Petite Scheidegg
Manuscrit, non publié à l’époque. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.
Discours prononcé en allemand. Texte original, non traduit.
Liebe Kollegin, liebe Kollegen
Es ist mir eine Ehre und eine Freude, Sie heute Abend nochmals offiziell hier in diesem bemerkenswerten Rahmen empfangen zu dürfen.
Im Angesicht von Eiger, Mönch und Jungfrau.
Sie haben sich vermutlich gefragt, wieso ich Sie nach hier oben einlade.
Wo man eher ergriffen schweigt als angeregt diskutiert.
Aber für die Schweizer sieht das etwas anders aus.
Nicht, weil wir die Alpen gewöhnt sind. Die soll es ja auch in anderen Ländern geben. Dem Vernehmen nach sogar in Österreich!
Nein – für uns Schweizer sind die Alpen eben einfach ein weiteres Thema, über das man im Rahmen der direkten Demokratie durchaus reden kann.
Es stellt sich in unserer dynamischen Gegenwart schon die Frage:
Braucht es diese statischen Alpen überhaupt noch?
Eine radikale Position vertritt in dieser Hinsicht eine kürzlich gegründete Aktionsgruppe: Sie propagiert, die Alpen ersatzlos zu streichen.
Eine differenzierte Position verlangt eine Auswalzung der Alpen nach Süden. Die Schweiz hätte dann endlich einen Meeres-Zugang.
Die Alpen-Lobbyisten sehen das völlig anders. Schon heute würden die Alpen jährlich um zwei Zentimeter erodieren; falls nichts geschehe, gebe es in bereits fünfzig Millionen Jahren keine Alpen mehr.
Sie sehen: Die Schweizer Debatten-Kultur funktioniert auch in alpiner Höhe.
Wie es diese Satire des Soziologen François Höpflinger beschreibt.
Ich hoffe, dass die betörende Aussicht und der historische Charme des Hauses Sie für die etwas längere Anreise gebührend entschädigen.
Wir haben es vorhin von Herrn von Almen gehört: das Hotel Bellevue blickt auf eine grosse Tradition zurück.
Ich wünsche mir, dass auch dieses Treffen zu einer langwährenden Tradition heranwachsen möge.
Wobei Tradition und Wandel sich ja nie ausschliessen.
Aus der ursprünglichen Idee eines Dreigespanns ist das letztjährige Vierertreffen entstanden.
Und nun sind wir schon zum Gesundheitsquintett geworden.
Ich freue mich sehr über diesen Zuwachs. Ich bin überzeugt: die Teilnahme unseres Liechtensteiner Kollegen wird den Austausch zusätzlich bereichern.
Lassen Sie mich einen kurzen Blick zurück werfen auf die Gesprächsthemen des letztjährigen Treffens.
Wir hatten festgestellt, dass wir gegenseitig von unseren Erfahrungen bei den Organspenden profitieren können. Auch – oder gerade weil – sich diese Erfahrungen in unseren jeweiligen Ländern unterscheiden.
Dazu hat im letzten Herbst in Köln auch ein Austausch auf Fachebene stattgefunden. Wie ich vernommen habe, war dieser sehr hilfreich.
Die Schweiz kann hier bereits ein erstes Erfolgserlebnis vermelden:
Nach unserer letztjährigen Aufklärungskampagne, rechnen wir mit einem Anstieg von rund zehn bis fünfzehn Prozent bei den Organspendern und bei den transplantierten Organen.
Wir haben uns im letzten Jahr auch über die Krebsfrüherkennung und Krebsregistrierung ausgetauscht.
Die Erkenntnisse haben uns geholfen, ein neues Gesetz über die Registrierung von Krebserkrankungen auszuarbeiten.
Ich wäre sehr interessiert zu hören, ob es auch bei Ihnen neue Entwicklungen in diesen Bereichen gegeben hat.
Nun aber zur Gegenwart.
Wir haben morgen die Gelegenheit, uns über wichtige Gesundheitsthemen auszutauschen:
Wir alle wollen die Qualität der Gesundheitsversorgung und die Patientensicherheit stärken.
Wir alle wollen die Transparenz über die Qualität der erbrachten Leistungen verbessern.
Ich bin gespannt und freue mich auf unseren Austausch insbesondere über:
die wachsende Zahl von Spitalinfektionen
den Umgang mit den zunehmenden Demenzerkrankungen
die Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen
Aber diese Treffen sollen mehr sein als eine thematische Konferenz.
Sie sollen es uns auch erlauben, Kontakte im informellen Rahmen weiter zu vertiefen. Neue Freundschaften zu knüpfen. Und alte weiter zu pflegen.
Darauf freue ich mich ganz besonders.
Und nun wünsche ich Ihnen allen einen guten Appetit. Und hebe mein Glas auf ein gut harmonierendes Gesundheitsquintett!
Und zuletzt schulde ich Ihnen noch die Position des Bundesrates in der kontroversen Alpen-Frage:
Beide Extremlösungen kommen nicht in Frage.
Notwendig ist vielmehr ein guteidgenössischer Kompromiss. Einer, der unseren föderalistischen Traditionen Rechnung trägt.
Wir schlagen deshalb folgende Lösung vor:
einige Kantone werden ausgewalzt. Das schafft Platz für Lastwagen und vermindert die Subventionen für Bergbauern.
in anderen Kantonen werden die Berge aufgestockt. Damit kann man dort höher klettern. Und es hat mehr Steilhänge für Alphörner.
Falls diese Massnahmen Auswirkungen auf unsere Nachbarländer haben sollten, bin ich sicher: Wir können Probleme im Rahmen unseres Quintetts problemlos bereinigen.