Berne
Manuscrit, non publié à l’époque. Texte établi d’après l’exemplaire de lecture. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.
Discours prononcé en allemand et en français. Texte original, non traduit.
Sehr geehrte Damen und Herren Regierungsräte, Stadträte und Gemeinderäte
Sehr geehrte Damen und Herren
Sie kennen sicher Obelix. Von Beruf Produzent und Lieferant von Hinkelsteinen. Manchmal etwas einfältig, häufig emotional. Aber nicht dumm.
Er sagt: Moi je suis tranquille ! Jamais une femme ne pourra me remplacer. Tailler des menhirs, c’est un travail bien trop délicat !
Obelix ist sicher: Es gibt Arbeiten für Frauen und Arbeiten für Männer.
Im Gallischen Dorf, da sind die Frauen zuständig fürs Aufräumen und Saubermachen, während die Männer die Römer verhauen. Oder wie im zwölften Band in Griechenland an den Olympischen Spielen teilnehmen, wo keine Frauen zugelassen sind.
Und es dauert lange – sehr lange – bis sich daran etwas ändert. Es dauert genau bis zu Band 19 als der Seher Lügfix ins gallische Dorf kommt. Die Frauen erhalten erstmals den Zaubertrank und kämpfen gemeinsam mit ihren Männern gegen die Römer.
Und es dauert nochmals zehn Hefte bis die Frauen die Bardin Maestria ins Dorf holen, um sich von der „Tyrannei des Mannes“ zu befreien. Sie ziehen Hosen an und verlangen einen Sitz im Dorfrat.
Mit der Ankunft von Maestria gerät in Gallien die göttliche Ordnung ins Wanken.
Ausser eben bei Obelix.
Womit wir bei der entscheidenden Frage angelangt sind:
Wie viel verdient eigentlich Obelix für seine heikle Arbeit an den Hinkelsteinen? Und wieviel Maestria, die – nicht weniger délicat – die Mädchenschule im Dorf führt?
Meine Damen und Herren
Sie wissen, dass die Gleichstellung der Geschlechter nicht nur in Asterix‘ Gallien, sondern auch in der Schweiz eine lange und leidvolle Geschichte hat.
Seit 1981 ist die Gleichstellung in der Verfassung verankert. Und seit 21 Jahren ist der Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit im Gleichstellungsgesetz ausgeführt.
Doch Lohnungleichheit ist eine Realität, auch im öffentlichen Sektor: Hier besteht eine durchschnittliche Lohndifferenz von 16.6 Prozent. Das sind 1‘457 Franken pro Monat.
849 Franken können durch objektive Faktoren wie berufliche Stellung, Dienstjahre oder Ausbildungsniveau erklärt werden.
Es verbleibt jedoch ein unerklärter, geschlechtsspezifischer Lohnunterschied von 608 Franken
608 Franken Lohneinbusse pro Monat – das ist unfair für die Frauen.
Aber nicht nur das. Es hat auch Konsequenzen für die ganze Gesellschaft. Es bedeutet: weniger Rente für viele Frauen, weniger Einkommen für viele Familien, Unfairer Wettbewerb zwischen Unternehmen, und eine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Lohnungleichheit ist ein nationales Problem.
Die Förderung der Lohngleichheit ist eine nationale Aufgabe.
Sie ist Teil einer Politik der gerechten Lebenschancen und der sozialen Sicherheit. Und diese Werte gehören zum Fundament unseres Landes.
Wettbewerbsfähigkeit mit sozialem Ausgleich zu verbinden: das ist nicht nur moralisch richtig, sondern auch wirtschaftlich klug.
Wenn man sich die Liste mit den wettbewerbsfähigsten Ländern der Welt ansieht, dann merkt man: Sie machen genau dies. Die Schweiz Die nordischen Länder. Etwas weniger ausgeprägt auch die USA.
Denn die soziale Sicherheit und die soziale Gerechtigkeit geben uns die Freiheit, Neues auszuprobieren. Sie geben uns Vertrauen – in uns und unsere Gesellschaft.
Auffällig ist auch: In diesen Ländern ist die Stellung der Frau stark. Man kann sagen: Je stärker die Stellung der Frau im Arbeitsmarkt, desto stärker die wirtschaftliche Leistung.
Wir profitieren gesellschaftlich und wirtschaftlich davon, wenn die Menschen sicher sein können, dass das soziale Netz hält. Wir profitieren, wenn wir die Fairness verbessern.
Zum Beispiel: Nur wenn die Frauen sicher sein können, dass sie fair entlöhnt werden, werden sie sich auch stärker im Arbeitsleben engagieren. An der Lohngleichheit zeigt sich deshalb auch, ob wir wirklich ernsthaft etwas gegen den Fachkräftemangel tun wollen.
