Venise

Manuscrit, non publié à l’époque. Texte établi d’après l’exemplaire de lecture. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.

Discours prononcé en allemand et en français. Texte original, non traduit.

Meine Damen und Herren

Unsere Wohnung, unsere Privaträume:
Einst waren sie Refugien,
Lokalitäten des Rückzugs,
in denen wir Kraft tankten für den nächsten Tag im öffentlichen Raum.

Heute sind die gleichen Innenräume zu Sehnsuchtsorten mutiert.
Zu fast schon mythischen Gegenwelten.
Welten, von denen wir zumindest glauben, sie noch selber gestalten zu können.
Im Gegensatz zu den gesellschaftlichen Verhältnissen, die vielen als unveränderbar erscheinen.

Der Stellenwert der Innenräume hat sich verändert. Daran lassen sich die Zeichen der Zeit gut ablesen:
Die Wucht der Verdichtung und der Urbanisierung.
Die reale oder imaginierte Härte des öffentlichen Raumes.
Die disruptive Kraft der Globalisierung und der Digitalisierung,
Prozesse, die sich unserer Kontrolle entziehen.

Viele kommen angesichts dieser Entwicklungen zum Schluss:
Wir leben nicht mehr, wir werden gelebt.
Und was ist mit unserem Zuhause?
Wohnen wir noch – oder werden wir schon gewohnt?

Gewaltige Erwartungen werden auf unsere Innenräume projiziert.

Höchste Zeit, darüber nachzudenken, was das bedeutet: Unser Raum.
Kann er diesen ungeheuren Erwartungen überhaupt gerecht werden?
Wie beeinflusst die Wohnung unser soziales Leben und unseren Alltag?
Welchen Stellenwert, welche Individualität, welche Qualität hat der Innenraum?

Meine Damen und Herren

Fragen sind oft besser als Antworten.

Und das Projekt «Svizzera 240: House Tour» stellt viele Fragen.

Mit ihrem Projekt lädt das junge Quartett Alessandro Bosshard, Li Tavor, Matthew van der Ploeg und Ani Vihervaara die Besucher des Schweizer Pavillons zu einer Führung durch eine Wohnung ein:
Die Wohnungstour als Ritual,
wo der Makler den zukünftigen Mieter überzeugt
oder der Gastgeber sein neues Zuhause vorstellt.

Die «House Tour» stellt gleichermassen ästhetische und gesellschaftliche Fragen,
sie stellt die Frage nach Aussen- und Innenwahrnehmung,
sie versucht, die sich ständig verflüchtigende Grenze zwischen Privatheit und Öffentlichkeit für einen Moment festzuhalten.

Meine Damen und Herren

Der Besuch im Pavillon ist ein doppelter:
Während die Besucher ihn besichtigen,
besichtigen sie gleichzeitig ihren eigenen Blick darauf:
ihr Bild ihrer Wohnung.

Was als Konzept etwas verrückt klingt, ist der raffinierte Ansatz des jungen Teams.

Der fotografische Blick auf Wohnräume steht heute – in Zeiten des Internets – am Anfang jeder Wohnungssuche.

Wir kennen viel mehr Bilder von Wohnungen als Wohnungen.
Welche Normen, Vorstellungen und Emotionen zu Innenräumen werden uns da vermittelt?
Wie sind diese Bilder fabriziert?
Mit Fotografien dokumentieren und interpretieren Architekten auch ihr Schaffen.

Auf spielerische Weise lässt sich mit «Svizzera 240: House Tour» der Weg der Architektur quasi rückwärts verfolgen:
vom Bild zurück zum Modell.

Mesdames et Messieurs,

C’est la première fois que le pavillon suisse a fait l’objet d’un concours d’architecture.

Les concours d’architecture sont fortement ancrés dans notre pays et font partie intégrante de notre approche démocratique des choses.
Ils peuvent renforcer autant l’importance d’un projet que la qualité d’un concept.
Ils ne visent généralement pas seulement à choisir le projet gagnant,
mais aussi à faire connaître le cahier des charges détaillé – les critères définis – à un large public.
Ils permettent aussi d’avoir un aperçu des débats actuels en matière d’architecture.

En résumé, les concours d’architecture encouragent aussi la diversité et l’excellence, comme le montre d’ailleurs cette édition de la Biennale.

Mesdames et Messieurs,

Vous l’aurez certainement remarqué : la ligne de démarcation entre ce qui est privé et ce qui est public se déplace.

La porte de notre appartement reste le seuil qui nous sépare de l’espace public – mais dans quel sens s’ouvre-t-elle ?

Marquera-t-elle un jour la limite entre un dehors privé et un dedans public ?
Comme l’on passe aujourd’hui de l’appartement-musée de Venise à la chambre d’hôtel hyperconnectée et mondialisée ?

Mais voilà qui fera l’objet d’une autre exposition,
avec d’autres questions
tellement intéressantes
qu’il ne sera peut-être pas possible d’y répondre…

Je vous remercie de votre attention.

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