Bienne
Manuscrit, non publié à l’époque. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.
Discours prononcé en allemand. Texte original, non traduit.
Im Juli 1962 traten die Rolling Stones erstmals auf, im Londoner Marquee Club.
Zwei Monate später wurde der Kalte Krieg in der Kuba-Krise beinahe heiss – die Welt stand im Oktober 1962 am Rand eines atomaren Kriegs.
Ende März 2016 fand in Havanna ein Gratiskonzert statt – von den Rolling Stones.
Mick Jagger zappelte 2016 ebenso wild wie im Jahre 1962.
Da fragt man sich schon: Was ist das eigentlich, das Alter?
Der Rollator hat seinen Namen jedenfalls nicht von den Rollenden Steinen.
Sicher ist: Das Alter ist nichts Absolutes, sondern etwas sehr Relatives.
Die Baby-Boomer haben in den sechziger Jahren definiert, was es bedeutet, jung zu sein.
Und dieselben Baby-Boomer definieren heute, was es bedeutet, alt zu sein.
Das Alter war während fast der ganzen Menschheitsgeschichte verbunden mit Armut, Elend und Gebrechlichkeit.
Heute scheint es – zumindest in den wohlhabenderen Ländern – häufig das genaue Gegenteil zu sein:
ein goldener Spätsommer des Lebens.
eine Zeit der Selbstverwirklichung, des Reisens und des intensiven Erlebens.
Diese Neuerfindung des Alters gehört wohl zu den eindrücklichsten Entwicklungen der jüngeren Geschichte.
Und trotzdem gilt Alter in der Arbeitswelt häufig immer noch als Makel, als Schwäche.
Diesen Widerspruch aufzulösen, ist eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Jahre.
Nicht nur für die Politik, sondern auch für die Gesellschaft – für uns alle.
Manchmal kommt es mir ziemlich seltsam vor, dass wir die erfreulichste Tatsache, die man sich vorstellen kann, vor allem als Problem diskutieren:
Nämlich, dass unsere Lebenserwartung in den letzten hundert Jahren massiv gestiegen ist – von rund 53 Jahren im Jahre 1900 auf 87 Jahre im Jahre 2000.
Nur die Japanerinnen und Japaner werden noch etwas älter als wir.
Wir sind also die Vizeweltmeister im alt werden.
Und wie reagieren wir darauf? Mit Kulturpessimismus.
Der demographische Wandel wird fast immer als Apokalypse in Zeitlupe beschrieben.
Nicht finanzierbar!
Angriff auf die Generationengerechtigkeit!
Eine Gesellschaft der Besitzstandwahrer!
Und natürlich kursiert auch das Vorurteil, dass nur junge Gesellschaften innovativ sein können.
Doch für Defaitismus gibt es keinen Grund.
Unser Ziel muss es sein, dass möglichst viele Menschen möglichst lange ihr Leben selbständig und nach ihren Wünschen gestalten können.
Und dass sie möglichst lange kreativ und innovativ sein können.
Vor allem aber sollten die Älteren ihr Leben so lang wie möglich geniessen können.
Meine Damen und Herren
Wir stehen vor grossen Herausforderungen.
Die materielle Sicherheit im Alter muss gewährleistet werden.
Was für uns selbstverständlich klingt, ist es leider nicht, wie ein Blick in andere europäische Länder beweist.
Und auch in der Schweiz müssen wir das Rentensystem so reformieren, dass wir das heutige Rentenniveau erhalten können.
Das materielle Wohl ist zentral, wichtig ist aber auch das seelische Wohl der Seniorinnen und Senioren.
Dazu trägt die Pro Senectute ja schon seit vielen Jahrzehnten entscheidend bei. Seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts ist Pro Senectute die zentrale Anlaufstelle für Fragen rund um die Betreuung von älteren Menschen.
Die Beratungsstellen für Betagte und deren Angehörige sind nicht mehr wegzudenken aus unserem Land – sie erfüllen eine immens wichtige Aufgabe mit hoher Kompetenz.
Nicht zuletzt Ihrer Organisation verdanken wir es, dass das politische und gesellschaftliche Bewusstsein für die Bedürfnisse der älteren Menschen wächst.
Der Jugendkult ist allerdings stark. Wenn wir ihm in einer alternden Gesellschaft weiterhin anhängen, schwächen wir uns selber.
Es braucht unbedingt eine grössere Wertschätzung für das Potential der Älteren.
Unsere Gesellschaft könnte ungeheuer profitieren vom Wissen, von der Expertise und der Erfahrung der Älteren.
Um ein Inserat aus der Chicago Tribune von 1947 zu zitieren: „Nicht die Jahre in unserem Leben zählen, sondern das Leben in unseren Jahren.“ Das Inserat warb übrigens für ein Buch mit dem Titel: “The Second Forty Years”
Heute müsste das Buch heissen: Die 40 Jahre nach den ersten 50.
