Berne

Manuscrit, non publié à l’époque. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.

Discours prononcé en allemand et en français. Texte original, non traduit.

Meine Damen und Herren

Die Corona-Krise ist – was die Arbeit betrifft – eine Krise der Frauen.

Die Frauen sind es, die weltweit in gewaltiger Zahl ihren Job verloren haben.

Auch in der Schweiz sind die Frauen die Verliererinnen der Krise.

Die Erwerbslosigkeit wegen Corona traf junge Frauen am stärksten.

Es sind überwiegend Frauen, die in Berufen arbeiten, in denen Telearbeit keine Option ist: Im Spital, in der Kita, an der Kasse.

Die Frauen sind es auch, die wegen der Schliessung der Schulen und der Kitas doppelt belastet waren.

Vor diesem Hintergrund müssen wir das Thema „Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit“ und „frühe Förderung“ diskutieren.

Die Frage lautet:

Gelingt es uns endlich, das volle Engagement von Vätern UND Müttern wirklich zu nutzen –

oder schwächen wir uns wirtschaftlich und gesellschaftlich sogar noch mehr als bis anhin?

Gelingt es uns, für alle Kinder,

und zwar ab Geburt, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sie ihr Entwicklungspotenzial voll entfalten können?

Meine Damen und Herren

Der Bund engagiert sich stark für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit.

Und wir haben einige Fortschritte erzielt:

Ich denke dabei in erster Linie an die Finanzhilfen, mit denen der Bund seit 2003 das Angebot an familienergänzender Betreuung für Kleinkinder und Schulkinder fördert.

Wir wissen aus der Evaluation, dass diese Förderung sehr nachhaltig ist.

Ich denke aber auch an die bessere Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Angehörigenpflege mit dem bezahlten Betreuungsurlaub.

Er steht seit dem 1. Juli 2021 allen Eltern zur Verfügung, die ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen oder einschränken müssen, um ihr schwer erkranktes oder verunfalltes Kind zu betreuen. Der 14-wöchige Urlaub wird durch die EO entschädigt.

Zentral ist auch die frühe Förderung der Kinder:

Die Basis für die Entwicklung eines Kindes wird in der frühen Kindheit gelegt.

Kinder brauchen ein anregendes Lernumfeld, und zwar ab der Geburt.

Sie brauchen Erwachsene, die sie bei ihren Erkundungen begleiten und unterstützen.

Frühe Förderung geschieht in der Familie, aber auch in der familienergänzenden Kinderbetreuung:

Aus diesem Grund braucht es qualitativ hochstehende Betreuungsangebote.

Kitas müssen für alle Kinder zugänglich sein, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft.

Der Bund nimmt hier eine wichtige unterstützende Rolle ein.

Er setzt in Zusammenarbeit mit Gemeinden, Kantonen und privaten Organisationen Impulse, um die Rahmenbedingungen in der frühen Kindheit zu verbessern:

Mit dem Nationalen Programm zur Prävention und Bekämpfung von Armut hat der Bund dazu beigetragen, dass sozial benachteiligte Familien einen besseren Zugang zu den Betreuungsangeboten haben.

Der Bund unterstützt mit den Integrationsprogrammen die Kantone in der frühen Sprachförderung von Kindern mit Migrationshintergrund.

Es wurde in den letzten Jahren schon viel erreicht.

Aber einiges kann noch verbessert werden:

Kinder aus sozial benachteiligten Familien würden am meisten von qualitativ guten Betreuungsangeboten profitieren. Sie nutzen diese aber weit weniger als Kinder aus gut situierten Familien.

Nicht selten spielen dabei die Kosten eine entscheidende Rolle. Hier leistet der Bund mit den neuen Finanzhilfen zur Senkung der Elterntarife einen wichtigen Beitrag.

Meine Damen und Herren

Noch nie waren in der Schweiz die Voraussetzungen so gut, eine Familie zu haben und gleichzeitig erwerbstätig zu sein.

Aber wir sind noch lange nicht am Ziel.

Wie gross der Handlungsbedarf nach wie vor ist, zeigt ein Vergleich mit anderen Ländern.

Eine Untersuchung der UNICEF über die Vereinbarkeit ist vor zwei Jahren zu einem wenig schmeichelhaften Schluss gekommen:

«Die Schweiz ist wenig familienfreundlich».

In der Rangliste der 31 europäischen Länder, die untersucht wurden, liegt die Schweiz nämlich ganz am Schluss.

Immerhin haben wir inzwischen in einem wichtigen Punkt zugelegt:

Beim Vaterschaftsurlaub – seit dem 1. Januar in Kraft.

Der fehlende Vaterschaftsurlaub war mit ein Grund für das schlechte Abschneiden der Schweiz im Ländervergleich.

Vor allem bei den Kosten für einen Krippenplatz liegt die Schweiz im internationalen Vergleich weit hinten.

In keinem anderen Land müssen die Eltern einen so hohen Anteil ihres Verdienstes für die familienergänzende Kinderbetreuung aufbringen wie in der Schweiz.

Es überrascht darum nicht, dass in der Schweiz vor allem gutverdienende Eltern ihre Kinder in Krippen betreuen lassen – und darum erwerbstätig bleiben können.

