Rütli

Manuscrit, non publié à l’époque. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.

Discours prononcé en allemand et en français. Texte original, non traduit.

Sehr geehrter Ständeratspräsident
Sehr geehrte Damen und Herren National- und Ständeräte
Sehr geehrte Damen und Herren Regierungsräte
Liebe Schülerinnen und Schüler aus
Andeer, Appenzell, Arlesheim
Bern, Boudevilliers, Breitenbach, Brunnen, Buochs
Castione, Chêne-Bourg,
Dachsen, Delémont, Diegten,
Herdern
Niederurnen,
Prilly/Romanel/Jouxtens
Rothenburg,
Schönegrund, Seelisberg,
Trasadingen,
Villaz-Saint-Pierre,

Wilchingen, Wittenbach,

und Zeiningen

Meine Damen und Herren

Unser Nationaldenkmal ist… eine Wiese.

Wir schauen nicht empor zum einem Mann auf einem Pferd.

Wir pilgern nicht zum Pantheon.

Wir stehen im Gras…

(In sauber geschnittenem, gepflegtem Gras natürlich – wir sind ja schliesslich in der Schweiz.)

Gras statt Grandiosität: Das ist die Schweizer Bodenhaftung.

Hier zeigt sich, dass wir uns auch dann nicht ganz ernst nehmen, wenn wir uns ernst nehmen.

Das ist also auch ein Beispiel für unseren Humor.

Für unseren Humor?

Gibt es den überhaupt?

Mark Twain bezweifelte es, als er auf seinem „Bummel durch Europa“ die Schweiz erkundete.

Er lobte die Schweizer zwar als „gutherzig“ und „freundlich“.

Aber er stellte auch fest:

„Falls die Schweizer wissen, wie man lächelt, behalten sie dieses Geheimnis für sich. Und falls sie eine Maschine zum Lächeln haben, können sie diese nicht bedienen.“

Deshalb erinnere ich in allem Ernst daran, dass es derselbe Mark Twain war, der über das Rütli geschrieben hat:

„Kein anderes Stück Erde ist mehr wert, Ozeane und Kontinente zu durchqueren, um es zu sehen.“

Wenn der ausländische Beobachter schon so viel Pathos einsetzt – dann darf das ein Bundesrat sicher auch:

Das Rütli steht dafür,

dass sich eine Situation nicht von selbst verbessert.

dass alles erkämpft und erarbeitet werden muss.

vor allem aber steht das Rütli dafür, dass wir zusammen stärker sind.

Meine Damen und Herren

Wir feiern heute das 25-Jahr-Jubliäum des Weges der Schweiz.

Dieser Weg ist das Geschenk der Kantone an die Eidgenossenschaft zum Jubiläum von 1991.

Ein wunderschönes Geschenk!

Auf das wir allerdings auch lang warten mussten…

700 Jahre lang!

Im Ernst:

Die Verbundenheit der Kantone mit ihrem Gemeinschaftswerk ist nach wie vor stark.

Sie haben bereits vor einigen Jahren die Zukunft dieses Weges gesichert.

Wir schwören hier und heute keinen Schwur – aber die Beziehung zwischen den Kantonen soll hier und heute gefeiert werden.

Und natürlich auch die Beziehung von Bund und Kantonen.

Das Rütli und der Weg der Schweiz mit seinen 26 Kantons-Etappen: Das sind zwei ganz besondere Nationaldenkmäler.

Sie versinnbildlichen, wie gut wir in unserem Land zusammenleben.

Und sie erinnern uns auch an die Voraussetzung unseres Zusammenlebens.

Unsere Institutionen funktionieren.

Unsere Infrastruktur ist hervorragend.

Alle profitieren … auch jene, die Panama mögen.

Unser Land bietet einen Mix aus sozialer Sicherheit und Freiheit, aus Wohlstand und Kreativität.

Wir sind ein Land, in dem jede und jeder die Chance auf ein gutes Leben hat.

Und nicht zuletzt haben wir das grosse Privileg, mehr als eine Landessprache zu haben.

Eine Landessprache hat nicht nur eine kommunikative, sondern auch eine kulturelle Dimension.

Es geht um mehr als Informationsübermittlung.

Wenn wir eine andere Sprache lernen, tauchen wir auch in einen anderen Kulturraum ein. Wir lernen dessen Werte und dessen Traditionen kennen.

Wenn wir die Sprachenfrage nicht mehr ernst nehmen, schwächen wir die Schweiz von innen.

Wenn diese gegenseitige Verständigung nicht mehr klappt, dann löst sich das kulturelle Gewebe unseres Landes allmählich auf.

Wir wollen mit der neuen Kulturbotschaft deshalb den Austausch von Schülerinnen und Schülern sowie Lernenden und Lehrenden zwischen den Sprachregionen verstärken.

Möglichst viele Jugendliche sollen einmal in ihrer schulischen Laufbahn an einem Austauschprojekt teilnehmen.

Und vergessen wir nicht: Gute Kenntnisse der Landessprachen haben auch einen wirtschaftlichen Wert, der nicht unterschätzt werden darf.

Von den 503 Millionen Bewohnern der EU sprechen rund 220 Millionen eine unserer Landessprache.

