Berne

Manuscrit, non publié à l’époque. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.

Discours prononcé en allemand et en français. Texte original, non traduit.

Sehr geehrte Damen und Herren National- und Ständeräte
Sehr geehrter Präsident der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren
Sehr geehrte Damen und Herren Regierungsräte
Meine Damen und Herren

Wie Sie wissen, ist „Prävention“ in der Schweizer Politik ein sehr heikler Begriff. Er lässt bei einigen den Blutdruck bedrohlich steigen. Andere brauchen sofort einen Drink zur Beruhigung. Dagegen hilft auch kein Präventionsprogramm…

Im Ernst: Diese Reaktionen sind eigentlich etwas seltsam. Sind wir Schweizer doch ein Volk, das nicht unbedingt dafür berühmt ist, sorglos in den Tag hineinzuleben, das also durchaus risikobewusst und entsprechend solid versichert ist.

Wenn es nicht um den Lebensstil geht, sondern um die Gefahr von Unfällen, wird Präventionsgedanken ganz anders wahrgenommen: So lösen Kampagnen zur Prävention von Arbeitsunfällen keine Kontroversen aus.

Und auch sonst sind wir durchaus präventiv unterwegs:

Unsere berühmteste kulinarische Erfindung ist ein einziger Präventivschlag gegen alle möglichen Krankheiten:

Das Birchermüesli! Das Birchermüesli enthält, nebst vielen gesunden Zutaten, auch noch zwei wichtige politische Erkenntnisse:

Erstens war Birchers Rohkostbewegung eine Bewegung der gehobenen Mittelschicht. Der Wohlhabenden, die sich um ihre Gesundheit Gedanken machten. Sie brachten die nötige Bildung mit sowie das Kleingeld für die nicht ganz billige Klinik von Doktor Bircher.

Das erinnert an die Gegenwart: die Debatte um einen gesunden Lebensstil scheint heute allgegenwärtig, aber sie erreicht leider längst nicht alle. Noch immer ist Prävention eine Frage der Bildung. Deshalb ist es zwingend, dass wir an einem Bewusstseinswandel arbeiten, der alle erfasst – auch die bildungsferneren Schichten der Gesellschaft.

Zweitens geht es in Sachen Ernährung, Bewegung und Genussmittel nie ganz ohne Widersprüche.

Man darf nicht allzu puritanisch sein – nicht einmal im Reformationsjahr 2017.

Im originalen Birchermüesli von Doktor Bircher wurde zwar der ganze Apfel geraffelt – mitsamt dem Kerngehäuse. Aber statt frischer Milch schreibt das Original-Rezept gezuckerte Kondensmilch vor.

Meine Damen und Herren

Wir treffen uns zum vierten Mal in diesem Rahmen. Im Wissen, dass in der Gesundheitspolitik Erfolge nur erzielt werden können, wenn ALLE Akteure ihre Verantwortung wahrnehmen.

Und in der Überzeugung, dass es unabhängig von unseren Positionen möglich ist, unser gutes Gesundheitssystem zu einem hervorragenden Gesundheitssystem zu machen. Und gleichzeitig die Kosten und Nutzen in ein besseres Verhältnis zueinander zu bringen.

Gerade weil es sich um Schnittstellenprobleme handelt, gerade weil Gesundheitspolitik ein so komplexes Feld ist – gerade deshalb ist schon viel erreicht, wenn das Bewusstsein für die Probleme vorhanden ist.

An der ersten Konferenz im September 2013 haben wir die neue Strategie Gesundheit2020 des Bundesrates diskutiert und gemeinsam Prioritäten gesetzt. Dann haben wir uns der „koordinierte Versorgung“ und der „Fehlversorgung“ gewidmet. Und mitgeholfen beide Themen auf die politische und mediale Agenda zu setzen.

Nun geht es um die Prävention.

Meine Damen und Herren

Mehr als 2 Millionen Menschen leiden in der Schweiz an chronischen Krankheiten.