Dabei wäre gerade für Familien mit tiefen Einkommen die Erwerbsarbeit wichtig, um nicht in die Armutsfalle zu geraten.

Meine Damen und Herren

Der Bund fördert seit bald 20 Jahren mit grossem Erfolg die Schaffung von Kitaplätzen und Tagesschulen.

Bis zum August dieses Jahres wurden dank dieses Engagements rund 67’000 Plätze geschaffen.

Seit einiger Zeit können wir auch die Kantone darin unterstützen, die hohen Elterntarife nachhaltig zu senken.

Die bislang eingereichten Gesuche zeigen, dass die Kantone sehr froh sind über dieses zusätzliche Engagement des Bundes.

Nicht weniger als 22 Kantone haben entweder schon Anträge eingereicht oder uns solche angekündigt.

Die Pandemie hat uns eindrücklich, ja eindringlich gezeigt, wie wichtig die institutionelle Kinderbetreuung ist.

In allen Kantonen haben Kitas und schulergänzende Angebote davon profitiert,

dass der Bund ihnen geholfen hat, die fehlenden Einnahmen während des ersten Lockdowns zu überbrücken.

Dies war ein unverzichtbarer Beitrag, um Konkurse zu verhindern und das mit viel Aufwand aufgebaute Angebot nachhaltig zu sichern.

Meine Damen und Herren

Wir wissen, dass das Kita-Angebot die Erwerbstätigkeit von Frauen wesentlich beeinflusst.

Bei der Vereinbarkeitspolitik geht es aber um weit mehr als nur das.

Zum Beispiel um die Altersvorsorge.

Die Altersrente von Frauen, die zwischen 2002 und 2012 pensioniert wurden, waren ganze 37 Prozent kleiner als die Renten der Männer.

Der Unterschied zwischen den Altersrenten von Frauen und Männern, ist in der Schweiz ziemlich hoch.

Bei den AHV-Renten ist der Unterschied klein: Er lag bei 3 Prozent. Die AHV schafft also einen wichtigen Ausgleich zwischen den Geschlechtern.

Bei den Pensionskassenrenten hingegen betrug die Differenz mehr als 60 Prozent.

Das spiegelt sehr deutlich die gelebte Rollenteilung von Ehepaaren und Familien dieser Rentnergeneration.

Vier Fünftel des Gender Pension Gaps sind auf die unterschiedliche Erwerbsbeteiligung zurückzuführen.

Die traditionelle Aufgabenteilung ist im Alter für die Frauen eine Falle: die Aufgabenteilung zwischen dem voll berufstätigen Ernährer und der nicht oder nur geringfügig berufstätigen Hausfrau und Mutter.

Mesdames et Messieurs,

C’est seulement lorsque nous exploiterons pleinement le potentiel de main-d’œuvre que nous pourrons relever tous les défis qui se présentent.

Et il y a encore des progrès à accomplir, comme le montrent les chiffres du marché du travail en Suisse.

La proportion de femmes actives de 15 à 64 ans est de 60 %.

C’est insuffisant.

La principale raison est connue : la prise en charge des enfants et des proches, encore très majoritairement assurée par les femmes.

78% des mères de 25 à 54 ans ayant des enfants de moins de 25 ans travaillent à temps partiel,

et souvent à un faible taux d’occupation.

A titre de comparaison :

parmi les femmes qui vivent seules, 31% seulement travaillent à temps partiel ;

et seuls 12% des hommes avec des enfants de moins de 25 ans travaillent à temps partiel.

Malgré tous les efforts entrepris, le modèle « papa à 100%, maman à temps partiel » reste la norme.

49% des couples avec enfants de moins de 4 ans suivent ce modèle familial et professionnel

Alors que dans seulement 10% des couples, les deux parents travaillent à temps partiel.

L’Enquête suisse sur la population active montre en outre que le potentiel des mères reste insuffisamment exploité.

En effet, 14% des femmes en couple avec enfants de moins de 25 ans aimeraient travailler davantage.

Cette volonté de s’engager professionnellement est un potentiel que nous devons exploiter.

Mesdames et Messieurs,

« Concilier famille et travail » signifie que l’on ne doit plus choisir entre l’un ou l’autre, mais que l’on peut mener les deux de front.

Pour cela, il faut éliminer les obstacles qui se dressent encore et toujours entre la charge de famille et l’activité professionnelle.

Ce n’est pas uniquement un soutien individuel, certes important, que nous offrons ainsi aux mères, pères et enfants concernés.

Mais c’est surtout un coup de pouce majeur à l’économie et à la société :

qui réduit la pénurie de personnel qualifié,

qui améliore la sécurité sociale d’un grand nombre de personnes, aujourd’hui et plus tard au moment de la retraite,

et enfin qui permet de maintenir la pérennité de nos assurances sociales.

Ce sont les sociétés permettant aux femmes de mettre à profit leur savoir et leurs compétences qui prospéreront dans l’économie numérique du XXIe siècle.

Et quelle société va péricliter ?

Celle qui s’obstinera dans ses préjugés obtus,

et qui se laissera freiner par des arguments prétendument rationnels.

Ainsi, veiller à une bonne conciliation entre famille et travail est un impératif non seulement moral, mais aussi économique.

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