Berne

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Damen und Herren

Vor 100 Jahren war Demenz kein Thema, das die breite Bevölkerung bewegte. Die durchschnittliche Lebenserwartung lag zwischen 50 und 55 Jahren. Heute werden wir im Schnitt 30 Jahre älter und die Demenz beschäftigt uns stark.

Demenz beschäftigt uns persönlich. Wir alle kennen Menschen, die an einer Demenz erkrankt sind. Wir alle wissen: „Demenz kann jeden treffen“. Unter diesem Titel haben die Alzheimervereinigung Schweiz und Pro Senectute Ende Mai ihre Sensibilisierungs-Kampagne gestartet

Demenz beschäftigt uns als Gesellschaft. Demenz zählt zu den häufigsten Erkrankungen im Alter.
Weltweit sind 47 Millionen Menschen an Alzheimer oder einer anderen Form von Demenz erkrankt.
Es wird geschätzt, dass weltweit rund alle 7 Sekunden ein Mensch neu an einer Demenz erkrankt.
Zwei Drittel aller Demenzkranken sind Frauen.

In der Schweiz leben gegen 115’000 Menschen mit Alzheimer oder anderen Formen von Demenz. Jährlich kommen gegen 25‘000 Neuerkrankungen hinzu.

Kurz: Bei der Demenz handelt es sich um eine der grössten Herausforderungen für unsere Gesundheits- und Sozialsysteme.

Der französische Psychiater Jean Etienne Esquirol hat Mitte des 19. Jahrhundert von der Demenz als Verarmung gesprochen: « L’homme en démence est privé des biens dont il jouissait autrefois. C‘est un riche devenu pauvre. »

Diese Verarmung zu erleben – an sich selber oder an anderen – ist schwierig. Die Diagnose Demenz verunsichert die erkrankten Personen – genauso wie ihre Angehörigen und Freunde.

Die Krankheit kann ganz unterschiedlich verlaufen. Menschen mit einer Demenzerkrankung brauchen deshalb eine enge Begleitung und eine spezifische Pflege und Betreuung. Unterstützung und Beratung brauchen aber auch Angehörige und Bezugspersonen, die Demenzerkrankte täglich betreuen und begleiten.

Das heutige Symposium geht auf einen Beschluss am Gesundheitsministertreffen der deutschsprachigen Länder vom letzten August in der Schweiz zurück. Die Ministerin aus Luxemburg sowie die Minister aus Deutschland, Österreich, dem Fürstentum Liechtenstein und der Schweiz – wir waren uns einig, dass wir so viel wie möglich voneinander lernen sollten im Umgang mit Demenz.

Dieses Symposium steht deshalb im Zeichen des Erfahrungs- und Wissensaustauschs. Ich freue mich über Ihr Interesse und zahlreiches Erscheinen. Danke. Das Ziel ist klar: Eine verstärkte Zusammenarbeit, die auch gemeinsame Vergleichsmassstäbe für die Qualität unserer Versorgungssysteme umfasst.

Heute und morgen werden Sie darüber diskutieren, wie die Gesundheitsversorgung besser auf die zunehmende Zahl von Demenz-Erkrankten ausgerichtet werden kann.

Am Beispiel Luxemburg wird gezeigt, wie eine sinnvolle Präventionspolitik aussehen könnte.
Aus Österreich werden Möglichkeiten vorgestellt, wie Menschen mit Demenz und deren Angehörige ihren Alltag möglichst gut bewältigen.
Modelle der Zusammenarbeit in der Versorgung werden an Beispielen aus Deutschland beleuchtet.
Vertreterinnen und Vertreter aus der Schweiz schliesslich werden ihre Erfahrungen mit der nationalen Demenzstrategie sowie Fragen der Sensibilisierung erörtern.

Eine verstärkte Koordination der Versorgung ist ein wichtiges Ziel der gesundheitspolitischen Strategie „Gesundheit 2020“ – einem Bündel von Massnahmen, um das Schweizerische Gesundheitssystem kontinuierlich zu stärken. Ziel ist es, trotz demographischen und finanziellen Herausforderungen
die Lebensqualität der Menschen zu erhalten,
die Chancengleichheit zu stärken,
die Versorgungsqualität zu erhöhen
sowie die Transparenz zu verbessern.

Die „Nationale Demenzstrategie 2014–2017“ von Bund und Kantonen hat ebenfalls zum Ziel, die Lebensqualität der Betroffenen zu fördern. Wir sind mit der Umsetzung der Strategie auf gutem Weg. Bis heute konnte rund die Hälfte der Projekte gestartet werden.

Damit wir die Lebensqualität der von Demenz Betroffenen tatsächlich verbessern können, braucht es weiterhin ein grosses Engagement aller Akteure. Und es braucht ein Bewusstsein dafür, dass die Demenz eine gewaltige Herausforderung ist – nicht nur für die Betroffenen und ihre Angehörigen.

Sondern für unsere Gesellschaft insgesamt. Dies insbesondere in einer Zeit der permanenten Effizienzsteigerung und Ökonomisierung. In einer Zeit also, die allem, was funktioniert, einen hohen Status zuschreibt. Und die im Gegenzug dazu neigt, alles, was nicht – oder eben nicht mehr – funktioniert, zu verdrängen.

Ich wünsche allen Anwesenden einen möglichst intensiven und erkenntnisreichen Austausch.

Vielen Dank.

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