Zurich
Es gilt das gesprochene Wort.
Diese Treffen müssen wir unbedingt beibehalten – solange wir noch können.
Denn irgendwann – das sagen uns die Spezialisten voraus – wird die Künstliche Intelligenz die Jobs von uns Politikern erledigen.
Schon vor drei Jahren hat der britische Finanzminister Philip Hammond gesagt, dass Roboter, ich zitiere: «dereinst weite Teile der britischen Politik und Verwaltung übernehmen würden».
Das klang bedauernd, nostalgisch.
Das war ja auch noch VOR den Brexit-Verhandlungen: Heute wäre Hammond wohl froh, die berechenbaren Roboter sässen in London bereits im Parlament…
Das Thema „Zukunft der Arbeit“ wird seit einiger Zeit weniger auf einer visionären Ebene diskutiert, als auf einer sehr handfesten.
Die Debatte über die Digitalisierung ist reifer geworden.
Die Computer können zwar viel – aber längst nicht alles.
Beispiel Bilderkennung:
Eine japanische Studie zeigt sogar, dass sie manchmal erschreckend ahnungslos sind:
Ein einziges verändertes Pixel in einem Bild –
und der Rechner hält das abgebildete Pferd für einen Frosch…
Dann regieren wir vielleicht doch lieber selber weiter…
Gemäss dem amerikanischen Ökonomen James Bessen gibt es nur ein einziges Berufsbild, das in den USA in den vergangenen Jahrzehnten tatsächlich vollständig verschwunden ist:
der Liftboy.
Wir sind jetzt endlich an einem Punkt – an dem wir von den grossen – oder auch grandiosen – Prognosen weggekommen sind.
Traditionelle Jobs fallen nicht einfach weg – aber sie verändern sich grundlegend.
Und deshalb müssen wir uns mit jenen Fragen befassen, die hier und heute eine Rolle spielen im Leben der Menschen.
Wir stellen fest: Auch in der Gig-Economy bleiben die alten Fragen wichtig:
Wie sichern wir faire Löhne und Lohngleichheit?
Wie sichern wir Schutz vor Unfall, Krankheit und Arbeitslosigkeit?
Wie gliedern wir die Digitalisierungsverlierer beruflich ein?
Und wir müssen über Szenarien nachdenken. Über weitergehende Fragen wie:
Müssen wir die Finanzierung unserer Sozialsysteme grundsätzlich überdenken? Müssen wir uns vom Ziel „Arbeit für alle“ verabschieden?
Was machen die Menschen, die in der Arbeitswelt keinen Platz finden? Wovon leben sie? Woher holen sie sich ihre Identität und ihr Selbstwertgefühl?
Wir müssen beides tun: Das Konkrete angehen und das Visionäre denken.
Und beides machen wir am besten zusammen:
Weil wir alle vor den gleichen Herausforderungen stehen.
mit unserer je eigenen, national geprägten Perspektive.
Wir dürfen nicht einer digitalen Euphorie verfallen und auch keinem digitalen Fatalismus –
denn diese Prozesse der Digitalisierung werden mit Sicherheit nicht brav linear verlaufen.
Sondern vielmehr disruptiv.
Nicht nur technisch, sondern auch politisch.
Diese Transformation wird uns gelingen.
Aber wir dürfen die gesellschaftliche Komplexität nicht ausblenden – nur weil die Geschäftsmodelle der Digitalwirtschaft häufig bestechend einfach sind.
Die Schweiz ist ein guter Ort, um über diese Themen nachzudenken.
Denn mein Land ist alles andere als binär.
Dafür ist es viel zu kompliziert, viel zu vielfältig.
Wir sind gezwungen, zahlreiche Perspektiven in unseren Debatten zu berücksichtigen.
Charles de Gaulle rief über Frankreich einst verzweifelt aus:
„Wie kann man nur ein Land mit 246 verschiedenen Käsesorten regieren?“
Nun, die Schweiz hat 450 Käsesorten…
Und damit wären wir endlich beim Essen angekommen.
Ich wünsche Ihnen allen einen guten Appetit!