Stein (AG)

Manuscrit, non publié à l’époque. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.

Discours prononcé en allemand, avec une salutation en anglais. Texte original, non traduit.

Sehr geehrte Damen und Herren National- und Ständeräte
Dear Mister Narasimhan
Sehr geehrte Damen und Herren Regierungsräte
Herr Gemeindeammann
Meine Damen und Herren

Ich freue mich, hier mit Ihnen dieses hoch innovative Werk eröffnen zu dürfen.

Die Schweiz verdankt Novartis viel. Man denke nur an den gewaltigen Beitrag Ihrer Firma an die R&D-Ausgaben der Schweiz.

Und Novartis verdankt auch der Schweiz viel – nicht nur attraktive Rahmenbedingungen, sondern auch ihre Unternehmens-DNA aus Geschichte und Werten.

Forschungsaktive Firmen wie Novartis finden in der Schweiz hochqualifizierte Fachkräfte,
aber auch ein Umfeld für den wissenschaftlichen Austausch. Vor allem mit den ETHs und den Universitäten.

Wir waren und sind zusammen erfolgreich.

Deshalb freut es mich, wenn Novartis – wie hier in Stein – sein Vertrauen in den Wirtschafts- und Forschungsstandort Schweiz ausdrückt.

Gefreut habe ich mich auch, als ich kürzlich las, dass Sie, Herr Vas Narasimhan dabei sind, die Unternehmenskultur von Novartis zu demokratisieren.
Sogar der CEO ist jetzt ein „Unboss“, ein Un-Chef, ein Diener seiner Angestellten, wie er selber sagt.
Das nenne ich ein echtes Bekenntnis zur Schweiz!

Ich sage das als Bundesrat, ebenfalls ein Unboss.
Und zwar einer, der ganz besonders viele Chefs hat.
acht Millionen!
Nämlich das Volk.

Im Ernst, meine Damen und Herren

Die Schweizer Pharmaindustrie, einst als «die Chemische» bekannt, hält sich seit mittlerweile 150 Jahren an der Weltspitze.

Sie behauptet sich gegen Konkurrenten in den bevölkerungsstärksten und mächtigsten Ländern der Welt mit ihrem Dutzendfach grösseren Talent-Pool.
Das ist die Frucht von Anstrengung, Können, zweifellos auch Glück – und nicht zuletzt von Mut und Visionen.
Und einem ausgeprägten Sensorium dafür,
dass ein Forschungs- und Wirtschaftsstandort nur so gut ist, wie die Gesellschaft, die ihn trägt.

Meine Damen und Herren

Verschiedene gentherapeutische Arzneimittel sind in letzter Zeit zugelassen worden.

Sie stellen für bisher nicht behandelbare Krankheiten
oder bei Patienten mit schweren tödlichen Krankheiten
eine letzte Behandlungsmöglichkeit dar.
Wo andere Therapien versagt haben.
Sie haben teilweise auch das Potenzial zur Heilung.

Die CAR-T-Zelltherapie, die hier in Stein in Zukunft hergestellt wird, ist eine dieser hoffnungsvollen Therapien für krebskranke Kinder und Erwachsene,
damit diese länger und bei einer besseren Lebensqualität leben können.

Wie alle Therapien haben diese Methoden mit Eingriffen in die Gene neben dem Nutzen auch Risiken.

Die Zulassung erfolgte aufgrund von deren Potenzial in einer früheren Entwicklungsphase als bei anderen Arzneimitteln.

Deshalb ist es sehr wichtig, dass weiter geforscht und die Einführung der Therapien überwacht wird.

Damit die heute noch bestehenden wesentlichen Unsicherheiten zu deren Nutzen
– insbesondere dem langfristigen Nutzen –
und der unerwünschten Wirkungen beseitigt und wissenschaftlich besser belegt werden können.

Meine Damen und Herren

Ein weiterer Aspekt der Gentherapien und auch der CAR-T-Zelltherapien stellen die hohen Kosten dar, die für das Gesundheitssystem in Zukunft eine grosse Herausforderung darstellen.