Denn heute müssen Unternehmen und Staat Strukturen schaffen, in denen die Arbeitskraft und das Engagement der älteren Arbeitnehmenden genauso zählen wie das der jüngeren.
Eine grosse Herausforderung ist schliesslich die Pflege im Alter. Denn irgendwann werden auch die jungen Alten gebrechlich.
Wir brauchen gute Rahmenbedingungen für die Pflege von Angehörigen.
In der Schweiz gibt es rund 330‘000 Erwachsene, die regelmässig kranke Familienmitglieder pflegen oder betreuen.
Insgesamt sind etwa 700‘000 Personen aller Altersstufen auf solche informelle Pflege und Betreuung angewiesen.
Diese Zahl wird in den kommenden Jahren weiter anwachsen, weil das Durchschnittsalter der Bevölkerung steigt. Und die geburtenstarken Jahrgänge in ein Alter kommen, in dem sie auf Pflege angewiesen sind.
Pflegende Angehörige sind wichtig. Sie helfen nicht nur den kranken Familienmitgliedern. Sie leisten auch einen grossen Beitrag an ein gut funktionierendes Gesundheitswesen.
Der Bundesrat will pflegende Angehörige besser unterstützen
Ende 2014 hat er deshalb einen Aktionsplan verabschiedet.
Angehörige, die Familienmitglieder pflegen, sollen das so lange tun können, wie es nötig und für alle Beteiligten wichtig ist. Sind sie erwerbstätig, sollen sie weiterarbeiten können.
Wenn Angehörige Betreuungs- und Pflegeaufgaben übernehmen, sind sie sich oft nicht bewusst, was auf sie zukommt. Ihnen möchten wir in diesen Anfangssituationen helfen. Besonders wichtig ist, dass sie wissen, wie sie Unterstützung und Entlastung erhalten können. Gute Information ist das erste Ziel des Aktionsplans.
Das zweite Ziel sind Entlastungsangebote.
Pflegende und betreuende Angehörige müssen auch ihren eigenen Verpflichtungen nachkommen können – und sie müssen sich erholen können.
Dafür braucht es Angebote, die den individuellen Situationen gerecht werden, flexibel ausgestaltet und bezahlbar sind.
Im Rahmen der Fachkräfteinitiative sind wir derzeit daran, diese Unterstützungs- und Entlastungsangebote für Erwerbstätige weiter zu erforschen und entwickeln.
Die Frage ist: Wie müssen Tagesplätze, Begleitdienste oder mobile Betreuungsequipen ausgestaltet sein, damit sie den Bedürfnissen von erwerbstätigen pflegenden Angehörigen gerecht werden?
Drittens prüft der Bundesrat im Aktionsplan bis im Herbst, wie die rechtlichen Rahmenbedingungen für kurze Arbeitsabwesenheiten für die Angehörigenpflege verbessert werden können, die durch die Angehörigenpflege entstehen.
Es geht hier um die Frage, wie lange solche Abwesenheiten dauern dürfen, wie die Lohnfortzahlung geregelt wird und wer eine solche Arbeitsabwesenheit beanspruchen kann.
Darüberhinaus prüft der Bundesrat, ob auch ein längerer Betreuungsurlaub mit oder ohne Lohnfortzahlung für die Pflege von Angehörigen ermöglicht werden kann.
Unsere Nachbarländer haben in den letzten Jahren verschiedene Modelle für einen solchen Betreuungsurlaub eingeführt.
Meine Damen und Herren
Das Alter fordert uns also mehrfach heraus – zuallererst die materielle Sicherheit im Alter, ich habe es erwähnt.
Dazu hat der Bundesrat seine Reform der Altersvorsorge gestartet.
Meine Damen und Herren
Falls es uns gelingt, die Altersvorsorge nachhaltig zu reformieren und zu stabilisieren, stärken wir mehr als die soziale Sicherheit – wir stärken die Schweiz als Ganzes.
Ich bin überzeugt: Diese Herausforderung ist zu bewältigen.
In der Schweiz darf es im 21. Jahrhundert keine Altersarmut geben. Hinter diesem Ziel stehen sämtliche politischen Kräfte.
Demographie ist kein Schicksal.
Es kommt immer darauf an, ob wir sie in einem optimistischen Geist angehen oder mit Defaitismus.
Es braucht nicht nur diese Reform der Altersvorsorge – es braucht auch einen Mentalitätswandel.
Das bestmögliche Resultat wäre, dass wir das Älterwerden als das betrachten, was es ist: Als die beste Sache der Welt.
Und das nicht nur, weil die Alternative zum Altwerden nicht besonders erfreulich ist…
Sondern weil das Alter eine Zeit der Kreativität und des Entdeckens sein kann.