Berne
Manuscrit, non publié à l’époque. Texte établi d’après l’exemplaire de lecture. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.
Discours prononcé en allemand et en français. Texte original, non traduit.
Sehr geehrte Präsidentin
Sehr geehrter Direktor von Pro Familia Schweiz
Meine Damen und Herren
Ich danke Ihnen für die Einladung an dieses Geburtstagsfest.
Wenn alle mit 75 noch so aktiv wären wie Pro Familia Schweiz, bräuchte es keine Rentenreform. Ich hoffe, Sie verzeihen mir diese Abschweifung – aber die Abstimmung steht bekanntlich kurz bevor. Inzwischen verfolgen mich die Umwandlungssätze und Koordinationsabzüge überall hin…
Im Ernst: Ich freue mich hier bei Ihnen zu sein.
Rückblicke sind ja immer auch Ausblicke.
Wenn wir uns die familienpolitische Situation in Ihrem Gründungsjahr 1942 vor Augen führen, stellen wir einerseits gewaltige Veränderungen und substantielle Fortschritte fest.
Aber wir realisieren auch, dass die Bretter, die wir in der Familienpolitik bohren, besonders dick sind.
So dauerte es Jahrzehnte, bis endlich eine Mutterschaftsversicherung eingeführt wurde.
Eine familienfreundliche Schweiz kam und kommt nicht von selber.
In den letzten 15 Jahren wurde aber einiges erreicht, auch dank der Unterstützung und Mitarbeit von Pro Familia. Zum Beispiel: das Bundesgesetz über Finanzhilfen für familienergänzende Kinderbetreuung die Einführung der Mutterschaftsentschädigung das Familienzulagengesetz und die Revisionen des Familienrechts.
Sie nutzen Ihr Jubiläum, um in die Zukunft zu blicken.
Tatsächlich bleibt noch viel zu tun.
Zentral bleibt eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit: Zwar wurde hier in den letzten 15 Jahren viel erreicht. Mehr als 54’000 neue Betreuungsplätze wurden geschaffen. Der Bund hat diese mit 350 Millionen Franken unterstützt.
Die Kosten für die familienexterne Kinderbetreuung sind aber für viele zu hoch. Zudem sind die Angebote noch zu wenig auf die Bedürfnisse der Eltern ausgerichtet. Hier besteht deutlicher Nachholbedarf.
Deshalb hat der Bundesrat vor einem Jahr 100 Millionen Franken zur Verfügung gestellt und das Parlament hat diese in der Sommersession bewilligt. Das Gesetz soll im Sommer 2018 in Kraft treten.
Mit dieser Anstossfinanzierung können die Kantone die Beiträge für die Eltern vergünstigen. Und Kantone und Gemeinden können die Angebote für berufstätige Eltern verbessern. Etwa mit Tagesschulen oder Ferienbetreuung.
Ein zweites Thema ist der Vaterschaftsurlaub. Sie haben die Initiative «Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub – zum Nutzen der ganzen Familie» mitinitiiert.
Die Initiative ist zu Stande gekommen und ich freue mich auf die Diskussion, die sie damit auslösen. Über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Über die Bedürfnisse der Väter und der Mütter in einer sensiblen Lebensphase. Aber auch und vor allem über die Bedürfnisse der Kinder. Und über die Vor- und Nachteile für die Arbeitgeber.
Ich bin überzeugt, dass uns diese Diskussion weiterbringen wird.
Es braucht aber auch Fortschritte im Gesundheitswesen. Zum Beispiel bei der Betreuung von Familienangehörigen. Die Pflege und Betreuung kranker Familienmitglieder durch Angehörige wird künftig noch wichtiger.
Die Gründe sind eigentlich erfreuliche Entwicklungen: Wir werden immer älter. Das heisst aber auch, dass die Zahl der Menschen mit chronischen Krankheiten zunimmt. Die Erwerbsquote der Frauen steigt. Das heisst aber auch: Die Frauen, die diese Pflegearbeit vor allem übernommen haben, können dies nicht mehr in gleichem Umfang tun.
Der Bundesrat will die Bedingungen für betreuende und pflegende Angehörige verbessern. Unterstützungs- und Entlastungsangebote im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in der Arbeitswelt sollen ausgebaut werden.
