allem unter der Kuppel im Bundeshaus…

Orientieren wir uns doch am Jodeln!

Lasst uns mehr über die Meinungs-Täler hinweg zurufen!

Wenn mehr gejodelt würde – im echten wie im übertragenen Sinne – ginge es der Schweiz besser.

Noch besser, muss man präzisieren.

Denn wir jodeln hierzulande ja nicht nur auf hohem Niveau – wir klagen bekanntlich auch auf hohem Niveau…

Liebe Festgemeinde

Unser Vorrat an Gemeinsamkeiten ist grösser, als es der politische Alltag manchmal vermuten lässt.

Wir alle fühlen uns in unserem Nationalstolz gekränkt, wenn der Zug eine Minute zu spät kommt

Wir alle haben mit Heidi gelitten, als es beim bösen Fräulein Rottenmeier in Frankfurt wohnen musste

Wir alle wissen, dass man mit nicht mal einem Meter siebzig der Grösste sein kann, wie Shaqiri

Wir alle erkennen Toblerone aus Beton in der Landschaft als Panzersperren

Wir alle sind stolz darauf, Alt-Papier zu sammeln

Wir alle mögen Coupe Danemark, haben aber keine Ahnung, weshalb er so heisst

Im Ernst: Das Eidgenössische Jodelfest erinnert uns daran, dass wir gemeinsam eine Gesellschaft bilden. Von der Grüeni Alp oberhalb von Davos über Zürich und Delémont bis auf den Monte Bré.

Gerade in einer Zeit, in der wir mehr Zeit im World Wide Web verbringen, als dass wir mit den Menschen in unserer Nähe reden.

Man sollte mehr jodeln und weniger googeln.

Wenn das Jodeln ein politisches System wäre, dann wäre es die Konkordanz.

Das Zusammensingen im Chor ist die typisch schweizerische Art zu jodeln.

Das ist bezeichnend, denn wir sind eine Nation von Eigenwilligen, die sich dann doch zusammenfinden, um gute und nachhaltige Lösungen zu finden.

Lösungen, die vielleicht nicht – wie beim Jodeln – von allen inbrünstig besungen werden.

Lösungen, die uns vielleicht nicht immer vor lauter Glück zum Jauchzen bringen.

Und für die es einen langen Atem braucht. Einen mindestens so langen wie beim Alphornblasen. Und mindestens so viel Ausdauer und Kraft wie beim Fahnenschwingen.

Aber am Schluss finden wir in der Schweiz traditionell auch bei schwierigen Themen Lösungen, mit denen aber alle gut leben können.

Liebe Jodlerinnen und Jodler
Liebe Fahnenschwinger, Alphornbläser und Schwyzer-Örgeler, Euphonium-Spielerinnen und Klarinettistinnen und Geigerinnen

Vous offrez ici une prestation de haut vol.

En termes de musique et d’adresse, bien sûr, mais aussi en termes de promotion de la cohésion et du folklore de notre pays.

Vous savez dépasser les clichés pour nous rappeler d’où nous venons.

Je vous remercie de votre précieux engagement en faveur de nos traditions. Vous les faites vivre et nous offrez des moments de plaisir et d’émotion.

Au nom du Conseil fédéral, je vous souhaite une magnifique Fête fédérale des yodleurs !

Merci de votre attention.

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