Lohngleichheit ist schliesslich auch wichtig, wenn wir unsere Sozialwerke den gesellschaftlichen Bedürfnissen anpassen wollen. Das gleiche Rentenalter für Frauen und Männer zum Beispiel wird nur akzeptiert, wenn die Fortschritte bei der Lohngleichheit deutlich sind.
Erlauben Sie mir daher eine Bemerkung zu den Spardiskussionen: Es wäre nicht klug bei jenen Institutionen zu sparen, die sich für die Lohngleichheit einsetzen. Zum Beispiel beim Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann, dem eine starke Kürzung droht, wie man hört.
Mesdames et Messieurs,
La Confédération s’engage activement afin de mieux concilier vie familiale et vie professionnelle. Ces quatorze dernières années, elle a ainsi créé plus de 56 000 nouvelles places d’accueil pour un total de 363 millions de francs.
En juin dernier, les deux Chambres ont en outre approuvé un budget de 100 millions de francs pour deux nouveaux instruments d’encouragement.
Ces moyens financiers supplémentaires vont notamment permettre de soutenir des projets visant à mieux adapter l’offre d’accueil aux besoins des parents. Les dispositions correspondantes devraient entrer en vigueur à la mi-2018.
Pour sa part, la Confédération en tant qu’employeur offre des formes de travail flexibles, comme le temps partiel ou le télétravail. Les employés peuvent en outre réduire leur taux d’activité après la naissance d’un enfant. Un soutien financier est en outre accordé pour l’accueil extrafamilial des enfants.
Évidemment, l’égalité salariale est garantie. L’administration fédérale a notamment intégré le contrôle régulier des salaires. Elle effectue actuellement, pour la deuxième fois, une analyse Logib – avec la participation des partenaires sociaux.
Enfin, la Confédération exige que les quelque 30 000 entreprises avec lesquelles elle travaille, garantissent elles aussi l’égalité salariale de leurs employés. Les entreprises de plus de 50 personnes doivent ainsi être en mesure de certifier que l’égalité est respectée pour pouvoir obtenir tout mandat d’un certain montant. Le respect des engagements est contrôlé par le Bureau fédéral de l’égalité entre femmes et hommes.
Les administrations publiques ne peuvent pas se reposer sur leur système salarial avec ses classes clairement définies. Une grille de salaires n’a jamais suffi à empêcher la discrimination salariale.
Il faut tout d’abord régulièrement évaluer si les systèmes salariaux sont encore d’actualité. Plusieurs cantons l’ont fait et souvent, ils ont ensuite revalorisé certaines fonctions plutôt exercées par des femmes.
Avec Logib, la Suisse dispose d’un instrument éprouvé pour évaluer l’égalité salariale. Reconnu au niveau international, il est constamment adapté et optimisé, afin d’en faciliter l’utilisation.
Avec Argib, la Confédération disposera en outre bientôt d’un instrument de contrôle de l’égalité spécialement adapté aux petites et aux moyennes entreprises. Il permettra d’analyser la situation dans les structures de moins de 50 employés. De nombreux cantons et villes avaient demandé la création d’un tel outil. C’est désormais chose faite et la phase pilote est en cours.
Meine Damen und Herren
Der öffentliche Sektor muss bei der Lohngleichheit Vorbild sein. Und er muss seinen Einfluss nutzen.
Die öffentliche Hand beschäftigt eine beträchtliche Anzahl Personen. Über 300‘000 Vollzeitstellen sind es bei Bund, Kantonen und Gemeinden. Im öffentlichen Beschaffungswesen der Schweiz werden jährlich Aufträge im Wert von 41 Milliarden Franken vergeben.
Viele Kantone, Gemeinden und staatsnahe Betriebe setzen sich für die Lohngleichheit ein und machen dieses Engagement auch sichtbar.
Bis heute haben fast die Hälfte aller Kantone und praktisch alle grossen Städte die Charta der Lohngleichheit unterzeichnet. Diese repräsentieren rund zwei Drittel der Bevölkerung der Schweiz.
Weitere Kantone und Gemeinden haben ihren Beitritt in Aussicht gestellt.
Es ist ja nicht so, dass die Charta Unerhörtes verlangen würde. Wie zum Beispiel einen Vaterschaftsurlaub…
Nein, die Charta ist typisch schweizerisch. Die Idee dahinter ist eine grosse: Es geht um Gerechtigkeit. Der Zugang dazu ist ganz pragmatisch: Jeder soll im eigenen Tempo mitmachen können.
Die Lohngleichheit ist ein ernsthafter Test für unsere Gesellschaft.
Lohngleichheit ist nicht nice to have. An der Lohngleichheit zeigt sich, wie ernst es uns als Gesellschaft mit der Gerechtigkeit ist.
Wollen wir diesen Test bestehen? Sie, meine Damen und Herren, haben die Antwort mit Ihrer Anwesenheit schon gegeben. Herzlichen Dank.