Von den über 50-Jährigen hat jede fünfte Person mehr als ein chronisches Leiden.

Chronische Krankheiten verursachen 80 Prozent der Gesundheitskosten. Tendenz steigend, denn es gibt immer mehr ältere Menschen.

Kurz: Nichtübertragbare Krankheiten sind die grösste Herausforderung für unser Gesundheitswesen. Und für unsere Gesellschaft insgesamt.

Die Hälfte dieser Krankheiten lassen sich durch einen gesunden Lebensstil vermeiden oder verzögern.

Bund, Kantone, die Gesundheitsförderung Schweiz und viele Partner haben deshalb die Strategie gegen nichtübertragbare Krankheiten erarbeitet.

Mit dieser neuen Strategie sollen die Ressourcen von Bund, Kantonen und privaten Akteuren künftig noch gezielter eingesetzt, ihre Aktivitäten optimal koordiniert, auf gemeinsame Ziele ausgerichtet sowie die Zusammenarbeit verbessert werden.

Bund, Kantone und private Akteure haben im November Massnahmen beschlossen.

Mit der Strategie wollen wir in den nächsten Jahren dafür sorgen, dass möglichst wenig Menschen in der Schweiz Krebs, Diabetes, Herz-Kreislaufprobleme, chronische Atemwegserkrankungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates bekommen.

Wer dennoch erkrankt, soll so wenig wie möglich darunter leiden und sich ein Höchstmass an Lebensqualität erhalten können.

Gleichzeitig zielt die Strategie auf die ständig steigenden Gesundheitskosten. Vorbeugen ist effizienter und damit günstiger als heilen.

Man kann natürlich fragen, wie neu die neue Strategie ist.

Immerhin hat der grosse Mediziner Galen von Pergamon eine ausführliche Theorie des gesunden Lebens formuliert.

Galen führt an, dass viele Krankheiten nicht der Natur zuzuschreiben seien, sondern ihre Ursachen in menschlichen Faktoren hätten – etwa in einem ungesunden Lebensstil des jeweiligen Menschen, seiner Eltern oder der gesellschaftlichen Umgebung, in der man aufgewachsen ist.

Falls jetzt Skeptiker ein Gefälligkeitsgutachten wittern, kann ich sie beruhigen: Galen hat das NICHT im Auftrag des BAG geschrieben. Im 2. Jahrhundert nach Christus gab es noch kein BAG. Ich hoffe, dieser Hinweis hilft – im postfaktischen Zeitalter ist auch das leider nicht mehr sicher…

Fakt ist: Galens Einsicht, dass man Krankheiten bis zu einem hohen Grad vorbeugen kann, ist zeitlos. Und sie ist zeitlos wahr.

Meine Damen und Herren

Wir beginnen bei der Bekämpfung der nichtübertragbaren Krankheiten nicht bei null: Dank den nationalen Programmen „Tabak“, „Alkohol“ sowie „Ernährung und Bewegung“ hat sich die Zahl der Raucherinnen und Raucher nach einem starken Rückgang in den letzten Jahren stabilisiert. Auch der risikoreiche Alkoholkonsum ist zurückgegangen – insbesondere bei den Jugendlichen. Und nicht zuletzt ist die Zahl der Menschen, die regelmässig körperlich aktiv sind, gestiegen.

Dass sich dies auch volkswirtschaftlich auszahlt, zeigt eine Studie der Universität Neuenburg und der Fachhochschule Zürich: Jeder investierte Präventionsfranken spart im Bereich Tabak 41 Franken an Gesundheitskosten ein, im Bereich Alkohol sind es 23 Franken. 4‘000 Prozent beziehungsweise 2‘200 Prozent Rendite Das dürfte weltweit einmalig sein – und das nicht nur in Zeiten von Tief- oder Negativzinsen…

Umso erstaunlicher ist, dass die geschäftstüchtige Schweiz im internationalen Vergleich relativ wenig Geld ausgibt für Prävention. 2013 waren es 2,2 Prozent der Ausgaben im Gesundheitswesen. In der OECD liegt der Durchschnitt bei 3,1 Prozent.

