Locarno

Manuscrit, non publié à l’époque. Texte établi d’après l’exemplaire de lecture. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.

Discours prononcé en allemand, anglais et français. Texte original, non traduit.

Locarno 2017 Leopardenclub

Meine Damen und Herren

Die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne ist im letzten Jahr wieder gesunken. Von 12 auf 8 Sekunden.

Vielen Dank und einen schönen Abend!

Nein, im Ernst: Kanadische Forscher haben jetzt herausgefunden, dass im Zeitalter des Smartphone die Menschen sich weniger lang konzentrieren können als Goldfische… Was kann man da noch sponsern?

Zum Beispiel das Filmfestival von Locarno! Wo die Leute – freiwillig! – lange Filme sehen. Und sich mit diesen Werken vertieft auseinandersetzen. Gewiss, ganz sicher kann man sich natürlich nicht sein als Sponsor, da man die Wirkung nie ganz zuverlässig messen kann. Der US-Kaufhauspionier John Wanamaker sagte einmal: „Ich weiss, die Hälfte meines Werbeetats ist hinausgeworfenes Geld. Ich weiss nur nicht, welche Hälfte.“

Die Sponsoren des Filmfestivals Locarno muss das aber nicht irritieren – sie können sich entspannen.

Denn von ihren Beiträgen sind beide Hälften gut investiert: In oft hervorragende Filme. In den Tessiner Tourismus. Und nicht zuletzt in die Kohäsion unseres Landes.

Meine Damen und Herren

Denn das Filmfestival Locarno ist ein Anlass, der mehr ist als ein Event: nämlich ein Ort der Debatte und des Dialogs über die Milieugrenzen hinweg. Ja, das Filmfestival von Locarno ist eine Schweiz im Kleinen.

Das klingt bescheiden – besonders in dieser Zeit der Superlative.

Aber Sie kennen ja die Schweizer Bescheidenheit: Sie ist ziemlich selbstbewusst. Wir sind nämlich nicht nur bescheiden. Wir sind bescheidener als andere.

Ich erinnere an eine Schlagzeile über Roger Federer: „Der bescheidenste Sieger aller Zeiten!“ Die USA und die Schweiz sind ja nicht zufällig Schwesterrepubliken: Trumps USA sind das Allergrösste – und wir sind die Allerbescheidensten.

Im Ernst: Locarno verkörpert diese unbescheidene Bescheidenheit der Schweiz perfekt. Deshalb nennt es sich nicht mehr Film Festival, sondern ganz einfach: Locarno Festival.

Es sind internationale Stars eingeladen – aber die Filme stehen im Vordergrund.

Man spielt selbstverständlich in der europäischen Top-Liga mit, obwohl man kleiner ist als Cannes, Venedig oder Berlin.

Locarno will Locarno bleiben und nicht zur Nummer eins werden – das hat Stil in einer Welt, in der alle nach Superlativen lechzen. Locarno weiss, was es will – und das erreicht es auch zuverlässig.

Meine Damen und Herren

Dear Adrien Brody,

we feel honoured to have you amongst us.

Watching ‘The Pianist’ I thought it looked as if you were really playing Chopin. No wonder, you really were playing Chopin, as I later found out. Although I believe you tend to prefer different styles of music.

I enjoy playing a bit myself. I hope you find enough time (in your busy schedule) to play.

Mesdames et Messieurs,

Le cinéma nous permet de rêver ensemble. De partager la joie, la colère, la tension – devant l’écran, mais aussi après la projection.

Vibrer ensemble, réfléchir ensemble, c’est encore plus important dans un monde en mutation. L’époque où les festivals de cinéma ne réunissaient qu’un cercle fermé de spécialistes et de critiques est révolue.

Ces festivals sont désormais des événements importants, qui nous aident à découvrir un peu mieux qui nous sommes. À appréhender la société, le monde dans lequel nous vivons.

Car il n’y a rien de pire que se sentir trompé sur la marchandise.

Et pour citer John Wanamaker, encore lui, qui décidément en connaissait un rayon sur la psychologie humaine : « Tout ce qui peut être perçu comme une tromperie coûte cher, non seulement en termes publicitaires, mais aussi et surtout parce que les clients se sentent floués. »

Aucun risque pour le spectateur de se sentir floué ici à Locarno, là où le cinéma lève un coin du voile sur la réalité.

Je vous remercie.

Icônes : Icons8