Dafür hat der Bundesrat im Rahmen der Fachkräfteinitiative ein Förderprogramm lanciert. Ein wichtiges Ziel ist, dass pflegende Angehörige ihre Erwerbstätigkeit beibehalten können.
Auch in Zukunft wird es ein starkes Engagement und ein grosses Durchhaltevermögen brauchen. Den Willen schwierige Debatten zu führen. Zum Beispiel Über einen höheren Abzug für die Kinderbetreuung durch Dritte. Oder darüber, dass alle Familien mit Kindern gerecht besteuert werden, unabhängig davon, welches Familienmodell sie gewählt haben. Beide Vorlagen sind hängig.
Umso mehr bedaure ich, dass im Rahmen des laufenden Sparprogrammes des Bundes auch der Kredit „Familienorganisationen“, betroffen ist – und damit auch Pro Familia Schweiz eine schmerzhafte Kürzung der Finanzhilfen droht.
Sicher ist – und von niemandem zu bestreiten: Eine Gesellschaft, die das Potenzial der Frauen und Männer – sowohl im Beruf als auch in der Familie – nicht voll nutzt, ist weder eine moderne noch eine gerechte Gesellschaft.
Und klar ist auch: Die Gefahr von Rückschritten ist nie gebannt. Das gilt für die Familienpolitik als Ganze. Das gilt für die Stellung der Frauen und Männer in der Familie, im Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft. Und es gilt auch für andere gesellschaftspolitische Errungenschaften, wie die Sicherheit unserer Renten.
Und damit, meine Damen und Herren, bin ich wieder bei der Reform der Altersvorsorge und der Abstimmung vom 24. September.
Die Reform betrifft alle. Viel wird diskutiert über die Jungen. Über die heutigen Rentnerinnen und Rentner.
Nötig ist aber ein Blick auf das Ganze. Zum Beispiel auf die Familie.
Dazu reicht ein Blick zurück in die Zeit vor der Einführung der AHV. Damals war es Aufgabe der Familien zu den älteren Familienmitgliedern zu schauen.
Die junge Generation profitiert von der Reform, weil eine unfaire Umverteilung in der 2. Säule stark reduziert wird. Heute finanzieren die Berufstätigen die Renten der Pensionierten mit über einer Milliarde Franken jährlich. Obwohl in der Pensionskasse eigentlich jeder für sich spart. Die Gründe sind bekannt: Die Renditen sind zu klein, um die gesetzlich vorgeschriebene Rente zu erwirtschaften.
Die Rentnerinnen und Rentner wiederum profitieren, weil eine solide finanzierte AHV nur in ihrem Interesse sein kann. Sie haben die Solidarität gelebt, als sie erwerbstätig waren. Deshalb muss das Niveau ihrer Renten erhalten bleiben und laufend der Teuerung angepasst werden. Ein Mann, der mit 65 in Rente geht hat noch eine Lebenserwartung von 20, eine Frau von 22 Jahren.
Wir müssen diesem Generationenvertrag Sorge tragen: Wir müssen ihn sichern Und ihn rechtzeitig den heutigen Bedürfnissen anpassen.
Heute übernehmen viele Grossmütter und Grossväter eine wichtige Funktion in der Betreuung der Enkelkinder. Und ermöglichen es damit vielfach beiden Elternteilen, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.
Es ist eine grosse soziale Errungenschaft, dass es heute unseren älteren Mitmenschen gut geht.
Heute wäre Altersarmut für ein reiches Land wie die Schweiz eine Schande. Und es wäre auch ein Versagen in der Familienpolitik. Mesdames et Messieurs,
Ce qui compte, ce ne sont pas les grandes promesses populistes ou les beaux discours patriotiques. Ce sont les réalités sociales.
Pro Familia est au plus proche des réalités sociales. C’est pourquoi elle compte parmi les acteurs incontournables de la politique familiale.
Votre engagement à tous : dans la défense et la reconnaissance des différents modèles familiaux, ou en faveur de la conciliation entre famille et travail, répond aux besoins concrets des familles.
Votre engagement fait aussi avancer la cause de la politique familiale : dont la mission touche à de nombreux domaines politiques, et qui doit pouvoir compter sur la responsabilité de tous ses acteurs.
Je vous remercie de cet engagement.
Et vous adresse mes sincères félicitations à l’occasion de ce 75e anniversaire.