Berne
Manuscrit, non publié à l’époque. Texte établi d’après l’exemplaire de lecture. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.
Discours prononcé en allemand et en italien. Texte original, non traduit.
Meine Damen und Herren
Der US-Kaufhauspionier John Wanamaker sagte einmal: „Ich weiss, die Hälfte meines Werbeetats ist hinausgeworfenes Geld. Ich weiss nur nicht, WELCHE Hälfte.“
Die Sponsoren des Filmfestivals Locarno muss das aber nicht irritieren – sie können sich entspannen.
Denn von ihren Beiträgen sind BEIDE Hälften gut investiert: In oft hervorragende Filme. In den Tessiner Tourismus. Und nicht zuletzt in die Kohäsion unseres Landes.
Denn das Filmfestival Locarno ist ein Anlass, der mehr ist als ein Event: nämlich ein nationales Selbstgespräch. Ein Ort der Debatte und des Dialogs, die die Milieugrenzen überschreitet. Ja, das Filmfestival von Locarno ist eine Schweiz im Kleinen.
Das klingt bescheiden – besonders in dieser Zeit der Superlative.
Aber Sie kennen ja die Schweizer Bescheidenheit: Sie ist ziemlich selbstbewusst.
Wir sind nämlich nicht nur bescheiden. Wir sind bescheidener als andere.
Ich erinnere mich an eine Schlagzeile über Roger Federer: „Der bescheidenste Sieger aller Zeiten!“
Die USA und die Schweiz sind ja nicht zufällig Schwesterrepubliken: Trumps USA sind das Allergrösste – und wir sind die Allerbescheidensten.
Im Ernst: Locarno verkörpert diese unbescheidene Bescheidenheit der Schweiz perfekt. Es sind internationale Stars eingeladen – aber die Filme stehen im Vordergrund. Man spielt selbstverständlich in der Top-Liga mit, obwohl man kleiner ist als Cannes oder Berlin. Locarno will die Nummer vier bleiben und nicht zur Nummer eins werden – das hat Stil in einer Welt, in der alle nach Superlativen streben. Locarno weiss, was es will – und das erreicht es auch zuverlässig. Das Filmfestival von Locarno ist ein Juwel mit enormer Ausstrahlung. – und damit eine der besten Marken, mit denen man sich als Sponsor assoziieren kann.
Schon vor 70 Jahren hat die Qualität des Festivals überzeugt. Mein Vorvorvorvorvorvorvor-Vorgänger im Eidgenössischen Departement des Innern, Bundesrat Philipp Etter wünschte Im Frühling 1948 „Aufschluss über den Sinn und Zweck des Festivals in Locarno.“ Und zwar von der Schweizerischen Filmkammer, der halbamtlichen Kommission mit dem Ziel, das Schweizer Filmschaffen zu fördern.
Die Organisation habe ihm – Zitat – „einen sehr guten Eindruck gemacht“, schrieb Hugo Mauerhofer, der Vorsteher des Sekretariats der Filmkammer zurück. Locarno sei es gelungen, „sich in der internationalen Filmwelt einen erstklassigen Namen zu schaffen.“
In typisch Schweizerischer Bescheidenheit fügte Mauerhofer hinzu: Er sei „sowohl aus Gründen der Arbeit wie auch der Reisespesen“ nur vier Tage über das Wochenende in Locarno gewesen. Einen verbindlichen Bericht könne er deshalb erst im nächsten Jahr liefern.
Meine Damen und Herren
Mit Ihrem Engagement tragen Sie zu etwas sehr Besonderem bei: dass wir im Kino alle zusammen träumen können. Dass man Freude, Ärger, Spannung miteinander teilt – vor der Leinwand und auch abseits davon.
Zusammen erleben, zusammen reflektieren: Das wird in einer Welt noch wichtiger, die stark in Bewegung ist. Und in der Überraschungen und Zäsuren die neue Normalität bilden.
In Locarno erfindet sich die Schweiz jedes Jahr wieder ein Stück weit neu.
Locarno hat eine enorme kulturelle Bedeutung für die Schweiz – und natürlich ganz besonders für das Tessin.
Und es ist gleichermassen unverzichtbar für die einheimische Filmszene wie für das anspruchsvolle internationale Filmschaffen.
Ohne Sie, die Sponsoren, hätte das Filmfestival nicht diesen Rang und diese Ausstrahlungskraft.
Dafür danke ich Ihnen.
Signore e Signori,
come dimenticare il Presidente?
Marco Solari è – in tutta modestia – una vera fortuna per il Festival del film di Locarno.
E anche lui è una Svizzera in miniatura.
Figlio di padre ticinese e di madre originaria dell’Emmental, porta in sé i due lati del confine più importante d’Europa: quello tra Nord e Sud.
Marco Solari hat einmal gesagt, seine Aufgabe sei es einfach, die Finanzierung sicherzustellen und, ich zitiere: „den ganzen Zirkus zusammenzuhalten.“
Da haben wir sie wieder: Diese typisch helvetische Bescheidenheit!
Im Ernst: Das ist eine grosse Leistung, über viele Jahre auf einem soliden Fundament erbracht – und das hoffentlich noch lange.
Damit ist alles gesagt und wir können uns jetzt den Filmen zuwenden…
Nein, leider ist es erst März und noch nicht August. Und da das Schweizer Volk sogar 6 Wochen Ferien abgelehnt hat, muss man davon ausgehen, dass 4 Monate an der Urne erst recht abgelehnt würden…
Also heisst es: Zurück zu unserem jeweiligen Zirkus – aber die Vorfreude auf den August wird uns bei unserer Arbeit begleiten.
Vielen Dank.