Das ist ein wichtiger Faktor, der das Export-Land Schweiz wettbewerbsfähig macht.

Studien zeigen zudem, dass die in der Schweiz für die Volkswirtschaft wichtigen KMU häufiger eine Landessprache als das Englische verwenden.

KMU sind sehr wichtig für Jugendliche und junge Erwachsene und ihre berufliche Eingliederung.

Meine Damen und Herren

Unsere Sprachvielfalt ist ein Privileg – aber ein Privileg, für das wir auch etwas tun müssen.

Dasselbe gilt auch für unser Zusammenleben mit jenen, die als Migrantinnen und Migranten in unser Land kommen.

Alles in allem ein erfolgreiches Zusammenleben.

Es gibt keine Parallelgesellschaften, wie wir sie aus anderen europäischen Ländern kennen. Und das, obwohl bei uns die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund wesentlich höher liegt.

Wieso gelingt diese Integration im Alltag?

Weil viele dazu beitragen:

die Schule – also Sie alle!

die Arbeitswelt,

unsere Systeme der sozialen Sicherheit,

die Vereine,

die Kirchen und Religionsgemeinschaften

Entscheidend ist auch der Föderalismus:

Die Verhältnisse sind überschaubar. Lösungen müssen sich vor Ort bewähren, gleichsam den Alltagstest bestehen.

Und im Alltag leisten gerade auch die Schülerinnen und Schüler einen grossen Beitrag, damit diese Integration gelingt.

Meine Damen und Herren

Wir feiern heute auch das 25-Jahre-Jubiläum des Auslandschweizerplatzes.

Die Schweiz wäre unvollständig ohne die zahlreichen Staatsangehörigen im Ausland.

Die sich typischerweise gut einleben in ihre Gastländer. Die einen wertvollen Beitrag leisten. Denen ein gutes Zusammenleben wichtig ist.

Der Auslandschweizerplatz steht für die Zugehörigkeit der heute 761’930 im Ausland lebenden Schweizerinnen und Schweizer – Stand 2015.

Er ist zugleich Ausdruck ihrer starken Verbundenheit mit der Schweiz.

Nicht zufällig heisst der Auslandschweizerplatz in Brunnen ja inoffiziell auch „Rütli der fünften Schweiz“.

Die „fünfte Schweiz“ versteht unser Land manchmal besser als wir es im Inland vermögen.

Denn Entfernung schärft den Blick für das Wesentliche.

Zumal gerade das, was Ihnen von aussen wohl am stärksten auffällt, genau das ist, was im Landesinnern manchmal aus dem Blick zu geraten droht:

Unsere politische Kultur, die auf Kompromiss und Ausgleich beruht.

Kompromisse sind keine Niederlagen. Im Gegenteil: „Dä Gschiider git na, de Esel bliibt stah.“

Sie sehen: Ich bin nicht nur ein Verfechter des Frühfranzösisch, sondern auch des Früh-Schweizerdeutschen.

Als Bundesrat, der für das Veterinärwesen zuständig ist, möchte ich hier allerdings darauf hinweisen, dass Esel intelligente Wesen sind – also die Tiere.

Chers élèves,

Vous êtes la première génération à avoir non seulement grandi avec Internet, mais à avoir toujours baigné dans la mondialisation.

Pour vous, ce n’est pas un phénomène ou une évolution, c’est votre quotidien.

Vous êtes en permanence tournés vers le reste du monde, ce qui pour les politiques suisses, est parfois un peu compliqué.

Car si notre pays est petit, il n’en est pas moins complexe, et c’est donc souvent vers lui que nos regards sont tournés.

Peut-être que votre génération, dynamique, connectée et ouverte sur le monde, comprend mieux la Suisse que nous qui sommes plus âgés.

La Suisse est un pays toujours en mouvement.

La Suisse suit son chemin.

La Suisse fait son chemin.

Mais nous ne voulons laisser personne sur le bord de ce chemin.

Et le résultat est là :

Notre pays fonctionne.

Malgré son incroyable diversité.

Sans doute même grâce à son incroyable diversité.

Peut-être aussi parce que nous travaillons sur nous-mêmes dans une remise en question permanente ?

Les fondations de la Suisse sont solides parce que nous les construisons pour qu’elles le soient. Et que nous les entretenons pour qu’elles le restent.

Avec engagement.

Avec détermination.

Avec surtout, avec le souci du bien-être de ceux qui y vivent.

Car ce chemin que nous suivons ensemble, cette autre Voie suisse, n’est pas le chemin des égoïstes et des francs-tireurs :

Il faut tenir compte les uns des autres.

Essayer de comprendre l’Autre.

Ne pas oublier qu’on est toujours l’Autre d’un Autre.

Nous ne sommes pas un pays avec des minorités – mais un pays de minorités.

Nous accordons davantage d’importance à nos points communs qu’à nos différences.

Et si la Voie Suisse fait le tour du lac d’Uri, l’autre voie suisse que nous célébrons aujourd’hui ne tourne pas en rond.

Elle va clairement de l’avant. C’est votre voie : c’est la voie du futur.

Je vous remercie.

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