Saint-Gall

Manuscrit, non publié à l’époque. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.

Discours prononcé en allemand. Texte original, non traduit.

Sehr geehrte Medienschaffende

Ich freue mich, heute mit meinen Kolleginnen und Kollegen hierher nach St. Gallen zu kommen. Die extra muros-Sitzungen des Bundesrates sind mittlerweile eine Schweizer Tradition. Nach und nach besuchen wir in diesem Rahmen als Gesamtbundesrat alle Gegenden des Landes. St. Gallen ist der zwölfte Kanton.

Das vielfältige St. Gallen widerspiegelt die Vielfalt der Schweiz. Mit der stark exportorientierten Wirtschaft. Mit einer weltweit führenden Universität. Mit einer starken Kulturszene, vom Stadttheater über das Sinfonieorchester bis zur Slam-Poetry. Mit lebendigen Traditionen und tollen Festen, wie der OLMA oder dem Open Air.

Hohes technisches Know-how, Bildung, Kultur und Tradition – das sind auch entscheidende Erfolgsfaktoren der Schweiz. St. Gallen ist selbstbewusst und ideenreich. Und so erlebe ich auch die Vertreterinnen und Vertreter des Kantons in Bundesbern.

Wenn ich richtig informiert bin, ist es das erste Mal seit der Bundesratsreise 1985 von Kurt Furgler, dass die Landesregierung in corpore in St. Gallen ist. Vielleicht kann sich der eine oder die andere noch daran erinnern…

Wobei wahrscheinlich von 1985 eher das Helikopter-Spiel im Espenmoos zwischen dem FC St. Gallen und Neuchâtel Xamax in Erinnerung geblieben ist. Als der Schiedsrichter vor den aufgebrachten Fans mit dem Helikopter aus dem Stadion gerettet wurde.

Wenn wir vom Erinnern sprechen: Derzeit ist oft von zwei Jahreszahlen die Rede: 1918 und 1968.

1918 steht für den Friedensschluss nach dem Ersten Weltkrieg, aber auch für einen zerstörten Kontinent, grosse soziale Not, eine schreckliche Grippe-Epidemie und für politische Auseinandersetzungen wie den Landesstreik.

St. Gallen traf es hart, unter anderem wegen des Niedergangs der Textilindustrie. 1918 ist für uns eine Warnung: Es zeigt, wo wir landen, wenn die internationale Zusammenarbeit misslingt, wenn Nationalismen dominieren, wenn wirtschaftlicher Strukturwandel nicht sozial begleitet wird.

Auch über 1968 ist derzeit viel zu lesen und zu hören. Es ist eine Chiffre für einen gesellschaftlichen Aufbruch.

In St. Gallen war 1968 unter anderem das Jahr, in dem das Stadttheater eröffnet wurde. Auch ein Aufbruch.

Anfang März hat St. Gallen beschlossen, diesen Theaterbau von Claude Paillard zu sanieren. Im Europäischen Jahr des Kulturerbes ist das auch ein Signal für die Pflege der Baukultur. Ein Aufbruch im Bestehenden.

Damit bin ich wieder bei der Gegenwart.

An der Bundesratssitzung werden wir nun gleich über eine grosse Breite an Themen diskutieren und entscheiden. Vor Augen haben wir dabei stets das Wohlergehen unseres Landes und der Menschen, die hier leben.

Nach der Sitzung trifft sich der Bundesrat dann zu einem Austausch, zuerst mit der St. Galler Bevölkerung und dann mit der St. Galler Regierung. Das ist das wichtigste Element dieser neuen Tradition. Ich freue mich auf angeregte Diskussionen.

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