Kloten

Manuscrit, non publié à l’époque. Texte établi d’après l’exemplaire de lecture. Seul le prononcé fait foi. Les notes de travail ont été retirées.

Discours prononcé en allemand. Texte original, non traduit.

Sehr geehrte Nationalrätinnen und Nationalräte
Sehr geehrter Herr Ständerat
Sehr geehrte Regierungsrätinnen und Regierungsräte
Seine Exzellenz
Sehr geehrte Mitglieder der Kantons- Gemeinde- und Stadtbehörden
Sehr geehrter Herr Verwaltungsratspräsident
Meine Damen und Herren

Lassen Sie mich zuerst eines klarstellen: Dieser Auftritt hat nichts damit zu tun, dass ich im Dezember für den Bundesrat nicht mehr kandidiere. Das ist also keine Bewerbung für eine Stelle als Pilot.

Wobei: Mit Dementis muss man ja aufpassen, nicht nur vor Bundesratswahlen. In Bundesbern kann so eine Aussage leicht als eine etwas verklemmte Form der Bewerbung verstanden werden. Aber wir sind ja hier im fadengeraden Zürich. Hier gilt das gesprochene Wort, nicht das gemeinte Wort.

Nein, ich bin hier, um dem Flughafen Zürich zu seinem 75. Geburtstag zu gratulieren.

Die Bedeutung des Flughafens Zürich ist kaum zu überschätzen: Weltoffenheit, gesellschaftliche Vernetztheit, Wettbewerbsfähigkeit. Alle diese Pfeiler einer erfolgreichen Schweiz kämen ins Wanken, wenn es den Flughafen Zürich nicht gäbe.

Lassen Sie mich das auf Züritüütsch sagen: Der Beitrag des Flughafens an unser Land ist schlicht und einfach: «unique»!

Aber: «unique» ist in der auf Ausgleich und Ausgewogenheit angelegten Schweiz immer auch etwas heikel…

Deshalb hat der Bundesrat vor kurzem eine Arbeitsgruppe eingesetzt.

Diese hat den Auftrag, die Schweizer Flughafen-Situation unter regionalpolitischen Aspekten kritisch zu untersuchen.

Ich will den Resultaten dieser Arbeitsgruppe, die intensiv arbeitet und deren Resultate bereits 2048 vorliegen sollen, keineswegs vorgreifen, aber ich muss Ihnen sagen: Es sieht nicht gut aus…

Nehmen wir die Anzahl abgefertigter Passagiere im Jahr 2019:
Flughafen Bern Belp: 50’174.
Flughafen Zürich: 31’507’692.

Meine Damen und Herren: Da ist in unserem Land etwas aus der Balance geraten.

Oder nehmen wir die Anzahl Flugbewegungen: Im Vor-Pandemie-Jahr 2019 waren es hier in Kloten 275’329. Während es am Airport St. Gallen-Altenrhein lediglich 29’731 waren.

Da wächst schon die Sorge um den nationalen Zusammenhalt.

Sie verstehen, dass der Bundesrat zum Schluss kommt: Der Flughafen Zürich ist schlicht zu gross. Und dass die Westschweizer ihre Mehrheit im Bundesrat voll ausspielen, um den Flughafen Genf zu stärken.

Aber ich kann Sie beruhigen: Noch ist nichts entschieden, nicht einmal Eckwerte…

Meine Damen und Herren

Im Ernst: Der Flughafen Zürich ist ein wichtiges Drehkreuz des europäischen und internationalen Flugverkehrs.

Er hat globale Bedeutung, aber er ist gleichzeitig auch eine sehr schweizerische Institution, die ständig den Ausgleich sucht zwischen den verschiedensten Anspruchsgruppen, seien es Regierungen oder Fluggesellschaften, sei es die Wirtschaft oder die Zivilgesellschaft, seien es Verbände oder Anwohnerinnen und Anwohner.

