Vaduz
Manuscrit, non publié à l’époque. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.
Discours prononcé en allemand. Texte original, non traduit.
Durchlaucht
Königliche Hoheit
Herr Regierungspräsident
Herr Landtagspräsident
Meine Damen und Herren
Ich freue mich sehr, in Vaduz zu sein. Und ich danke herzlich für die Einladung!
Mein heutiger Besuch ist Anlass, um die enge Freundschaft unserer Länder zu feiern. Souveräne Staaten können sich nicht näher stehen als die Schweiz und Liechtenstein. Oder zumindest wüsste ich nicht, welche.
Unsere Staaten verbinden über 100 Abkommen in den verschiedensten Bereichen, von denen das älteste bald 100 Jahre Bestand hat.
Als Alpenländer teilen wir neben vielem andern die Liebe zum Wintersport. Teil des heutigen Programms war denn auch ein sportlicher Abstecher ins Ski-Gebiet von Malbun. Was mich an eine alte Skifahrer-Weisheit erinnert: „Lieber eine schwarze Piste als eine Graue Liste …“
Die ominöse Graue Liste in Steuersachen hat im vergangenen Herbst bekanntlich für Aufregung gesorgt. Dabei hat sich vor allem eines gezeigt: Auch in den besten Beziehungen kann es unerwartet ein bisschen knirschen. Dann ist es umso wichtiger, dass man sich kennt und austauscht. Und den Sand im Getriebe entfernt. Das ist uns gelungen. Die Relationen stimmen wieder.
À propos Relationen: Geographisch nicht sonderlich grosse Länder wie die unsrigen haben etliche Vorteile.
Zum einen können wir oft und zu Recht den schönen englischen Satz anbringen: „We punch above our weight.“
Zum andern sind unsere Grenzen immer so nahe, dass es naheliegend ist, über die Grenzen hinaus zu schauen. Wir sind es gewohnt von anderen zu lernen. Und voneinander.
Wir hatten heute im Laufe des Tages die Möglichkeit, uns über eine Vielzahl von Themen auszutauschen – wie dies der Tiefe der Beziehungen unserer Länder entspricht.
Wir sprachen über eine breite Palette von aktuellen Themen, wie beispielsweise die Digitalisierung, erneuerbare Energien, die Sozial- und Gesundheitspolitik, das Kulturerbejahr 2018 und über die Zusammenarbeit bei der Musikausbildung von Jugendlichen.
Ganz oben auf der Agenda stand auch die Europapolitik. Wir wissen alle um die trickreichen Details dieses Dossiers.
Es wird wenig über die längerfristigen Perspektiven gesprochen – zumindest in der Schweizer Öffentlichkeit.
Unabhängig von der künftigen Ausgestaltung der EU gewinnt man den Eindruck, dass derzeit wieder mehr Dynamik in der europäischen Integration vorherrscht. Zumindest lässt sich beobachten, dass die EU-Staaten ihre Zusammenarbeit weiter vertiefen. Es ist deshalb kein wolkiges Szenario, dass unsere Länder in einigen Jahren eine stärker integrierte EU als Nachbarin haben werden – und einander.
Sie, meine Damen und Herren, wissen bereits seit langem, was es heisst, mit wenigen und grösseren Nachbarn gut klar zu kommen.
Für das Selbstverständnis der Schweiz ist und bleibt der europäische Integrationsprozess eine grosse Herausforderung.
Ich bin optimistisch. Die direkte Demokratie erfordert, dass man die gewählten Wege immer wieder hinterfragt. Wir haben in unserer Geschichte einen gesunden Realitätssinn entwickelt. Unser System lehrt uns Kompromisse – und Kompromisse machen zukunftsfähig.
Insofern sind wir, die Schweiz und Liechtenstein, gut aufgestellt als souveräne, befreundete Staaten inmitten eines dynamischen Kontinents. Ich freue mich auf die weiteren Gespräche mit Ihnen heute Abend.
Ich erhebe mein Glas auf die Freundschaft und die Prosperität unserer Länder und ihrer Bevölkerung sowie auf die Gesundheit und das Wohlergehen von Ihnen allen!