Meine Damen und Herren

Die NCD-Strategie bündelt die Kräfte und erhöht die Effizienz.

Sie wird bis 2024 mit einem Massnahmenplan von Bund, Kantonen, der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz und weiteren Akteuren umgesetzt.

Die Prävention konzentriert sich dabei auf drei Aktionsfelder: Auf die allgemeine Bevölkerung, die Gesundheitsversorgung und die Wirtschafts- und Arbeitswelt.

Mesdames et Messieurs,

Pour commencer, j’aimerais vous présenter brièvement ces trois champs d’action.

Premier champ d’action : au quotidien, il importe que chacun adopte une hygiène de vie ayant des effets positifs sur sa santé. Mais pour ce faire, les repères manquent parfois.

Et dans ce domaine, nous avons déjà une grande expérience grâce aux différents programmes nationaux et cantonaux réalisés ces dernières années. Nous savons par exemple que les fumeurs sont plus exposés aux risques liés à l’alcool que les non-fumeurs.

L’approche des programmes nationaux a ainsi été modifiée pour englober les différentes addictions. Les programmes qui doivent se développer sur les lieux de vie, de travail et de loisirs cibleront désormais aussi en particulier les personnes cumulant plusieurs facteurs de risques.

Deuxième champ d’action : la médecine de premier recours

La prévention doit être mieux intégrée dans la médecine de premier recours.

Le personnel soignant, les généralistes et les pédiatres jouent un rôle capital. Ils voient les patients régulièrement et peuvent les aider à améliorer leur hygiène de vie.

La prévention va par ailleurs être mieux intégrée dans la formation du personnel de santé.

Troisième champ d’action : le monde du travail

La collaboration volontaire avec les entreprises va encore être renforcée. Un exemple est l’initiative actionsanté avec les producteurs et distributeurs du secteur alimentaire suisse. Ceux-ci s’engagent à réduire la teneur en sel du pain et la teneur en sucre des yaourts et des céréales de petit-déjeuner. Dans ce domaine, la déclaration d’intention signée par la Confédération avec les producteurs et les distributeurs suisses de produits alimentaires en 2015 à l’Exposition universelle de Milan fait référence.

Mais il ne s’agit pas seulement de fabriquer des produits plus sains. Il s’agit aussi d’améliorer l’environnement de travail des employés.

Ici, la gestion de la santé en entreprise joue un rôle prépondérant.

Un employé sur quatre est stressé, voire épuisé, et les jeunes employés le sont encore plus souvent que les autres.

Cela doit nous interpeller, et pas seulement en raison du coût que cela représente, soit plus de 5 milliards de francs par an, mais parce que derrière les chiffres, il y a surtout des souffrances.

De nombreuses entreprises ont remarqué qu’il est dans leur propre intérêt que leurs collaborateurs restent en bonne santé, afin que leur productivité se maintienne.

Elles seront certainement confortées dans leurs certitudes avec les exemples qui leur seront présentés au cours de cette conférence.

Tous montrent explicitement que la prévention n’est pas un concept, ni un idéal. C’est devenu un thème concret qui fait partie intégrante des préoccupations et du quotidien de l’entreprise. Et ses effets sont eux aussi bien concrets.

La stratégie bénéficie d’un large soutien. Elle a été élaborée par l’Office fédéral de la santé publique, la Conférence des directrices et directeurs cantonaux de la santé et la fondation Promotion Santé Suisse. Une pluralité d’autres acteurs, notamment Santé publique Suisse et l’Alliance pour la santé en Suisse ont aussi participé.

Cette vaste collaboration montre à quel point l’engagement contre les maladies non transmissibles est important.

Et que l’on (re)connaît désormais les plus-values bien réelles de la prévention. Tous les intervenants doivent tirer à la même corde en exploitant toutes les synergies possibles.