Der Flughafen ist eine entscheidende Infrastruktur für die Schweiz. Und er leistet einen beträchtlichen Beitrag an unsere wirtschaftliche Stärke, insbesondere für Handel und Tourismus. Er trägt zudem entscheidend zum Image der Schweiz bei: Als erster Kontaktpunkt für viele Reisende und Durchreisende.

Nicht zuletzt ist der Flughafen Zürich ein faszinierender Mikrokosmos, in dem Tausende von Mitarbeitenden vor- und hinter den Kulissen für einen möglichst reibungslosen Betrieb sorgen.

Was ist ein Flughafen, wenn nicht die Menschen, die ihn betreiben! Häufig in Jobs mit grosser Verantwortung.

Ihnen allen sei hier herzlich gedankt.

Meine Damen und Herren

Eine grosse Verantwortung trägt die Flugindustrie – und mit ihr der Flughafen Zürich – auch im Kampf gegen die Klimakrise, der existentiellsten Herausforderung, mit sich die Menschheit konfrontiert sieht.

Die Emissionen aus der Flugindustrie sind unter dem Pariser Klimaübereinkommen nicht abgedeckt, da nur die territorialen Emissionen der Mitgliedsstaaten erfasst werden.

Deshalb ist es aber umso wichtiger, dass sich die Flugindustrie eigene ambitionierte Ziele setzt und so Teil der globalen Lösung wird.

Es freut uns, dass die Flugindustrie sich zum Netto-Null Ziel bis 2050 verpflichtet hat und wir hoffen auf eine möglichst baldige Umsetzung ihres langfristigen Ziels.

Der weite Zeithorizont bedingt indes, dass konkrete Zwischenziele definiert und auch wirklich erreicht werden. Expertinnen und Experten äussern sich in diesem Punkt momentan eher skeptisch.

Der Flughafen Zürich sollte möglichst bald Teil der Lösung werden und sich mit ambitionierten und innovativen Ideen an der Umsetzung der IATA-Strategie beteiligen.

Meine Damen und Herren

Ohne den Flughafen Zürich wäre die Schweiz nicht das Land, das wir kennen und schätzen.

Der Flughafen steht symbolisch und real für die erfolgreichen Nachkriegsjahrzehnte. Einer Zeit, in der der Optimismus ungebrochen war und der Aufschwung endlos schien.

Schon ganz zu Anfang, nur drei Jahre nach dem Krieg, liess man sich nicht einschüchtern oder gar lähmen von den zahlreichen Widrigkeiten, etwa der Beschaffenheit des Bodens.

Im Buch «Flughafen Zürich 1948-2008» heisst es, ich zitiere: «Als am 17. November 1948 die Blindlandepiste eingeweiht wurde, war der Flughafen Zürich einer der modernsten der Welt. Allerdings erst beim Pistensystem. Für den Betrieb und die Passagierabfertigung stand während fünf Jahren nur ein Barackendorf zur Verfügung.» Ende Zitat.

Modernste Pisten und daneben ein Barackendorf…

So viel Tatendrang, so viel Mut zum Unfertigen: Das wäre heute wohl undenkbar in der Schweiz!

Meine Damen und Herren

Wenn wir an die ersten Jahrzehnte des Flughafens Zürich denken, die 50er und 60er Jahre, dann schwingt immer etwas Nostalgie mit.

Aber das ist eine seltsame, paradoxe Nostalgie.

Wir sehen uns ja nicht wirklich in die Vergangenheit zurück.

Sondern wir sehnen uns nach dem Aufbruchsgeist, der damals, nach dem Krieg, den Zeitgeist prägte.

Diese Zukunftsfreudigkeit vermissen wir heute, angesichts der doch ziemlich zerknirschten und ängstlichen Grundstimmung, die momentan viele Debatten prägt.

Vielleicht hilft uns diese Geburtstagsfeier, ein bisschen vom damaligen Aufbruchsgeist in die Gegenwart hinüber zu retten.

Ganz nach dem Motto:

Weniger Swiss finish.

Ich meine jetzt das Land, nicht die Airline…

Also:

Weniger Swiss finish.

Und dafür mehr Swiss beginning.

Danke.

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