Auch deshalb ist es unerlässlich, dass bessere wissenschaftliche Grundlagen geschaffen werden.
Hier sind die Pharmaunternehmen gefragt.
Und ebenso die Kliniken, welche die Therapie anwenden.

Die Arzneimittelkosten sind in den letzten Jahren stark angestiegen. Es ist davon auszugehen, dass die Kosten auch in den nächsten Jahren weiter wachsen.

Insbesondere im Bereich Onkologie und der seltenen Krankheiten werden sehr viele neue vielversprechende innovative,
aber gleichzeitig auch sehr teure Therapien auf den Markt kommen.
Kosten pro Therapie und Patient von mehr als 100’000 Franken werden daher künftig keine Seltenheit mehr sein.

Diese hohen Preisforderungen bedeuten eine grosse Herausforderung für die Gesellschaft.

Einerseits sollen Patientinnen und Patienten rasch von neuen Therapien profitieren können.
Andererseits muss die Vergütung durch die Obligatorische Krankenversicherung finanzierbar sein
Denn das Wachstum der Prämienlast für die Haushalte muss gedämpft werden.

Für neue, sehr teure und komplexe Therapien, die sich an der Schnittstelle zwischen ärztlicher Behandlung und Medikament bewegen – wie eben zum Beispiel für Gentherapien – müssen jedoch angepasste Lösungen gefunden werden.

Es braucht also auch diesbezüglich Innovation.
Diese Herausforderung müssen wir annehmen.
Mit der Umsetzung sogenannter Preismodelle –
Mit der Weiterentwicklung der Tarifstruktur Swiss DRG,
mit der die Wirtschaftlichkeit und die Versorgung gewährleistet werden soll.

Anfang nächstes Jahr gibt der Bundesrat ein zweites Paket mit Massnahmen zur Kostendämpfung in die Vernehmlassung.

Der Bundesrat erwägt im Rahmen dieses Paketes,
die rechtlichen Grundlagen für Preismodelle zu konkretisieren und zu festigen.
Damit finanzierbare Preise festgelegt werden können
und der Zugang zu hochpreisigen Arzneimitteln aufrechterhalten werden kann.

Meine Damen und Herren

Es wäre zu unser aller Nachteil, wenn die zu Recht hohe Anerkennung der Pharmaindustrie und ihrer eminenten Bedeutung für unser Land unter einer Diskussion leiden würde,
die sich vornehmlich um extrem hohe Preise dreht;
Preise, die der Öffentlichkeit nur schwer zu vermitteln sind.

Der Bundesrat will die Rahmenbedingungen für die Forschung und Industrie weiter verbessern.

Gleichzeitig soll auch der Zugang der Bevölkerung zu den Errungenschaften der Biomedizin gesichert sein.

Damit will der Bundesrat die positive Haltung der Bevölkerung gegenüber den Errungenschaften der biomedizinischen Forschung und Technologie auch in Zukunft erhalten.

Gerade im heutigen politischen Klima ist das wichtig:

Die Globalisierung und mit ihr die schärfere Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt verunsichern viele Menschen.
Auch in der erfolgreichen Schweiz.
Weite Kreise der Bevölkerung wähnen sich auch hierzulande in der Defensive.

Das ist eine Realität, ob wir sie mögen oder nicht, ob wir sie für rational begründet halten oder nicht.

Und das prägt auch unsere Debatten.
Sei es über unser Verhältnis zur EU
oder bei anderen Anliegen, welche die Wirtschaft existentiell betreffen.

Wer diese Skepsis gegenüber der Globalisierung und damit gegenüber globalen Unternehmen überwinden will,
muss sich dafür engagieren,
dass globale Wirtschaft und nationale Gesellschaft sich nicht weiter voneinander entfernen
oder gar entfremden.
Sondern dass sie sich einander vielmehr wieder annähern.

Und jeder Schritt, den wir aufeinander zugehen, wird ein gemeinsamer Fortschritt sein.

Ich wünsche allen Mitarbeitenden des Werkes Stein viel Freude und Erfolg!

Icônes : Icons8