Mesdames et Messieurs,

La lutte contre les maladies non transmissibles est un combat qui mérite que nous nous engagions sans jamais baisser les bras : Nous pourrons ainsi économiser des montants considérables …mais nous pourrons aussi et surtout prévenir de grandes souffrances.

La prévention est un combat de longue haleine. Qui a besoin de temps pour porter ses fruits. Cette nouvelle stratégie porte sur huit ans.

La prochaine étape consiste à disposer le plus vite possible de projets convaincants et bien coordonnés dans les trois domaines de la stratégie.

C’est la raison pour laquelle nous sommes réunis ici.

Aujourd’hui, ce sont les acteurs et leurs contributions qui sont sur le devant de la scène. Et je suis convaincu que les exemples qui seront présentés vont motiver chaque participant à mettre la main à la pâte.

Nous entendons présenter des résultats mesurables avant 2020, année du premier rapport intermédiaire.

Pour y arriver, la Confédération continue à mettre à disposition 3,95 millions de francs par an, auxquels il faut ajouter les montants : du Fonds de prévention du tabagisme, de la dîme de l’alcool, et de la fondation Promotion Santé Suisse.

Il est capital que l’économie apporte sa pierre à l’édifice. En garantissant de bonnes conditions de travail et en proposant des produits sains.

Meine Damen und Herren

OB wir Prävention betreiben oder nicht, ist schon längst nicht mehr die Frage. Die Frage ist: WIE wir sie betreiben.

Nämlich nicht als fürsorgliche Bevormundung des Staates oder indem wir Menschen für ihr Verhalten stigmatisieren.

Sondern indem wir die Möglichkeit schaffen, selbstverantwortlich vernünftige Entscheidungen zu treffen. Das ist ganz konkret zu verstehen, etwa mit gesunden Menus in den Schulen oder sicheren Velowegen.

Eigenverantwortung kann nur wahrnehmen, wer weiss wie man sich gesund verhält und die Möglichkeiten dazu hat: Die Wahl, gesund zu leben muss einfach sein.

Meine Damen und Herren

Wir mussten schmerzhaft zur Kenntnis nehmen, dass in vielen Ländern der entwickelten Welt ZWEI Gesellschaften leben.

Wir leben in Zeiten, in denen die Gesellschaften auseinanderdriften.

Das gilt punkto Einkommen und beruflichen Perspektiven.

Aber es gilt eben auch, was das Gesundheitsbewusstsein und den Lebensstil angeht.

Natürlich kann man nicht einfach sagen: Wir haben auf der einen Seite übergewichtige Menschen mit gesundheitlichen Problemen und auf der anderen Seite sportliche und gesundheitsbewusste Menschen.

Aber die Ungleichheit wächst. Und extreme Ungleichheit ist gefährlich für den Zusammenhalt einer Gesellschaft und führt zu enormen Kosten etwa für Gesundheit und Sicherheit.

Die Bildung ist ungleich verteilt, auch die Bildung in Sachen Gesundheit. Und damit die Chancengleichheit.

Vielleicht sollten wir nicht mehr von „Prävention“ reden – sondern von „Gesundheitschancengleichheitsförderung“.

Das würde weniger Angriffsfläche bieten. Aber leider kann man als Romand dieses Wort kaum aussprechen. Das überfordert mein Frühdeutsch. Also bleibe ich doch beim Wort Prävention… Auch geübten deutschen Zungen zu Liebe.

Meine Damen und Herren

Muss man Idealist sein, um Prävention zu fördern? Nein – Realist sein genügt.

Denn die Kosten nichtübertragbarer Krankheiten sind real. Ebenso die Beschwerden der Menschen, die an diesen Krankheiten leiden.

Es ist deshalb nur realistisch, die Aufwendungen für ein gesundes Leben nicht als Kosten zu verbuchen. Sondern als lohnende Investition in die Bevölkerung.

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